Der frühere Weltklasse-Skispringer Martin Schmitt hat den erneut disqualifizierten Slowenen Timi Zajc hart kritisiert. „Das ist ein Denkzettel für ihn. Ich finde es frech – und das nicht im positiven Sinne“, sagte der Eurosport-Experte nach dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. „In Oberstdorf hatte ich ein bisschen Mitleid mit ihm. Aber ich habe absolut überhaupt kein Verständnis für das, was passiert ist.“

Zajc wurde schon zum zweiten Mal nacheinander wegen eines nicht regelkonformen Sprunganzugs aus dem Wettbewerb genommen. Diesmal wich das Kleidungsstück um vier Millimeter von der Norm ab. In Oberstdorf waren es drei. Zajc wurde schon vor dem ersten Sprung disqualifiziert und darf nun bei dieser Vierschanzentournee gar nicht mehr springen.

Seine Disqualifikation bei der ersten Tournee-Station im Allgäu hatte Zajc mit Humor genommen. „Lasst uns den Anzug ein bisschen stretchen, vielleicht ist dann in Ga-Pa alles okay“, schrieb der 25-Jährige bei Instagram mit Blick auf das Neujahrsspringen.

„Durch sein Lach-Lach hat sich der Kontrolleur heute wahrscheinlich gedacht: Na gut, dann kontrollieren wir mal vor dem Sprung und nicht erst danach, wenn du ihn gedehnt hast. Und da hat es wieder nicht gepasst“, sagte Schmitt. „Das ist konsequent und gibt Timi Zajc eine kleine Denkpause.“

Nicht nur bei Zajc wurden bei Vierschanzentournee Verstöße festgestellt

Doch die Art und Weise der Kontrolle sorgte beim slowenischen Team für Unmut. Statt der üblichen Messung im Auslauf positionierte sich Materialkontrolleur Mathias Hafele direkt am Start oben auf der Schanze. „Ich wollte die Springer und das Trainerpersonal überraschen“, rechtfertigte Hafele bei „sport.pl“ sein Vorgehen.

Die Slowenen reagierten mit einem offiziellen Protest gegen das ungewöhnliche Verfahren. Hafele jedoch konterte, dass Zajc ihm genau den Anzug gereicht habe, mit dem er den Sprung absolvieren wollte. Dies sei letztlich auch der Grund gewesen, warum der Protest abgewiesen wurde.

Die Kontrolleure stellten in Garmisch-Partenkirchen nicht nur bei Zajc Regelverstöße fest. Mit dem Amerikaner Jason Colby und dem Türken Fatih Arda Ipcioglu wurden zwei weitere Athleten aus dem Wettbewerb genommen.

„Die Kontrollen sind sehr streng. Man muss alles im Blick haben, dass alles passt“, sagte Felix Hoffmann, der als bester Deutscher in der Tournee-Wertung auf Platz vier liegt. „Es ist viel, was man im Vorfeld checken muss. Aber dafür sind wir Profis. Wir müssen mit regelkonformem Material springen. Dafür gibt’s die Regeln. Und wer außerhalb der Regeln ist, darf halt dann nicht mitmachen.“

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Vor der dritten Station in Innsbruck, wo an diesem Samstag (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) die Qualifikation stattfindet, liegt Domen Prevc schon knapp 20 Meter vor dem zweitplatzierten Österreicher Jan Hörl und über 25 Meter vor dem auf Platz rangierenden Deutschen Felix Hoffmann.

25 Meter: Das ist in etwa die Länge von zwei Reisebussen, die direkt hintereinander geparkt sind. Im Skispringen sind das Welten. Seit der finnischen Skisprung-Legende Janne Ahonen 2004/05 lag kein Springer zur Tournee-Halbzeit derart weit vorn. Die Dominanz von Prevc nehmen die deutschen Skispringer mit einer Mischung aus Humor und Verzweiflung. „Er muss ja schon fast zweimal disqualifiziert werden“, beschreibt Bundestrainer Stefan Horngacher mit einem Lächeln die Chancen, den Ausnahme-Athleten noch einzuholen.

Gewinnt Prevc als vierter Sportler nach Sven Hannawald (2001/02, Deutschland), Kamil Stoch (2017/18, Polen) und Ryoyu Kobayashi (2018/19, Japan) auch alle vier Springen bei einer Tournee? Alles andere wäre mittlerweile schon eine Überraschung. „Irgendwann gewöhnt man sich dran. Er fliegt sowieso ganz runter“, sagte Horngacher zur Dominanz: „Das ist für uns nicht mehr so aufregend. Wir müssen uns auf uns konzentrieren.“

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