Als Qualifikant nun gegen Topstar Novak Djokovic: Jan-Lennard Struff schreibt sein Tennis-Märchen bei den US Open weiter. Das Achtelfinale wird das bislang größte Match seiner Karriere. Auch wenn die Bilanz verheerend ist - der Deutsche ist nicht chancenlos.

Eins der ersten Treffen von Jan-Lennard Struff mit Novak Djokovic hatte mit den gelben Filzbällen nichts zu tun. Beim Tennis-Turnier in Halle regnete es, sie trafen sich zum Fußballspielen in der Halle. In letzter Minute habe Djokovics damaliger Trainer das Tor geschossen, erzählte der 35-Jährige. "Sie sind alle durchgedreht. Es war unglaublich", sagte er und lachte. "Ich war in der anderen Mannschaft - leider."

Am Sonntag wird Struff in seinem bisher wichtigsten New Yorker Tennis-Match dem serbischen Rekord-Grand-Slam-Sieger Djokovic gegenüberstehen. Der deutsche Außenseiter kämpft als Überraschungs-Achtelfinalist um den Viertelfinal-Einzug der US Open. Der Sauerländer, genannt "Struffi", steht in der Regel nicht im Rampenlicht.

Doch nach seinem größten Erfolg in New York, dem 6:4, 6:3, 7:6 (9:7) gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe, ist das nun anders. Er ist nicht nur im zehnten Anlauf des Grand-Slam-Spektakels von Flushing Meadows zum ersten Mal so weit gekommen. Er kann auch als Qualifikant dem Topstar Djokovic die Rekordjagd auf den 25. Grand-Slam-Titel vermasseln. Auch die internationalen Medien interessieren sich deswegen für ihn, als er über seine verblüffende Erfolgsserie, seine ruhige Art und Gelassenheit spricht.

Struff macht Tiafoe Geschenke

Passend zum verhaltenen Jubel nach dem verwandelten Matchball gegen den zweimaligen US-Open-Halbfinalisten Tiafoe gibt sich der Familienvater abseits des Platzes gewohnt zurückhaltend. "Meine Mutter kommt aus Norddeutschland", erklärte Struff schmunzelnd seine ruhige Art. "Auf dem Court hätte es nicht so viel gebracht, viel herumzuschreien", sagte er. "Da hätte ich das Publikum angeheizt."

Die amerikanischen Fans hatten angesichts seines grandiosen Auftritts gegen den Weltranglisten-17. Tiafoe wenig Grund zum Feiern. Erst als es darum ging, das Drittrundenduell bei eigenem Aufschlag zu beenden, wackelte Struff kurz. Drei Punkte schenkte er dem Amerikaner mit Doppelfehlern. Dann halfen ihm Rituale, die Ruhe und im Tiebreak die Nerven zu bewahren: Ball tippen, Zeit lassen, ausatmen, positiv denken.

Noch eine andere Gewohnheit begleitet Struff nun seit zwei Wochen in New York. "Auch wenn es manchmal langweilig ist, habe ich hier vor jedem Match das Gleiche gegessen. Reis mit ein bisschen Lachs", plauderte er aus.

An Geräusche im Hotel gewohnt

Mit geringen Erwartungen war er zum letzten Grand-Slam-Turnier der Saison gereist. Zu viele Rückschläge haben sein Tennis-Jahr geprägt. Bis Wimbledon gewann er nur fünf Matches. In Wimbledon kam er in die dritte Runde, beeindruckte dort den späteren spanischen Finalisten Carlos Alcaraz.

In New York drohte er in der zweiten von drei Qualifikationsrunden zwar zu scheitern. Der Regen und die Fortsetzung am nächsten Tag retteten ihn. Nun aber hat er grandios drei Hauptfeld-Siege gefeiert, darunter zwei Erfolge gegen die Top-20-Spieler Holger Rune aus Dänemark und eben Tiafoe. Struff scheint sich imposant aus seinem Tief zu befreien. "Ein Match kann ein Jahr verändern", urteilte Tennisikone Boris Becker.

Dass er wegen der Qualifikation schon eine ganze Weile in der Stadt ist, merkt Struff kurioserweise auch daran, dass ihn der Aufzug im Hotel nicht mehr nervt. Er hatte sich vorgenommen, nach der Qualifikation das Zimmer zu wechseln, weil ihn die Geräusche des Aufzugs so störten. "Aber ich bin geblieben. Jetzt hört man das kaum noch", berichtete Struff.

Struff bisher immer Verlierer gegen Djokovic

Zum dritten Mal ist der Davis-Cup-Profi bei einem der vier Grand-Slam-Turniere noch im Tableau, wenn die Partien mit der Endung -finale beginnen. 2021 schied er in Paris gegen den Argentinier Diego Schwartzman aus. 2019 wurde er ebenfalls bei den French Open gestoppt - und zwar von Djokovic.

Alle sieben bisherigen Vergleiche hat Struff verloren, insgesamt nur einen Satz gewonnen. Doch Djokovic wirkt mit seinen 38 Jahren nicht mehr unantastbar. Immer wieder muss der 24-fache Grand-Slam-Turniersieger körperliche Probleme eingestehen. Beim 6:4, 6:7 (4:7), 6:2, 6:3 in seinem Drittrundenmatch gegen den Briten Cameron Norrie merkte Djokovic nach einer ruckartigen Bewegung die linke Seite seines Rückens.

"Es ist frustrierend, dass ich mich nicht mehr immer zu 100 Prozent fit fühle", gestand Djokovic. "Ich denke, ich muss mich daran gewöhnen, dass in jedem Spiel etwas passieren kann, wie es in diesem Jahr bei fast jedem Grand Slam der Fall war." Vielleicht ist die Zeit reif für den Premierensieg von Struff.

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