Computerexperte: Kommunikation bei Instagram wird ein Stück weit unsicherer
- Kirchner empfiehlt Signal und Threema als alternative Messenger-Dienste.
- Es gebe politischen Druck, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dann zumindest mit digitalen Hintertüren zu versehen.
- Das größte Problem beim Plattformwechsel ist der Faktor Mensch.
MDR AKTUELL: Wird der Austausch von Nachrichten bei Instagram ohne die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung jetzt unsicherer?
Malte Kirchner: Ein Stück weit ja, weil es ja so ist, dass der Anbieter auch jetzt Nachrichten einsehen kann, die man mit anderen austauscht. Dass kann letztendlich auch bedeuten: im Falle eines Dateneinbruchs könnten eben auch Externe dann diese Kommunikation lesen, wenn die auf Meta-Servern hinterlegt ist. Es ist natürlich auch möglich, dass Behörden sich da Zugriff verschaffen und zum Beispiel für Strafermittlungen darauf zugreifen.
Worauf sollten da Nutzer jetzt unbedingt achten, wenn sie in Zukunft weiterhin Instagram nutzen?
Wichtig ist zuerst mal, dass man ein Bewusstsein dafür hat, dass es eben diese Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dort nicht mehr gibt. Und wenn man jetzt seine Kommunikation sicher halten möchte, dann sollte man vielleicht schauen, welche Alternativen es da gibt.
Und welche Alternativen gibt es denn? Was empfehlen Sie denn?
Also sehr beliebt ist der Messenger Signal, weil der von einer gemeinnützigen Stiftung auch herausgebracht wird und einen Fokus auf Sicherheit hat.
Eine weitere Alternative, die sehr beliebt ist, ist Threema. Das ist ein Messenger aus der Schweiz, der obendrein auch seine Server in Europa hat.
Das sind beides Messenger, die eben sehr stark auf Verschlüsselung setzen, diese Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bereithalten und dementsprechend dann als sicher gelten.
Aber bei Singal gab es vor kurzem doch den Vorfall, dass der Messenger gehackt wurde, oder?
Gehackt wurde Signal ja nicht in dem Sinne, sondern das war eine Phishing-Attacke auf die Nutzer, die dann Zugänge preisgegeben haben. Mit denen konnten dann Andere darauf zugreifen.
Die Infrastruktur von Signal war letzten Endes nicht angetastet worden. Es war tatsächlich so, dass - in Anführungszeichen - menschliche Schwächen ausgenutzt wurden, um sich Zugriff über deren Accounts zu verschaffen.
Dass nun diese Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abgeschafft wird, betrifft das noch andere Plattformen, bei denen das bisher vorhanden war?
Also gegenwärtig ist es erst mal Instagram, die das machen. Sie argumentieren ja auch, auf ihrer Plattform sei die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht so stark genutzt worden, und deshalb würden sie sie zurücknehmen.
Aber es gibt tatsächlich einen politischen Druck, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zumindest mit digitalen Hintertüren zu versehen, um sie zum Beispiel für Behördenermittlungen zu öffnen. Oder auch in einigen Ländern, zum Beispiel Großbritannien und Kanada, gibt es sogar Gesetzesinitiativen beziehungsweise Bestrebungen, dass Ende-zu-Ende-Verschlüsselung komplett zurückgenommen werden sollen.
Nun gibt es bestimmt einige User, die sagen, okay, dann werde ich jetzt den Kanal wechseln. Man ist aber mit so vielen Menschen vernetzt. Wie kann denn so ein Wechsel auf eine andere Plattform ganz einfach gelingen?
Das größte Problem ist tatsächlich der Faktor Mensch. Einen anderen Messenger hat man ja schnell installiert. Das ist in der Regel eine neue App, die man installiert und dann muss man sich einen Account einrichten.
Das größte Problem ist tatsächlich der Bekanntenkreis, den man dafür gewinnen muss und das ist eigentlich auch der Grund, warum wir in diesem Messenger-Markt so wenig Verschiebungen bei den Marktanteilen sehen. Hier in Deutschland ist zum Beispiel WhatsApp sehr beliebt und jeder, der zum Beispiel eine Kindergarten- oder Schulgruppe hat, kennt das Problem: Wenn die meisten bei WhatsApp sind, dann ist man halt allein damit, dass man auf Sicherheit setzt. Das ist die größte Herausforderung.
Würden Sie denn mal für uns eine Prognose wagen, wohin entwickeln sich die Messenger-Dienste? Wird man irgendwann damit leben müssen, dass andere Zugang bekommen können?
Das ist tatsächlich nicht ganz auszuschließen. Es ist dieser politische Druck, der da ist, wo wir nicht wissen, wo das hingeht.
In der EU gibt es schon seit Jahren die Bestrebungen, eine Chat-Kontrolle weiterzufassen, um zum Beispiel auch negative Auswirkungen der verschlüsselten Kommunikation zu unterbinden.
Es gibt in anderen Ländern auch die Initiativen, dass gesagt wird, es müsse einen Behördenzugriff geben. Das hieße tatsächlich, dass Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufgehoben würde.
Es gibt aber auch bei den Betreibern durchaus Interesse, dort mehr mitzulesen. Einerseits, weil das dann auch als Werbedaten genutzt werden kann, also zur Vermarktung von Werbung. Ein weiteres großes Thema ist ja eben auch das Training von KI-Modellen. Auch die leben sehr stark davon, dass dann eben ganz viele neue Informationen als Input kommen.
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