Den Interview-Marathon bei den Radio- und Fernsehsendern hatte Merlin Polzin längst absolviert. Von der von ihm selbst beschriebenen „hanseatischen Coolness“ war beim Trainer des Hamburger SV auch gut 40 Minuten nach Spielende kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil: Es brodele in ihm, gestand der 35-Jährige nach der 1:2-Niederlage des Aufsteigers beim SC Freiburg. „Es ist ein Unding und nur schwer zu akzeptieren“, polterte Polzin.

Vor allem die Entstehung des zweiten Gegentreffers in der Schlussphase durch Igor Matanovic ärgerte den Coach. „Ich muss jetzt aufpassen, was ich sage. Aber ich habe das aus jeder Perspektive gesehen: Der Ellenbogen ist klar im Gesicht. Er hat da nichts, aber auch rein gar nichts zu suchen“, sagte Polzin, der sich kurz vor Spielende auch noch die Gelbe Karte einhandelte. „Es ist ein klares Foulspiel, ein absoluter Kopftreffer. Für mich ist das unerklärlich.“

„Können uns alles schönreden“

Das Schiedsrichtergespann um Timo Gerach entschied anders und erklärte das Tor für regelkonform. Durch die Niederlage wartet der HSV weiter auf den ersten Dreier in der Fremde seit seiner Erstliga-Rückkehr.

Polzin ging es derweil nicht ausschließlich um die Bewertung der heftig diskutierten Szene, in der Hamburgs Jordan Torunarigha zu Boden gegangen war. Es gehe ihm vielmehr darum, dass die „DFB Schiri GmbH“ nicht zugeben könne, einen Fehler gemacht zu haben. „Wir können uns alles schönreden und immer wieder eine Erklärung finden - das ist sicherlich möglich. Aber es wäre nicht schlimm, wenn man einfach sagt, dass das eine Fehlentscheidung war.“

Wieder ein Platzverweis

Dem Coach war es aber auch wichtig zu betonen, dass seine Mannschaft vor allem in der ersten halben Stunde große Probleme hatte und Freiburg einen „insgesamt verdienten“ Sieg bejubeln durfte.

Hinzu kam bei allen Emotionen in der Schlussphase aber auch noch der sechste Platzverweis in dieser Saison nach der Gelb-Roten Karte von Daniel Elfadli. „Schon bei Elf gegen Elf haben wir in der Bundesliga die eine oder andere Herausforderung“, sagte Polzin. „Aber wenn wir dann auch noch ein Mann weniger sind, dann erhöht das nicht gerade die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein.“

Ein Disziplinproblem sieht Nicolai Remberg jedoch nicht. „Das klingt fies“, meinte der Mittelfeldspieler. „Ich weiß nicht, ob es Unerfahrenheit ist - vielleicht irgendwo auch ein bisschen. Aber klar, wenn du immer Gelb-Rot siehst und hinterherrennen musst, dann ist es schwer.“

Einen schweren Stand hatte indes auch HSV-Debütant Damion Downs. Der erst vor wenigen Tagen vom FC Southampton ausgeliehene Angreifer stand direkt in der Startelf. Das Spiel lief aber weitgehend am 21-Jährigen vorbei. „Es hat extrem Spaß gemacht, hier zu spielen. Aber mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden“, sagte der Ex-Kölner Downs.

Weiter Gerüchte um Bierhoff

Im Hintergrund wird derweil weiter über die Nachfolge von Ex-Sportvorstand Stefan Kuntz spekuliert. Einer der Kandidaten soll der langjährige Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff sein. Vonseiten des Vereins wird der Name nicht kommentiert.

Sportdirektor Claus Costa wiederholte im Sender Sky am Rande des Spiels in Freiburg lediglich, dass der HSV auch ohne Sportvorstand derzeit „voll handlungsfähig“ sei. Er habe ein tolles Team an seiner Seite und arbeite sehr eng mit den Trainern zusammen. „Die Absprachen oder der Austausch ist da sehr fließend.“ Schon zuvor habe Kuntz ihm „die Freiheit und Rückendeckung gegeben, mich in den Themen operativ auszutoben“.

Für Spieler und Club geht es schon am Dienstagabend darum, den Fehlstart aus der Winterpause zu verhindern. „Wir haben den einen oder anderen Gegenwind jetzt bekommen“, sagte Polzin vor dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. „Aber da lernen wir draus und greifen im Elf gegen Elf wieder an.“

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