Inhalt des Artikels:

  • Wie hoch ist die Anzahl der Insolvenzen aktuell?
  • Wie viel Insolvenzgeld wird aktuell ausgezahlt?
  • Was sind die Folgen für den Staatshaushalt?

Wie hoch ist die Anzahl der Insolvenzen aktuell?

Der Eindruck von Gerd Müller trügt nicht. Die Zahl der Insolvenzen ist tatsächlich gestiegen: Im April haben genau 1.776 Personen und Kapitalgesellschaften Insolvenz angemeldet. Das ist dem monatlichen Insolvenztrend zu entnehmen, den das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle erstellt. Der wiederum beruht auf den Bekanntmachungen der Insolvenzgerichte in Deutschland.

Fast 1.800 Insolvenzen – das waren drei Prozent mehr als noch im März und zehn Prozent mehr als im April 2025. Das Besorgniserregende daran ist: Einen Anstieg gegenüber letztem Jahr gab es nicht nur im April, sondern bisher in jedem Monat 2026.

Wir können sagen, dass der Anstieg der Insolvenzen im März und April eher aktuellen Geschehnissen geschuldet sein dürfte.

Steffen MüllerInstitut für Wirtschaftsforschung

Eigentlich, so Steffen Müller vom Institut für Wirtschaftsforschung, hatten Politik, Arbeitsagentur und auch er als Wirtschaftsforscher mit dem Gegenteil gerechnet: "Die Insolvenzzahlen waren in den vergangenen Jahren noch mit beeinflusst von Nachholeffekten aus der Pandemie, von Nachholeffekten aus der Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank. Diese Effekte hatten sich dann langsam ausgelaufen. Wir können also sagen, dass dieser Anstieg, der jetzt im März und April kam, eher aktuellen Geschehnissen geschuldet sein dürfte."

Damit meint Steffen Müller vor allem den Irankrieg. Ein Branchenzweig, bei dem sich das extrem ausgewirkt habe, sei das Baugewerbe. Dort werde relativ schnell auf steigende Kosten reagiert, zum Beispiel bei den Energiepreisen, und angeschobene Projekte würden schnell nicht umgesetzt.

Wie viel Insolvenzgeld wird aktuell ausgezahlt?

Für eine Bilanz ist nun entscheidend, wie viele Beschäftigte von Insolvenzen betroffen sind. Steffen Müller vom Institut für Wirtschaftsforschung hat eine weitere, schlechte Nachricht: "Wir haben, wenn wir das laufende Jahr anschauen, etwa neun Prozent mehr Insolvenzen als im Vergleichszeitraum 2025, aber 15 Prozent mehr betroffene Jobs. Der Grund dafür ist, dass wir doch auch eine Reihe von Großinsolvenzen hatten, wo gleich mehrere 1.000 Beschäftigte auf einmal betroffen waren."

Und dann ist nur folgerichtig, was auch die Bundesagentur für Arbeit auf MDR-Anfrage mitteilen muss: Bis Ende März 2026 lagen die Ausgaben fürs Insolvenzgeld bei 500 Millionen Euro, Das waren knapp 34 Millionen Euro mehr als im selben Zeitraum vor einem Jahr.

Was sind die Folgen für den Staatshaushalt?

Es sind weniger Folgen und Belastungen, als MDR-AKTUELL-Nutzer Gerd Müller befürchtet. Das Insolvenzgeld wird aus einer Umlage finanziert – und diese Umlage bezahlen die Arbeitgeber, nicht der Staat. Von jedem Gehalt sind das monatlich 0,15 Prozent. Zumindest bis zu einem Höchstbetrag, das ist die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung bei jedem Gehalt.

Aus dieser Umlage hat die Bundesagentur für das Jahr 2026 in ihrem Haushalt 1,5 Milliarden Euro fürs Insolvenzgeld veranschlagt. Nun gibt es allerdings durchaus ein Problem damit: Die Ausgaben im letzten Jahr lagen bei 1,7 Milliarden Euro. Wenn der Trend so weitergeht, wie es jetzt aussieht, werden die 1,5 Milliarden also auch 2026 nicht ausreichen. Aber aus der Umlage werden jedes Jahr auch Rücklagen gebildet. Dem letzten Geschäftsbericht der Bundesagentur zufolge sind diese Rücklagen hoch genug – selbst wenn dieses Jahr deutlich mehr Insolvenzgeld als die 1,5 Milliarden Euro fällig werden sollte.

Zum gesamten Bild gehört aber auch: Mit jeder Insolvenz verliert der Staat Einnahmen aus Unternehmen- und Einkommensteuern. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, dann steigen auch die Sozialausgaben. Insolvenzen sind also tatsächlich eine Belastung für den Staatshaushalt –nur eben nicht aufgrund des Insolvenzgeldes.

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