Ärzteverband will Schnaps aus Supermärkten verbannen
- Der Marburger Bund will hochprozentigen Alkohol aus dem Supermarkt raus haben.
- Der Einzelhandel ist von Verboten allerdings wenig überzeugt, die Menschen kämen auch so an Schnaps und Co.
- Ärzte hoffen deshalb auf strengere Gesetze, vor allem mit Blick auf Alkoholkrankheiten.
Wie finden Sie die Idee, dass hochprozentige Getränke nur noch in Spezialgeschäften verkauft werden? Auf diese Frage antworten die Passantinnen und Passanten in Leipzig, ohne lange zu überlegen. "Finde ich ganz fein", heißt es von einer Passantin. Die meisten reagieren positiv. Sie hoffen auf weniger Alkoholmissbrauch und geringere Folgekosten. Andere halten zusätzliche Einschränkungen dagegen für überflüssig und verweisen auf die Eigenverantwortung der Konsumenten.
"Hochprozentiger Alkohol gehört nicht in den Supermarkt"
10,6 Liter reinen Alkohol trinkt der über 16-Jährige Durchschnittsdeutsche pro Jahr. Damit bewegt sich Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld, betont Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes.
Der Ärzteverband fordert jüngst gesetzliche Einschränkung beim Verkauf von hochprozentigem Alkohol. Johna sagt: "Wir glauben, hochprozentiger Alkohol gehört nicht zwischen Gemüse, Tiefkühlpizza und Kaugummi in den Supermarkt. Wir glauben auch, dass spezielle Alkoholshops es erleichtern würden, die Kontrollen durchzuführen. Das kommt in den Supermärkten häufig zu kurz. Also, die Alterskontrollen für den Zugang sind wichtig."
Verbote verhindern nicht anderweitige Beschaffung
Das sehe der Bundesverband der Lebensmittelhändler – kurz BVLH – auch, heißt es schriftlich auf Anfrage von MDR AKTUELL. Allerdings zahlt die Forderung nach Meinung des BVLH nicht auf das erklärte Ziel des Marburger Bundes ein. "Die Auswirkungen eines Verkaufsverbotes oder -einschränkung lassen sich derzeit nicht abschätzen und die Frage offen, ob diese zu einer Reduktion des Alkoholkonsums führen würde. Singuläre Verbote ohne wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen und Bildungsprogramme führen tendenziell nur zu Ausweichbewegungen in der Beschaffung."
Ärztin warnt vor Folgen wie alkoholbedingter Fettleber
Susanne Johna vom Marburger Bund hofft auf das Engagement von politischer Seite, die ein entsprechendes Gesetz entwerfen und verabschieden müsste. In ihrem Alltag als Ärztin muss sie immer wieder beobachten, was übermäßiger Alkoholkonsum mit menschlichen Körpern macht. "Ich bin Internistin und habe insofern sehr häufig Kontakt zu Menschen mit alkoholbedingten Fettlebern." Doch der Konsum führt nicht nur zu Krankheiten, sondern im schlimmsten Fall auch zum Tod. Johna zufolge sterben jedes Jahr mindestens 20.000 Menschen an zu viel Alkoholkonsum.
Wir wissen, dass in Deutschland pro Jahr mindestens 20.000 Menschen am erhöhten Alkoholkonsum sterben.
Johna hofft, dass spätestens jetzt Gesundheitspolitiker und -politikerinnen auf Bundes- und Länderebene erkennen, dass Alkoholverkauf neu gedacht werden muss. Nur so könne die Jugend geschützt und Alkoholismus besser begegnet werden.
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