„Inkompetenter Clown“ – Wie Manchester Uniteds Besitzer den Klub zur Lachnummer macht
Als Ruben Amorim im November 2024 zu Manchester United wechselte, war er 39 und einer der vielversprechendsten Trainer in Europa. Als er sich diese Woche auf der Front der „Sun“ sah, aufgenommen mit seiner Frau bei einem Spaziergang an seinem winterlichen Wohnort, schwang so gar kein freundlicher Ton mehr mit. „Wenn du keinen Titel gewonnen, aber 30 Millionen Pfund gekostet hast“, titelte das Boulevardblatt, „dann bist du Amorim.“
Elf Millionen Euro zahlte die United, um Amorim damals aus dem Vertrag bei Sporting Lissabon auszulösen. Danach überwies sie ihm pro Woche 150.000 Euro. Und jetzt fand sie ihn mit 11,5 Millionen Euro ab, um ihn flugs wieder loszuwerden, eineinhalb Jahre vor dem Ende seines Vertrages. Zusammen ergibt das fast 30 Millionen, die ein weiteres Zeugnis dafür sind, wie planlos in Manchester mit dem Erbe von Alex Ferguson umgegangen wird.
Und es kommt noch bitterer für den Traditionsklub. Laut der „Sun“ plante Amorim am Freitag vor dem Spiel gegen Leeds United (1:1) – und somit nur wenige Stunden vor seinem Rauswurf – schon seinen Rücktritt. An jedem Tag sei es zu einem Streit mit Sportdirektor Jason Wilcox gekommen. Seinen Freunden soll er daraufhin verraten haben, dass er im Old Trafford hinschmeißen wolle. Manchester wäre in diesem Fall die Zahlung einer Abfindung erspart geblieben.
Doch zurück zu Fergusons Erbe. Er war der Trainer, der Manchester United allein zu 13 Meisterschaften führte und zum Weltverein machte, bis er 2013 in Rente ging. Um die acht Milliarden Euro hat die US-Familie Glazer seither als Besitzerin ausgegeben und doch nie alte Größe erlangt. Weil nichts daraus geworden ist, kam sie vor zwei Jahren auf die Idee, 27,7 Prozent ihrer Anteile für 1,5 Milliarden Euro an Jim Ratcliffe zu verkaufen und ihm die sportliche Oberaufsicht zu übertragen.
Ratcliffe reagiert bei Manchester United mit eisernem Besen
Sir Jim Ratcliffe ist in der Petrochemie ungeheuer reich geworden. Auch wenn gemäß der „Sunday Times“ sein Vermögen im vergangenen Jahr um 7,47 Milliarden Euro geschwunden ist, bleiben ihm immer noch 19,8 Milliarden. Ineos heißt sein Unternehmen, das im Fußball in Nizza und Lausanne das Sagen hat.
Eine von Ratcliffes ersten Taten bei Manchester United war es, 450 von 1100 Mitarbeitenden der Geschäftsstelle zu entlassen. Aus Spargründen. Da blieb wenigstens etwas Geld übrig, um Amorim im letzten Sommer für 230,0 Millionen Euro neue Spieler hinzustellen. Rang 7 brachte das aktuell in der Premier League ein.
Ratcliffe ist das nicht genug, vor allem war er nicht einverstanden mit dem 3-4-3, das Amorim unbeirrt spielen ließ. „Nicht einmal der Papst würde mich dazu bringen, daran etwas zu ändern“, sagte Amorim einmal. Ratcliffe mag nun nicht der Papst sein, aber seine Macht reicht, um mit dem oft unbekümmert daherplaudernden Portugiesen den nächsten Cheftrainer wegzuschicken – zumal einen, der mit Manchester United letzte Saison auf Platz 15 abstürzte und gerade einmal 25 von 63 Spielen gewann.
Der 73 Jahre alte Ratcliffe ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie eine Geschichte enden kann, wenn ein Besitzer das Gefühl hat, er wisse auf einmal auch im Fußball alles. So schlug er intern vor, Bryan Mbeumo als Außenverteidiger einzusetzen. Mbeumo ist allerdings ein Vollblutstürmer.
„The 1958“ reagiert nun heftig auf die jüngste Entwicklung, das ist eine Fangruppierung mit 100.000 Mitgliedern, bekannt als konstante Kritiker der in Manchester weithin verhassten Glazers. Jetzt bekommt Ratcliffe sein Fett weg. „Er wirkt wie ein inkompetenter Clown, der den Verein in einen Zirkus verwandelt“, schrieb die Gruppierung, „wir sind zur Lachnummer geworden.“
Am 1. Februar hat „The 1958“ eine große Protestaktion angekündigt. Ob sich Leute wie Ratcliffe, die so reich sind, dass sie sich alles kaufen können, davon beeinflussen lassen, ist allerdings mehr eine rhetorische Frage.
Nach Amorims Abgang übernahm übrigens Darren Fletcher, der einst unter Ferguson unter anderem fünfmal Meister mit United wurde, den Trainerposten interimistisch. Dessen Bilanz bisher: ein Unentschieden gegen den Tabellenvorletzten Burnley und das Aus im FA-Cup nach einer Heimniederlage gegen Brighton. Doch wenigstens ließ Fletcher sein Team nicht im 3-4-3 spielen.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Schweizer Tageszeitung „Tagesanzeiger“, wie WELT Mitglied der „Leading European Newspaper Alliance“ (LENA).
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