Vorhang auf für die HPA/1 - alias Prachtlibelle. Federleicht und spindeldürr ist das Ultraleichtflugzeug. Damit wollen Studenten der Technischen Universität Dresden einen 38 Jahre alten Weltrekord brechen.

Ihr Ziel: Von Peenemünde aus 117 Kilometer Luftlinie über die Ostsee fliegen - angetrieben durch pure Muskelkraft. Den Streckenrekord, den amerikanische Studenten 1988 mit einem Muskelkraft-Flugzeug aufstellten, ist mit 115 Kilometern bisher ungebrochen.

Die Startbahn ist bereit für den ersten Flug der "Prachtlibelle". Das Ultraleichtflugzeug soll im Juni dieses Jahres einen Weltrekord aufstellen. Bildrechte: MDR

Testpilot ist Rennradfahrer

Jetzt steht der Testflug an. "Für die, die sehr viel und fleißig Fahrrad fahren, ist das möglich. Für uns normale Menschen ist das eine Hausnummer", sagt Projektleiter des Vereins Odonata, Felix Herrmann.

Testpilot Laurin Reichert, der schon in der Bundesliga Rennrad gefahren ist, fühlt sich gut vorbereitet: "Ich habe schon einige Erfahrung im Flugsimulator gesammelt und mit dem Flugzeug ein paar Tests hinter mir."

Studenten testen physikalische Grenzen aus

Rückblick Januar: Die Studenten bauen noch in einer Werkhalle in Dresden an der "Prachtlibelle". Weil sie mit ihrer grazilen Form und den durchsichtigen Flügeln an eine Libelle erinnert, haben die Tüftler sie so getauft.

Studentinnen und Studenten aus Dresden haben monatelang an ihrem Ultraleichtflugzeug getüftelt. Bildrechte: MDR

Zielmarke: Möglichst wenig Gewicht

Eineinhalb Jahre hat es von der ersten Idee, über Sponsorenakquise und Materialbeschaffung gedauert, unzählige Materialtests liegen hinter den angehenden Physikern, Maschinenbauerinnen und Luft- und Raumfahrttechnikern. Aus Kohlefaser, Schaumstoff und Folie wollen sie das physikalisch fast Unmögliche schaffen: ein möglichst leichtes Flugzeug mit wenig Material.

Die Studierenden haben ihre Flugzeug immer weiter optimiert, um es leichter zu machen. Bildrechte: MDR

Die Studenten hatten sich eine Zielmarke beim Gewicht der Flügel gesetzt: Sie sollten möglichst unter 18 Kilogramm wiegen.

So lief der erste Testflug

Drei Monate später wird es ernst auf dem Rothenburger Testflugfeld bei Görlitz - die Grünflügel-"Prachtlibelle" ist ready: Knapp 30 Kilogramm schwer, 34,5 Meter Flügelspannweite. Und dieses Ding soll fliegen? Testpilot Laurin radelt was das Zeug hält - hält auch das Material?

Die "Prachtlibelle" hat die erste Feuertaufe bestanden und ist abgehoben. Bildrechte: MDR

Das Ultraleichtflugzeug startet. Erst sieht es ganz gut aus. In einer Höhe von zwei, drei Metern, wie hier auf dem Testfeld, wollen sie im Juni 117 Kilometer über der Ostsee schweben.

Testpilot Laurin Reichert betreibt das Ultraleichtflugzeug nur mit der Muskelkraft seiner Beine. Bildrechte: MDR

Doch dann das... der rechte Flügel bricht weg. "Der erste Knack hat mich schon sehr beunruhigt", sagt Testpilot Laurin Reichart. "Ich habe versucht, die Landung einzuleiten. Bevor ich dann unten angekommen bin, hat es nochmal richtig geknackt."

Beim ersten Testflug ist ein Flügel des Ultraleichtflugzeuges zerbrochen. Bildrechte: MDR

Tüftler lassen sich von Bruchlandung nicht abbringen

Verletzt hat sich Laurin nicht, die extrem sparsame Materialverarbeitung hat ihren Preis. Doch Projektleiter blickt Felix Herrmann voraus: "Wir werden hieraus lernen und dann geht es weiter."

Ein kleiner Dämpfer für den Weltrekordversuch im Juni. Doch Ersatzteile liegen im Hangar bereit, damit ihr Ultraleichtflugzeug am Ende doch noch perfekt abheben kann.

MDR (phb)

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