Die Jagd nach dem Goldenen Adler, der Trophäe für den Gesamtsieger der Vierschanzentournee, lockt aktuell wieder Zehntausende an die Austragungsorte und Millionen vor die Fernsehbildschirme. Den traditionellen Auftakt bildet der Wettbewerb auf der Schattenbergschanze in Oberstdorf, dieses Mal mit dem Wettbewerb am 29. Dezember. Danach geht es nach Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen.

In der vergangenen Saison dominierten Österreichs Skispringer die Vierschanzentournee auf beeindruckende Weise: Dreifachsieg in der Gesamtwertung mit Daniel Tschofenig an der Spitze. 11 der 12 möglichen Podestplätze bei den vier Einzelspringen gingen an das österreichische Team – die Deutschen sprangen weit hinter den Erwartungen.

Und in diesem Jahr? Als Vierter und damit bester Deutscher des Gesamtweltcups ging Philipp Raimund in die Tournee. Vor ihm lagen zum Start Anze Lanisek aus Slowenien, der Japaner Ryoyu Kobayashi und der derzeit stärkste Springer Domen Prevc (Slowenien). Zur Halbzeit nach den ersten beiden Stationen liegt nun Prevc mit großem Abstand in Führung.

Favoriten der 74. Vierschanzentournee

Topfavorit ist der 26 Jahre alte Prevc. Er gewann von den letzten sechs Weltcup-Springen vor der Tournee fünf, wurde einmal Zweiter. Der dreimalige Tournee-Sieger Ryoyu Kobayashi entschied den letzten Wettkampf vor Weihnachten in Engelberg für sich. Ebenfalls zu den Siegkandidaten zählt der Slowene Anze Lanisek; die Österreicher um Titelverteidiger Tschofenig gehören zu den Mitfavoriten.

Aus deutscher Sicht zeigte neben Philipp Raimund zuletzt auch Felix Hoffmann, dass er ganz vorn mitspringen kann. Andreas Wellinger und Karl Geiger kämpfen hingegen diesen Winter um den Anschluss, legten zuletzt eine Weltcup-Pause ein.

Oberstdorf (28./29. Dezember 2025)

Die Schattenbergschanze in Oberstdorf ist traditionell Schauplatz des Tournee-Auftakts. Den Schanzenrekord hält dort der Norweger Sigurd Pettersen mit 143,5 Metern, aufgestellt Ende Dezember 2003.

Karl Geiger vermasselte den Auftakt der Vierschanzentournee und musste beim ersten Springen in Oberstdorf zuschauen. Der Ex-Weltmeister kam in der Qualifikation nicht über 106,5 Meter hinaus und landete damit auf Rang 53. Philipp Raimund dagegen gelang ein Achtungserfolg – er beendete die Qualifikation auf Platz zwei hinter Prevc. Im Wettkampf dann sprang ein anderer Deutscher auf das Podest. Die Ergebnisse des Springens in Oberstdorf:

  • 1. Domen Prevc (Slowenien) 316,7 Pkt. (141,5 m/140,0 m)
  • 2. Daniel Tschofenig (Österreich) 299,2 (132,0/134,0)
  • 3. Felix Hoffmann (Suhl) 297,3 (132,5/136,0)
  • 5. Jan Hörl (Österreich) 297,1 (136,5/133,0)
  • 6. Philipp Raimund (Oberstdorf) 295,6 (136,0/133,0)
  • 7. Ryoyu Kobayashi (Japan) 295,0 (133,0/136,0)
  • 8. Stephan Embacher (Österreich) 291,2 (131,0/135,5)
  • 9. Jonas Schuster (Österreich) 287,7 (138,5/128,5)
  • 10. Stefan Kraft (Österreich) 286,4 (133,5/127,5)

33. Pius Paschke (Kiefersfelden); 45. Luca Roth (Meßstetten); 49. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 102,5 (110,5/-); 50. Constantin Schmid (Oberaudorf).

Timi Zajc (Slowenien), eigentlich mit 299,2 Punkten ebenfalls Zweiter, wurde disqualifiziert.

Garmisch-Partenkirchen (31. Dezember/1. Januar 2026)

Das Neujahrsspringen auf der großen Olympiaschanze Garmisch-Partenkirchens ist Kult – mehr als 20.000 Besucher werden wieder anreisen.

Bei der Qualifikation am 31. Dezember verbesserte der Österreicher Stephan Embacher den ein Jahr alten Schanzenrekord seines Landsmannes Michael Hayböck um 50 Zentimeter auf 145,5 Meter. Danach wurde der Anlauf verkürzt. Den Sieg in der Vorausscheidung holte Domen Prevc – ebenso am Tag darauf beim Neujahrsspringen:

  • 1. Domen Prevc (Slowenien) 303,1 Pkt. (143,0 m/141,0 m)
  • 2. Jan Hörl (Österreich) 287,7 (141,0/131,5)
  • 3. Stephan Embacher (Österreich) 287,1 (134,0/141,5)
  • 4. Ren Nikaido (Japan) 284,1 (137,5/138,0)
  • 5. Ryoyu Kobayashi (Japan) 277,8 (130,5/141,0)
  • 6. Felix Hoffmann (Suhl) 275,9 (134,0/136,0)
  • 7. Philipp Raimund (Oberstdorf) 271,0 (134,0/135,0)
  • 8. Kacper Tomasiak (Polen) 260,8 (130,5/129,5)
  • 9. Daniel Tschofenig (Österreich) 257,4 (132,5/129,0)
  • 10. Gregor Deschwanden (Schweiz) 255,1 (132,0/134,0)

