Viel fehlte nicht und Deutschlands Handball-Hoffnung Miro Schluroff hätte heute Abend das Trikot der Österreicher getragen. „Ich bekam vor ein paar Jahren einen Anruf von Ales Pajovic. 8.30 Uhr, ich habe gepennt, unbekannte Nummer. Ich musste erst mal klarkommen, Rollladen hoch. Dann ging es tatsächlich um das Thema, ob ich mir nicht vorstellen könnte für Österreich zu spielen“, erinnerte sich der 25-Jährige an den Anruf.

Das liegt einige Jahre zurück. Damals spielte Schluroff für den Bundesligisten GWD Minden. Pajovic, heute Trainer der SG Flensburg-Handewitt, coachte damals noch die ÖHB-Auswahl. „Ich wollte mich damals eher auf den Vereinshandball konzentrieren und ich fühle mich auch als Deutscher“, sagte Schluroff vor dem EM-Duell der beiden Teams an diesem Donnerstagabend (20.30 Uhr, Dyn und ARD) im dänischen Herning.

Schluroffs Vater ist Lars Unger

Schluroff wurde im österreichischen Bregenz geboren, wo sein Vater Lars Unger zu jener Zeit als Fußballprofi spielte. Als der heutige DHB-Spieler drei Jahre alt war, wechselte sein Vater zum Bundesligisten Werder Bremen. Die Familie zog daraufhin nach Deutschland, wo Schluroff aufwuchs. „Ich habe kaum noch Erinnerungen an Österreich“, berichtete der Rückraumspieler. Unger holte mit Werder 1992 den Europapokal der Pokalsieger, 1993 die Deutsche Meisterschaft und 1994 den DFB-Pokal.

Auch sein Sohn hätte beinahe denselben Weg eingeschlagen: In der Kindheit spielte er Fußball als Innenverteidiger, entschied sich dann jedoch für den Handball. Nach seinem Debüt im März 2025 hat sich Schluroff als Allzweckwaffe in der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason fest gespielt. Der Rechtshänder überzeugt defensiv auf beiden Halbpositionen und kann im rechten Rückraum agieren – so flexibel ist niemand im DHB-Team.

Ein Patzer gegen Österreich darf nicht passieren

Um die schwierige EM-Mission nicht frühzeitig zu gefährden, ist ein Patzer gegen Österreich verboten. „Unser Ziel ist hochgesteckt, das heißt Halbfinale. Aber das ist die beste deutsche Nationalmannschaft, die ich trainiert habe“, sagte Gislason.

Nils Lichtlein fällt aufgrund einer Fußverletzung aus. Entwarnung gibt es dagegen bei Renars Uscins, der sich im Test gegen Kroatien leicht verletzt hatte. Er sei noch nicht bei hundert Prozent, aber einsatzfähig, berichtete DHB-Manager Benjamin Chatton.

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Auch wenn die Vorrunde mit Österreich, Serbien und Spanien ihre Tücken hat, gilt sie für Deutschland als Pflichtaufgabe. Die eigentliche Bewährungsprobe wäre die Hauptrunde, wenn Duelle mit Olympiasieger Dänemark, Frankreich sowie dem WM-Vierten Portugal und Norwegen drohen. „Man kann eine Niederlage vielleicht verkraften, aber keine zweite“, erklärte Gislason.

Da die dänischen Überflieger quasi als unbesiegbar gelten, würde ein Patzer gegen Österreich den Traum von einer Medaille früh zunichtemachen. Und das mit Bundesliga-Spielern gespickte ÖHB-Team von Trainer Iker Romero weiß, wie man Deutschland ärgert. Zwei der drei letzten Duelle endeten unentschieden. Nach drei Niederlagen in der EM-Vorbereitung herrscht in Österreich allerdings Tristesse.

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