Warum ein Ebola-Erkrankter in Deutschland behandelt wird
Inhalt des Artikels:
- Werden in Deutschland weitere Ebola-Patienten erwartet?
- Können auch in Mitteldeutschland Erkrankte behandelt werden?
- Welche Vorteile hat eine Behandlung von Ebola-Patienten in Deutschland?
- Wie schwerwiegend ist der Ebola-Ausbruch in Afrika?
- Was ist über den nun nach Deutschland ausgeflogenen Erkrankten bekannt?
- Geht von der Versorgung Erkrankter eine Gefahr für die hiesige Bevölkerung aus?
- Wie gehen Airlines mit dem Ebola-Ausbruch um und worauf sollten Flugreisende achten?
- Wie häufig sind derartige Ebola-Ausbrüche?
- Wie wird Ebola übertragen?
Werden in Deutschland weitere Ebola-Patienten erwartet?
Der Leipziger Infektiologe Christoph Lübbert stellt sich nach dem Ebola-Ausbruch in Zentralafrika darauf ein, dass weitere Patienten in Deutschland behandelt werden könnten. Der Leiter der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum St. Georg sagte MDR AKTUELL, es handle sich um einen großen Ausbruch, der noch nicht kontrolliert sei und länger andauern könnte. Es könnten deshalb weitere Personen nach Europa ausgeflogen werden. Man richte sich gedanklich darauf ein, perspektivisch auch in Leipzig Patienten zu behandeln, auch wenn das bisher noch nicht der Fall sei.
Können auch in Mitteldeutschland Erkrankte behandelt werden?
Am Klinikum St. Georg in Leipzig gibt es ein spezielles Behandlungszentrum für Patienten mit hochinfektiösen Erregern. Dort können Betroffene isoliert und versorgt werden. In Deutschland gibt es insgesamt sieben solcher Stationen, unter anderem auch an der Charité in Berlin, wo nun ein mit Ebola infizierter US-Amerikaner behandelt werden soll.
Welche Vorteile hat eine Behandlung von Ebola-Patienten in Deutschland?
Lübbert sagte, die Patienten könnten von der modernen Medizin in Deutschland enorm profitieren. Die Ebola-Erkrankung gehe unter einfachen Versorgungsbedingungen mit einer sehr hohen Sterblichkeit einher. Durch eine gute intensivmedizinische Versorgung könne man die Sterblichkeit mindestens halbieren. Beispielsweise benötige man für die Behandlung von Ebola-Patienten hohe Mengen an Infusionslösungen, auch habe man in Deutschland viel besseren Zugang zu Therapien.
Wie schwerwiegend ist der Ebola-Ausbruch in Afrika?
Bei dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda gibt es nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums inzwischen 513 Verdachtsfälle und 131 vermutete Todesfälle. Die Ausbreitungsgefahr für die gesamte Region gilt als hoch. Die seltene Bundibugyo-Variante des Virus, für die es keinen Impfstoff gibt, macht die Lage besonders schwer.
Was ist über den nun nach Deutschland ausgeflogenen Erkrankten bekannt?
Ein mit dem Ebola-Virus infizierter US-Amerikaner ist zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht worden. Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte, wurde der Patient in der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums aufgenommen. Der erkrankte Mann hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Virus angesteckt und war nach Deutschland ausgeflogen worden.
Lübbert sagte, der Mann habe als Arzt in einem kleinen Missionskrankenhaus im Osten des Kongo gearbeitet. Dort habe er sich mit Ebola infiziert. Er sei symptomatisch und mit einem speziellen Evakuierungsflug nach Berlin gebracht worden.
Geht von der Versorgung Erkrankter eine Gefahr für die hiesige Bevölkerung aus?
Eine Gefahr für die deutsche Bevölkerung sieht Lübbert durch solche Evakuierungen nicht: Es gebe in Deutschland "sehr gut eingespielte Systeme", das heißt, gute Schutzvorrichtungen und spezielles Personal, das sich um die Patienten kümmere.
Auch der Virologe Alexander Kekulé sieht durch den Transport des US-Amerikaners kein Infektionsrisiko für die Bevölkerung. Er bezeichnete die sieben Sonderisolierstationen, so auch die Charité, als hoch gesicherte "Festungen". Das Personal sei trainiert und arbeite in Schutzanzügen "wie im Raumschiff". Austretende Luft werde gefiltert.
Kekulé merkte aber an, es gebe in Zentralafrika wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer. Es bestehe deshalb ein reales Risiko, dass infizierte Personen ins Flugzeug steigen und nach Europa fliegen. Man müsse deshalb Einreisende warnen, was sie bei Symptomen tun sollen, und sie gegebenenfalls an die speziellen Behandlungszentren verweisen.
Wie gehen Airlines mit dem Ebola-Ausbruch um und worauf sollten Flugreisende achten?
Brussels Airlines erklärte, man beobachte die Lage und stehe im Austausch mit den Behörden. Derzeit würden alle Flüg durchgeführt, ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen. Bei Bedarf werde man aber reagieren. Brüssel ist eines der wichtigsten Tore in den Kongo, dort starten täglich Flüge in die Hauptstadt Kinshasa.
Vom Flughafen Frankfurt am Main, dem größten in Deutschland, hieß es, man sei in Kontakt mit dem örtlichen Gesundheitsamt und solange es von dort keine Empfehlung gebe, am Betrieb etwas zu ändern, soll alles normal weiterlaufen.
Tatsächlich besteht eine Teil-Reisewarnung für den Kongo. Das Auswärtige Amt empfiehlt, wegen der Epidemie nicht in bestimmte Landesteile zu fahren. Außerdem solle man große Menschenmengen meiden und einen Bogen um Krankenhäuser machen.
Wie häufig sind derartige Ebola-Ausbrüche?
Der Ebola-Ausbruch begann nach Angaben der Gesundheitsbehörde Africa CDC vermutlich in der dritten Aprilwoche, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet. Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Nur zweimal zuvor hat es laut Africa CDC Ausbrüche der Bundibugyo-Variante gegeben. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der sogenannten Zaire-Variante des Virus in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
Wie wird Ebola übertragen?
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind mit dem Ebolavirus infizierte Menschen jedoch erst dann ansteckend, wenn sie Krankheitssymptome zeigen. Je stärker die Symptome im Krankheitsverlauf werden, umso stärker ist demnach die Ansteckungsgefahr.
MDR/dpa(mze)
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