21. Pius Paschke (Kiefersfelden) 240,1 (126,0/128,5); 32. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 111,2 (124,5/-); 33. Karl Geiger (Oberstdorf) 111,0 (122,5/-); 43. Ben Bayer (Pfullingen) 101,3 (120,5/-)

Gesamtwertung: Stand zur Halbzeit

Nach den ersten beiden Tournee-Stationen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sieht es in der Gesamtwertung so aus:

  • 1. Domen Prevc (Slowenien) 619,8 Pkt.
  • 2. Jan Hörl (Österreich) 584,8
  • 3. Stephan Embacher (Österreich) 578,3
  • 4. Felix Hoffmann (Suhl) 573,2
  • 5. Ryoyu Kobayashi (Japan) 572,8
  • 6. Philipp Raimund (Oberstdorf) 566,6
  • 7. Ren Nikaido (Japan) 565,2
  • 8. Daniel Tschofenig (Österreich) 556,6
  • 9. Kacper Tomasiak (Polen) 540,5
  • 10. Anze Lanisek (Slowenien) 539,5

25. Pius Paschke (Kiefersfelden) 363,9; 39. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 213,7; 49. Karl Geiger (Oberstdorf) 111,0; 50. Luca Roth (Meßstetten) 107,2; 54. Ben Bayer (Pfullingen) 101,3; 56. Constantin Schmid (Oberaudorf) 94,6

Innsbruck (3./4. Januar 2026)

Die Bergisel-Schanze war in den vergangenen Jahren bei der Tournee nicht gerade Schauplatz deutscher Erfolge. Generell verzeiht die Schanze in Innsbruck wenig Fehler und ist windanfällig. In der Geschichte der Tournee hat sie das Klassement schon mehrmals gehörig durcheinandergewirbelt.

Auch hier hält Michael Hayböck den Schanzenrekord: 138 Meter, aufgestellt am 4. Januar 2015. Die Tournee-Termine von Innsbruck bei der 74. Auflage:

  • 3. Januar, 13.30 Uhr: Qualifikation
  • 4. Januar, 13.30 Uhr: 1. Wertungsdurchgang

Bischofshofen (5./6. Januar 2026)

Auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen – am Fuße des Hochkönigs eingebettet in die Natur – hält der Pole Dawid Kubacki den Rekord mit 145 Metern, gesprungen im Jahr 2019. Die Tournee-Termine in Bischofshofen bei der 74. Auflage:

  • 5. Januar ab 16.30 Uhr: Qualifikation
  • 6. Januar ab 16.30 Uhr: 1. Wertungsdurchgang

TV-Übertragung der Vierschanzentournee

Die 74. Vierschanzentournee wird live von den öffentlich-rechtlichen Sendern sowie von Eurosport übertragen. Die ARD zeigt die Wettbewerbe aus Oberstdorf und Bischofshofen, das ZDF das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen sowie die dritte Station aus Innsbruck.

K.o.-System und Lucky Loser

Anders als bei anderen Weltcups wird bei den vier Wettbewerben der Vierschanzentournee der erste Durchgang im K.o.-System ausgetragen. Die 50 qualifizierten Springer treten in 1:1-Duellen gegeneinander an: der Erste der Qualifikation trifft auf den Letzten, der Zweite auf den Vorletzten und so weiter.

In den Finaldurchgang kommen die Sieger der 25 Duelle sowie die fünf punktbesten Verlierer, die sogenannten Lucky Loser.

Trophäen und Preisgeld

Der Gesamtsieger erhält den prestigeträchtigen goldenen Adler sowie eine Prämie von 100.000 Euro. Bei jedem Wettkampf werden zudem die üblichen Weltcup-Preisgelder des Weltverbandes Fis ausgezahlt; die besten 30 Athleten jedes Wettkampfes erhalten abgestuft nach Platzierung Geld. Ein Qualifikationssieg wird mit 3175 Euro belohnt.

Vierschanzentournee 2024/25

Das Trio aus Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft machte bei der 73. Vierschanzentournee einen österreichischen Dreifachsieg perfekt. Es war ein Krimi: Mit dem letzten Sprung des finalen Wettbewerbs in Bischofshofen fiel Routinier Kraft im Tages- und Gesamtklassement noch von Rang eins auf drei zurück. Den Goldenen Adler für den Gesamtsieg reckte schließlich der 22 Jahre alte Tschofenig in den Himmel.

Die deutschen Skispringer hatten weniger Freude. In der Gesamtwertung belegte Pius Paschke als bester des Teams Rang sechs, Andreas Wellinger wurde elfter, Karl Geiger 17. und Philipp Raimund 22.

Die Besten: Janne Ahonen vor Jens Weißflog

Als einziger Skispringer gewann der Finne Janne Ahonen fünfmal die Vierschanzentournee (zwischen 1999 und 2008). Ihm folgt Jens Weißflog, der viermal triumphierte – sein letzter Sieg ist fast genau 30 Jahre her (1995/96).

Der Norweger Björn Wirkola, der erste deutsche Sieger Helmut Recknagel, der Pole Kamil Stoch sowie der Japaner Ryoyu Kobayashi gewannen jeweils dreimal, wobei Wirkola in den 60er-Jahren dreimal in Folge siegte und zudem zwei zweite und einen dritten Platz erreichte.

Stoch und Kobayashi machten es Sven Hannawald mit einem Gesamtsieg durch Erfolge auf allen vier Schanzen gleich. Hannawald ist mit seinem Erfolg 2001/02 zudem der bisher letzte deutsche Sieger der Vierschanzentournee.

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