Gruß an den Bundestrainer – „Ist wichtig, dass man auch eine so geile Sau wie mich dabei hat“
Allein aus den Grimassen, die Deniz Undav beim 4:1 (4:0) des VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen gezogen hatte, hätte sich problemlos ein unterhaltsames Feature zusammenschneiden lassen können. Nachdem er den ersten Treffer für Jamie Leweling aufgelegt hatte, wackelte er mit dem Kopf und grinste schelmisch.
In der Folge des dritten Stuttgarter Tores – es ging auf die gleiche Co-Produktion zurück – riss er die Augen so weit auf, dass es fast schon grotesk wirkte. Und beim Gang in Kabine zur Halbzeit, Undav hatte kurz zuvor das 4:0 erzielt, kam dann noch einmal der Kopfwackler.
Es war eine gute Idee von ZDF-Reporter Alexander Ruda, den Nationalstürmer anschließend zu fragen, wie er Menschen, die von dem furiosen Auftritt der Schwaben nichts mitbekommen haben sollten, diese bärenstarke Leistung erklären würde – ohne etwas dabei zu sagen? „Ich darf nichts sagen?“, fragte Undav zurück, überlegte kurz – und grinste erneut.
Keine Frage: Deniz Undav mag Spaß und macht wieder Spaß. Der 29 Jahre alte Stürmer sprühte vor Spielfreude und zeigte beim Verfolgerduell am Samstagabend, über welch vielfältige Fähigkeiten er verfügt. Vor dem 1:0 hatte er Leweling mit einem perfekten Vertikalpass bedient. Vor dem 2:0 hatte er an der Strafraumkante die Übersicht bewahrt und erneut auf den Kollegen abgelegt. „Deniz hat mir schon in der Woche gesagt: ,Wenn du vorne spielst, geb ich dir jeden Ball.‘ So kam es – und ich hab’ sie reingemacht“, sagte der Doppeltorschütze anschließend.
Elf Tore erzielt, sechs vorbereitet
Dass Undav selbst auch treffen kann, stellte er dann kurz vor dem Pausenpfiff unter Beweis. Da setzte er sich nach Zuspiel von Chris Führich gleich gegen drei Leverkusener im Strafraum durch. Es war sein 11. Pflichtspieltreffer in dieser Saison. Dazu kommen sechs weitere Tore, die er vorbereitet hat.
„Ich genieße es einfach und versuche den Lauf mitzunehmen. Ich habe wieder Spaß am Fußball“, erklärte er. Wieder? „Ja, letztes Jahr lief bei uns so einiges schief, auch bei mir persönlich. In eine solche Phase will ich nicht mehr reinkommen“, sagte Undav.
Tatsächlich hat sich der Angreifer aus einem Tief herausgearbeitet. Im vergangenen Frühjahr hatte er sogar seinen Stammplatz beim VfB verloren. Die Leichtigkeit schien ihm abhandengekommen zu sein. VfB-Trainer Sebastian Hoeneß hatte sogar angekündigt, die Gründe dafür mit Undav besprechen zu wollen. Falls dies so geschehen sein sollte – es hat gewirkt.
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In diesem Spieljahr – einem WM-Spieljahr – zeichnet Undav wieder all das aus, was ihn zu einem der interessantesten Offensivspieler der Bundesliga macht und zu einer echten Option für die Nationalmannschaft. Als Spielerpersönlichkeit ist er eine Mischung aus Talent, Engagement und Improvisation. Durch Technik und Geschicklichkeit kompensiert er sein größtes und vielleicht einziges Defizit: Undav ist für einen Stürmer eher langsam. Das ist im modernen Fußball eigentlich ein Karriere-Killer. Doch beim ihm fällt das nicht so auf.
Was auffällt: Undav ist ein Spieler, der mitreißen kann, seine Kollegen motivieren und zu Spitzenleistungen treiben kann. „Ich versuche, die Mannschaft als Anführer mitzuziehen. Ich versuche Spaß reinzubringen, eine gewisse Lockerheit“, sagte er. Das sei ja auch ein Argument, um ihn mit zur WM zu nehmen. Im Sportstudio-Interview jedenfalls rührte Undav ganz ungeniert die Werbetrommel für sich. Ein Argument für ihn sei, „dass ich die Qualität habe, um dabei sein zu dürfen. Ich bin ein Topstürmer – na ja, ein guter Stürmer, sage ich mal“, erklärte er und gab dem Bundestrainer dann gleich auch Tipps, wie er ihn einsetzen könne: „Ich kann auf der Zehn spielen, kann Tore vorbereiten, kann Tore schießen.“
Dazu käme dann noch der Spaßfaktor. „Aber ich will das gar nicht auf gute Laune beziehen, sondern auf die Qualitäten auf dem Platz“, so Undav. Ruda hakte nach: „Aber gute Laune ist auch wichtig?“ Undav: „Klar, wenn man so lange mit den Leuten zusammen ist wie bei der WM, ist es wichtig, dass man auch eine so geile Sau wie mich dabeihat.“ Ruda musste an sich halten, um sich das Lachen zu verkneifen. Die Fernsehzuschauer dürften dagegen losgeprustet haben.
Undav hat tatsächlich recht. Es kann, um einem Lagerkoller vorzubeugen, nicht schaden, ein Original wie ihn dabei zu haben. Das sehe der Bundestrainer auch so, verriet er. Bei der EM 2024 hätte der zu ihm gesagt: „Einen Deniz zu haben ist gut, zu viele ist auch nicht gut.“ Deshalb, so Undav, wolle er sich nicht allein auf seine Entertainerqualitäten verlassen. „Ich versuche erst mal mit meiner Leistung zu brillieren“, beendete er das äußerst unterhaltsame Gespräch. Ruda wünschte der „geilen Sau“ dafür alles Gute.
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