Spiel mit der Macht – wie Donald Trump die WM für sich inszeniert
Donald Trump muss nicht mehr um die begehrteste aller Trophäen kämpfen. An einem Montag Mitte November steht der 6,175 Kilogramm schwere WM-Pokal aus 18-karätigem Massivgold bereits im Oval Office. Das glänzende Edelmetall passt perfekt zum Interieur. Trump hat das historische Präsidentenbüro nach seiner Rückkehr mit unzähligen goldenen Objekten vollstopfen lassen.
Im Halbkreis um den US-Präsidenten hat sich an jenem Nachmittag die Top-Riege seines Kabinetts und der Fußballwelt versammelt. Außenminister Marco Rubio ist anwesend, genau wie Innenministerin Kristi Noem und Präsident Gianni Infantino vom Fußball-Weltverband Fifa. Die „Fifa Task Force“ ist ins Weiße Haus gekommen; in kaum 200 Tagen beginnt „das größte Sportereignis der Welt“, wie Trump nicht müde wird zu sagen. Es soll einer der Höhepunkte werden in dem Jahr, in dem die Vereinigten Staaten von Amerika den 250. Jahrestag ihrer Gründung feiern.
Trumps Freund Infantino sekundiert mit Zahlen: Bis zu sieben Millionen Tickets gibt es, die WM-Veranstalter rechnen mit zehn Millionen Besuchern. Um den Globus herum werden sechs Milliarden Menschen die Spiele auf dem Bildschirm verfolgen. „Das ist wie 104 Super Bowls in einem Monat“, erklärt Infantino, um dem US-Publikum die Dimension des „Soccer“-Turniers besser verständlich zu machen. Trump nickt. „Man könnte sagen, es ist größer als der Super Bowl. Wenn man das Finale erreicht, ist es wohl auf diesem Niveau oder sogar noch größer.“
Fifa-Preis statt Nobelpreis
Der Dealmaker-in-Chief hat längst den Wert dieses Turniers verstanden – sowohl in politischer als auch kommerzieller Hinsicht. Das wird er am kommenden Freitag erneut demonstrieren, wenn im Kennedy Center in der Hauptstadt Washington die Auslosung der Gruppenphase stattfindet – ohne die Delegation von WM-Teilnehmer Iran. Der will aus Protest gegen Einreiserestriktionen seitens der USA die Teilnahme an der Gruppenauslosung geschlossen boykottieren.
Bis zuletzt ließ das Weiße Haus offen, ob der Präsident persönlich im Saal sitzt, wenn die Gruppen für die insgesamt 48 Teams ausgelost werden, doch der Republikaner wird sich eine solche Gelegenheit kaum entgehen lassen. Im Kennedy Center wird nicht nur die Macht der populärsten Sportart der Welt zelebriert, sondern auch die des Gastgebers, der aller Voraussicht nach bei der weltweit mit riesiger Spannung erwarteten Auslosung gleich eine dicke Ehrung bekommt.
Infantino rief vor wenigen Wochen eine Auszeichnung namens „Fifa Peace Prize – Football Unites the World“ aus. Damit sollen Personen geehrt werden, „die durch unerschütterliches Engagement und besondere Taten dazu beitragen, Menschen in Frieden zu vereinen“, wie der Verbandschef erklärte.
Trump will bekanntermaßen sehnlichst den Nobelpreis haben. Er sieht sein politisches Erbe als das des „Friedensstifters“, wie er immer mal wieder betont. Nach eigenen Angaben hat er seit seinem Amtsantritt im Januar „acht oder neun Kriege beendet“. Aber das Nobelpreis-Komitee in Oslo ignorierte den US-Präsidenten, weshalb es fürs Erste der Fifa-Preis tun muss.
Wenig friedlich gebärdet sich Trump im Inneren seiner eigenen Nation. Mehrmals hat er den Austragungsstädten, die von Demokraten regiert werden, mit dem Entzug der Spiele gedroht. „Wenn es auch nur den kleinsten Hinweis gibt, dass etwas nicht richtig läuft – dann sind wir binnen 24 Stunden da und machen einen großartigen Job!“, droht der US-Präsident.
