Streit um Segnungen homosexueller Paare spaltet katholische Kirche
Der Konflikt über Segnungsfeiern für homosexuelle Paare spitzt sich innerhalb der katholischen Kirche erneut zu. Während sich Teile der katholischen Kirche in Deutschland bereits seit längerer Zeit offen für solche Segnungen zeigen, kommen aus dem Vatikan in den vergangenen Wochen in aller Regelmäßigkeit bremsende Signale.
Streit um deutsche Handreichung
Im April dieses Jahres empfahl der Münchner Erzbischof Reinhard Marx die Umsetzung entsprechender Segensfeiern in seinem Erzbistum. Darauf reagierte auch Papst Leo XIV. und sagte: "Der Heilige Stuhl hat bereits mit den deutschen Bischöfen gesprochen. Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formellen Segnung von Paaren – in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen – nicht einverstanden sind, sofern dies über das hinausgeht, was Papst Franziskus, wenn man so will, ausdrücklich zugelassen hat." Gemeint ist damit das im Dezember 2023 vom Vatikan veröffentlichte Schreiben "Fiducia Supplicans".
Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formellen Segnung von Paaren – in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen – nicht einverstanden sind, sofern dies über das hinausgeht, was Papst Franziskus, wenn man so will, ausdrücklich zugelassen hat.
Erst vor wenigen Tagen wurde zudem ein Schreiben der obersten Glaubensbehörde veröffentlicht, das bereits vom 18. November 2024 stammt. Darin erklärte der Leiter des Dikasteriums, Kardinal Víctor Fernández, den deutschen Bischöfen, weshalb der Vatikan ihren Vorstoß für offizielle Segnungsfeiern homosexueller Paare zurückweist.
Damit bezog er sich auf die im April 2025 von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verabschiedeten Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft", mit welcher Seelsorger unter anderem auch zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermutigt werden sollen. Diese geht über das vom Vatikan veröffentlichte Schreiben hinaus.
Unterschiedliche Positionen in deutschen Bistümern
Mit Blick auf diese Thematik nimmt der Bischof von Erfurt, Ulrich Neymeyr, innerhalb Deutschlands unterschiedliche Positionen wahr. Neymeyr sagte MDR AKTUELL, einige Katholiken wollten klar zwischen Ehe und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften unterscheiden, andere forderten feierlichere Segnungen oder sogar eine Gleichstellung homosexueller Ehen mit kirchlichen Trauungen. Der Wunsch nach solchen Segnungen sei insbesondere in der Zeit des Synodalen Weges deutlich geworden.
Der Erfurter Bischof betonte jedoch, dass für ihn die Vorgaben des Vatikans maßgeblich seien. Aus seiner Sicht gebe es "rein biologische Unterschiede" zwischen gleich- und verschiedengeschlechtlichen Beziehungen. Deshalb solle das Sakrament der Ehe weiterhin Mann und Frau vorbehalten bleiben. Gleichzeitig spricht sich Neymeyr dafür aus, homosexuelle Paare pastoral zu begleiten und ihnen Gottes Segen zuzusprechen – etwa beim Einzug in eine gemeinsame Wohnung.
Bistum Erfurt setzt auf pastorale Begleitung
Im Bistum Erfurt liege die konkrete Gestaltung solcher Segnungen im Ermessen der Seelsorger. Die Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" sei an die pastoralen Mitarbeiter weitergegeben worden. "Ich bin zuversichtlich, dass bei uns im Bistum keine großen feierlichen Trauungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare stattfinden. Wohl aber Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben, auch begleitet werden und den Segen Gottes zugesprochen bekommen", so Neymeyr.
Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr sieht keinen Kurswechsel des Vatikans.Bildrechte: picture alliance/dpa/Jacob SchröterIn der jüngsten Positionierung des Vatikans sieht er hingegen keinen Kurswechsel. Bereits die Erklärung "Fiducia Supplicans" habe klargemacht, dass schlichte Segenshandlungen auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich seien. Gleichzeitig dürften diese Feiern "in keiner Weise einer kirchlichen Trauung ähneln". Papst Leo XIV. führe damit die Linie seines Vorgängers fort.
Theologin Knop sieht Konflikt um Kirchenreformen
Die Theologin Julia Knop von der Universität Erfurt sieht in all dem eine "Debatte um die Moderne-Tauglichkeit der römisch-katholischen Kirche". Die dortige Morallehre vertrete weiterhin eine "harsche Verurteilung" homosexueller Lebensweisen, auch wenn diese sich von der tatsächlichen Praxis unterscheide.
Die Theologin Julia Knop spricht von einer Debatte um die Moderne-Tauglichkeit der römisch-katholischen Kirche.Bildrechte: Universität ErfurtDeswegen lehne man Segnungsfeiern ab, weil diese als Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verstanden werden könnten. Gleichzeitig gebe es besonders in Deutschland und der westlichen Welt "eine riesengroße Diskrepanz" zwischen dieser offiziellen Haltung und der Lebenswirklichkeit vieler Katholiken.
Ich würde sagen: An der Basis – also in den Gemeinden, aber auch unter den Seelsorgenden vor allem – gibt es eine große Zustimmung zu Segnungsfeiern und auch eine breite Praxis. Und die wird eben zunehmend legal, wenn man so will.
Knop verweist darauf, dass sich die katholische Kirche in Deutschland seit dem Synodalen Weg deutlich geöffnet habe. Aktionen wie #SegenFürAlle oder #OutInChurch hätten die Debatte vorangetrieben. "Ich würde sagen: An der Basis – also in den Gemeinden, aber auch unter den Seelsorgenden – gibt es eine große Zustimmung zu Segnungsfeiern und auch eine reflektierte Praxis. Und die wird eben zunehmend legal, wenn man so will", so Knop. Lediglich in wenigen Bistümern gebe es noch strenge Verbote. Einige Bischöfe haben diese Handreichung ihren Seelsorgenden auch ganz dezidiert empfohlen.
#OutInChurch fordert vollständige Gleichstellung
Jens Ehebrecht-Zumsande sieht die Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der katholischen Kirche mit SorgeBildrechte: privatFür Jens Ehebrecht-Zumsande geht das jedoch nicht weit genug. Er ist einer der Initiatoren von #OutInChurch. Die Initiative richtet sich gegen kirchliche Diskriminierung queerer Menschen. Segnungen sollten seiner Meinung nach nicht nur "im Vorbeigehen" stattfinden, sondern gleichwertig zu kirchlichen Trauungen gestaltet werden. "Das kritisieren wir stark, weil das keine Anerkennung der Paarbeziehung dieser queeren Menschen ist."
Die aktuelle Situation beschreibt er als festgefahren. Die Diskussion werde seit Jahren geführt, zuletzt habe es jedoch weniger Fortschritte gegeben. Das Thema werde zunehmend als "Stellvertreterthema" für den Konflikt zwischen reformorientierten und konservativen Kräften innerhalb der Kirche genutzt.
Mit Blick auf die jüngsten Aussagen aus dem Vatikan sieht Ehebrecht-Zumsande dennoch einen veränderten Ton. Bemerkenswert sei, dass Papst Leo XIV. betont habe, Fragen der Sexualmoral stünden nicht im Zentrum der Kirche. Stattdessen gehe es stärker um Themen wie Krieg und Frieden. Zugleich kritisiert der Aktivist weiterhin eine Sprache, die queere Menschen mit "Sünde und Abwertung" verbinde.
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