Fifa überrumpelt ARD und ZDF mit WM-Anstoßzeiten
Die Überraschung war groß und unangenehm. Als die TV-Verantwortlichen in einem Hilton-Hotel in Washington per Stream den Fifa-Showact zur Veröffentlichung des Spielplans der Fußball-Weltmeisterschaft verfolgten, wurden sie von den vielen Anstoßzeiten überrumpelt – am Ende waren es 15 verschiedene.
Bei den Vertragsverhandlungen war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von vier verschiedenen Anstoßzeiten die Rede. Die Partien beim Turnier in Nordamerika sollten – umgerechnet auf Mitteleuropäische Sommerzeit – um 18.00 Uhr, 21.00 Uhr, 00.00 Uhr und 03.00 Uhr angepfiffen werden. Doch es kam ganz anders.
Es traf die TV-Manager unvorbereitet, als immer neue Anstoßzeiten beim Showact des Weltverbandes präsentiert wurden. Von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens MESZ reichen nun die diversen Anstoßzeiten, in der Summe sind es dreimal so viele wie bei der bisher letzten WM. Und auch die Vielzahl der Spiele in der deutschen Nacht kam unerwartet.
Das ist auch für die Fans hart. Mehr als die Hälfte der Partien beginnt um Mitternacht oder noch später. Wer das österreichische Team mit dem deutschen Trainer Ralf Rangnick sehen will, muss einmal um 4.00 Uhr (Algerien) und einmal um 6.00 Uhr (Jordanien) den Fernseher einschalten.
Problem: Werbung nach 20 Uhr bei ARD und ZDF verboten
Lizenznehmer in Deutschland ist die Telekom, die im Mai voller Stolz den Kauf der 104 Partien der WM 2026 verkündete, sich aktuell aber nicht zum Thema der Anstoßzeiten äußern möchte. Dem Vernehmen nach gibt es Gespräche mit der Fifa über den Vertrag. Nur an den Anstoßzeiten ändert sich sicher nichts mehr.
Der Weltverband möchte sich zu den Gesprächen nicht äußern. Er verweist aber darauf, dass die Anstoßzeiten auch mit Rücksicht auf die hohen Temperaturen im US-Sommer und auf die vielen verschiedenen TV-Märkte ausgesucht worden seien. Bei der WM in Katar begannen die Spiele zu fünf verschiedenen Zeiten.
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Dass es vor allem deutlich weniger 18 Uhr-Spiele als ursprünglich besprochen gibt, trifft auch ARD und ZDF. Die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender hatten im Oktober in einem komplexen Sublizenzierungs-Vertrag mit der deutschen Telekom Rechte für 60 Spiele für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko erworben.
Das Problem ist: Nur bis 20 Uhr dürfen ARD und ZDF Werbung zeigen. Nur bis dahin lässt sich Geld einnehmen, um einen Teil der Kosten für die Rechte wieder hereinzuholen. Bei den Spielen der deutschen Mannschaft in der Vorrunde ist das nur am 14. Juni beim um 19.00 Uhr beginnenden Spiel gegen Curaçao möglich.
Am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste und am 25. Juni gegen Ecuador sind keine Werbespots erlaubt, denn die Begegnungen beginnen um 22.00 Uhr/MESZ. Werbung ist dann im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verboten, nur Sponsoring erlaubt. Im Medienstaatsvertrag gibt es dafür Ausnahmen für „Übertragung von gesellschaftlich relevanten Sportgroßereignissen“. ARD und ZDF wollen sich zu dem Thema öffentlich nicht äußern.
Eher generell sagt ZDF-Sportchef Yorck Polus: „Die unterschiedlichen Anstoßzeiten stellen für die Planung unserer Übertragungen eine echte Herausforderung dar.“ Das beziehe sich „auf alle Aspekte: Einplanung der Zeitslots ins ZDF-Gesamtprogramm, Organisation der Übertragungen, Logistik und Personaleinsatz, Umsetzung unseres redaktionellen Konzeptes und Ähnliches mehr“.
Aber auch für die Telekom wird die Werbevermarktung schwerer, je später die Partien angepfiffen werden. Diese Erlöse sind eine der drei wichtigen Einnahmesäulen neben dem Verkauf von Pay-Abonnements für MagentaTV und dem Verkauf der Sub-Lizenzen an ARD und ZDF.
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