Kalifornien würde er besonders gern helfen, fügt er hinzu. Los Angeles und das ebenfalls an der Westküste gelegene Seattle hat er im Visier. L.A. richtet acht Spiele aus, Seattle sechs. Beide Städte sind fest in demokratischer Hand. Im Juni bereits schickte Trump gegen den massiven Protest der Bürgermeisterin und des Gouverneurs von Kalifornien die Nationalgarde nach Los Angeles. Der Grund waren Ausschreitungen nach Massenfestnahmen von Migranten. Obwohl lokale Behörden und Polizei die Lage unter Kontrolle hatten, ließ Trump seine Soldaten aufmarschieren.
Drohszenarien, die Trump auch mit Blick auf die WM am Leben hält. Entsprechend ließ er bei seiner jüngsten Pressekonferenz mit Infantino eine Frage demonstrativ offen: Ob er einem Austragungsort in den USA Turnierspiele entziehen würde, sollte die Sicherheit nicht garantiert sein. Ein starkes Stück vor dem Hintergrund, dass sich die Städte seit mehr als drei Jahren auf das Turnier vorbereiten, Millionengelder investiert haben und eine Verlegung Fans wie Veranstalter empören würde. Doch in Trumps zweiter Präsidentschaft ist schon viel passiert, das niemand für möglich gehalten hätte.
Trumps neu entdeckte Liebe für den Fußball geht derweil über seinen permanenten Schlagabtausch mit den Demokraten weit hinaus. Der 79-Jährige liebt Shows, er ist ein Entertainer. Und Sport ist für den passionierten Golfspieler, der wenig übrig hat für Kunst und Kultur, die beste Show. Zumal sie eine lukrative Kombination hergibt. Schon in den 80er-Jahren investierte Trump in American Football, eine Zeit lang war er Besitzer der New Jersey Generals.
In seinem „Trump Taj Mahal“ in der Casino-Stadt Atlantic City fanden Boxkämpfe statt. Früh hatte der New Yorker Immobilienkönig auch einen Riecher für „Cage Fighting“, heute besser bekannt unter dem Markennamen UFC, Ultimate Fighting Championship. Heute ist die Veranstaltung der brutalen Kämpfe ein Milliardengeschäft, UFC-Chef Dana White gehört zu Trumps engsten Freunden. Zu seinem 80. Geburtstag am 14. Juni 2026 plant der US-Präsident ein UFC-Turnier auf dem Rasen des Weißen Hauses.
Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.
UFC ist zugleich ein Exempel, wie bei Trump Massenkonsum und Politik verschmelzen. Während des Wahlkampfs 2024 besuchte Trump mehrmals Kämpfe und fachsimpelte mit Podcast-Hosts über UFC-Kämpfer. Für seinen ersten großen öffentlichen Auftritt nach der Wiederwahl wählte er einen Kampf im Madison Square Garden in New York. Wie ein Gladiator zog Trump im gleißenden Scheinwerferlicht ein, unter dem Jubel von Zehntausenden UFC-Fans. Statistisch waren darunter viele, die dem Republikaner ihre Stimme gegeben hatten. Junge, weiße Männer sind ein bedeutender Pfeiler seiner Wählerbasis.
„Soccer“ betrachtet Trump offensichtlich als eine weitere Marktlücke. Noch ist inländischer Fußball vergleichsweise eine Randsportart. Aber die Gesamtzahl der Amerikaner, die Fußballspiele außerhalb der USA verfolgen, stieg zwischen 2018 und 2024 einer Samford-Studie zufolge von 31 Millionen auf 50 Millionen – ein bemerkenswertes Wachstum von 60 Prozent in nur sechs Jahren. Millionen Fußballfans fiebern dem Turnier entgegen. 62 Prozent gaben im Nielsen Global Sports Report an, dass sie sich wegen der WM noch stärker für die Sportart interessieren werden.
Das ist nicht nur finanziell interessant. Auch hier steckt ein Wählerpotenzial für Trump. 53 Prozent der zwölf Millionen US-Zuschauer, die sich das Finale der Copa América in Miami vergangenen Sommer im Fernsehen ansahen, waren Latinos – und Latino-Männer im Swing State Arizona gaben bei der Präsidentschaftswahl 2024 mit den Ausschlag, dass Trump erneut ins Weiße Haus einziehen konnte.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke