Warum der Flughafen Erfurt begehrter wird – aber ein Nachtproblem hat
- Der Erfurter Flughafen wird nachts rege genutzt – im Vergleich zu den Vorjahren sind die Flugzahlen noch einmal gestiegen.
- Die Anbindung an die Straßenbahn ist gut – allerdings gibt es nachts eine große Taktlücke.
- Ob Rufbus oder Sonderfahrten – eine praktikable Lösung soll bis zum Sommer nächsten Jahres gefunden sein.
Pünktlich 1:55 Uhr schwenkt der Airbus 320 aus Palma de Mallorca ein auf die Landesbahn 27 des Airports Erfurt.
Ein Nachtflugverbot wie andernorts gebe es hier nicht, sagt Hans-Joachim Bühl, der Flughafen-Sprecher. "Es gibt Nachtflugbeschränkungen, die beinhalten, dass Flugzeuge bis zu einer gewissen Größe fünf Starts in der Nacht in Richtung Stadt machen dürfen. In Richtung Gotha gibt es keine Beschränkungen."
Deutlich mehr Flüge nach Sonnenuntergang
In manchen Nächten landen bis zu drei Maschinen binnen einer Stunde aus der Türkei. Insgesamt sind es 33 Starts und Landungen pro Woche, 85 Prozent in den Zeiten nach Sonnenuntergang.
Eine deutliche Steigerung zu den Vorjahren, die sich im Passagier-Aufkommen niederschlägt, wie Hans-Joachim Bühl verdeutlicht: "Wenn man die Zahlen vergleicht bis zum 31. Mai, haben wir ein Wachstum von 71 Prozent."
Gute Straßenbahnanbindung – aber nur bis kurz nach Mitternacht
Ein weiterer Standortvorteil von Erfurt – neben den eher lockeren Nachtbeschränkungen: Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Die Straßenbahn-Haltestelle ist nur 15 Meter entfernt vom Terminal-Ausgang. Binnen 15 Minuten bringt die Linie 4 – so gewünscht – jeden zum Hauptbahnhof oder in die Innenstadt.
Vorausgesetzt: Es ist weder später Abend, noch Nacht. "Wenn man landet und die letzte Straßenbahn ist 00:08 Uhr davon gefahren, entsteht natürlich eine Lücke bis 4:52 Uhr an Werktagen." Gerade diese Lücke sorgt in den sozialen Netzwerken regelmäßig für Aufregung. Zumal Taxis nach Mitternacht nur auf Abruf bereitstehen.
Kein Nachtverkehr zum Flughafen bestellt – Fahrermangel als weiteres Problem
Eine Frage, die dabei immer wieder auftaucht: "Warum kommunizieren Flughafen und Erfurter Verkehrs-AG bezüglich der Ankunfts- und Abflugzeiten nicht miteinander?" Zumal beide – beim Flughafen in Anteilen – kommunale Unternehmen sind.
Im Erfurter Rathaus will man sich dazu nicht äußern, verweist stattdessen auf die Verkehrsbetriebe. Genauer an die Evag – die Erfurter Verkehrs-AG und deren Sprecher Johannes Sperling. Der sagt: Ja – man wisse um das Problem der fehlenden Straßenbahnen bei späten Ankünften. Aber: "Wir haben einen Nahverkehrsplan, den wir erstmal erfüllen müssen und da steht der Flughafen in den Nachtstunden nicht drin."
Zur Erklärung: Nahverkehrspläne haben einen Vorlauf von mehr als sechs Monaten. Sie regeln, welche Routen Verkehrsbetriebe zu welchen Zeiten bedienen müssen. Dafür bekommen sie Mittel vom Land. Ist eine Verbindung nicht eingetragen, wird nicht bezahlt. Das Unternehmen würde das finanzielle Risiko allein tragen.
Was aus Sicht der Evag dazu kommt: Es besteht weiterhin in Erfurt ein Mangel an Straßenbahn-Fahrerinnen und -fahrern. Manche Linien verkehren tagsüber eingeschränkt und im 20-Minuten-Takt, statt alle 10 Minuten.
Viele Möglichkeiten im Gespräch: Lösung bis Sommer 2026 geplant
Aber: Der Unternehmenssprecher macht Hoffnung: "Wir sind mit dem Flughafen in Gesprächen und wir schauen mit Blick auf nächstes Jahr, ob wir da ein Angebot finden, um auch in der Nacht Fluggäste und auch Mitarbeiter dort sicher und bequem hinzubringen", so Johannes Sperling.
Ob Rufbus, Sonderfahrten der Straßenbahn oder eine Ausweitung des Regelbetriebs. Alles ist möglich, alles wird diskutiert. Die Lösung soll bis zum Sommerflugplan 2026 gefunden sein.
Verkehrsministerium: Interesse an besserer Anbindung
Im Thüringer Verkehrsministerium wird diese Suche aufmerksam verfolgt. Das Land ist Hauptanteilseigner des Flughafens mit 95 Prozent, subventioniert den Airport mit 4,8 Millionen Euro und hat ein gewisses Interesse, den Flughafen bei Passagieren so attraktiv wie möglich zu halten.
Schriftlich heißt es: "Wir begrüßen den Austausch zwischen Flughafen und Evag. Eine bessere Anbindung des Airports auch zu nächtlichen Flugzeiten und außerhalb des regulären Fahrplans der Evag würde die Attraktivität des Flughafens Erfurt-Weimar weiter erhöhen."
Übrigens: Der Airbus 320 hebt 4:35 Uhr wieder ab in Erfurt. Flugziel Mallorca. Mehr als 100 Passagiere an Bord. Alle angereist – mit dem Auto.
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