Wie Marokko und Senegal das Afrika-Cup-Finale zur Farce machten
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, so viel Stoff hat das Finale des Afrika-Cups geboten: sportlichen wie unsportlichen. Es gab fragwürdige Pfiffe des Schiedsrichters kurz vor Ende, Tumulte und fast einen Spielabbruch, einen kläglich vergebenen Strafstoß, einen Siegtreffer in den Winkel – und Jagdszenen um ein Handtuch.
Marokkos Trainer Walid Regragui war nach der niederschmetternden Niederlage beim Heimturnier restlos bedient und kritisierte seinen Kollegen Pape Thiaw und den eigenen Spieler Brahim Díaz. "Das Spiel, das wir hatten, war beschämend für Afrika", sagte er nach dem 0:1 der Gastgeber gegen Senegal um Superstar Sadio Mané und Bayern-Profi Nicolas Jackson.
War war passiert? Im frisch erbauten Prince-Moulay-Abdellah-Stadion in der marokkanischen Hauptstadt Rabat stand es vor 68.7000 Zuschauern bis in die Nachspielzeit null zu null. Dann schoss Senegal den erlösenden Treffer zum 1:0, der aber von Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala Ngambo kassiert wurde. Angeblich hatte es vor dem Kopfballtor von Moussa Niakhaté ein Foul an Marokkos Achraf Hakimi gegeben – eine sehr fragwürdige Entscheidung. Im direkten Gegenzug entschied der Unparteiische nach Ansicht des VAR auf Strafstoß für Marokko. Diesmal eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Die Emotionen im Stadion explodierten. Auf dem Rasen wie auf den Tribünen.
Ehemaliger HSV-Sportvorstand Aus dem leisen Abschied des Stefan Kuntz ist ein höllisch lauter geworden
Nick Woltemade "Das Gerede übers Geld ist eine deutsche Angelegenheit"
Rudi Völler "Manchmal lasse ich den Macho raushängen"
Peinlicher Schuss von Marokkos Superstar Brahim Diaz
Danach nahm das Drama seinen Lauf: Senegals Spieler und Betreuer wüteten. Trainer Pape Thiaw beorderte seine Spieler nach langen und heißen Debatten in die Kabine. Gleichzeitig übersprangen senegalesische Fans die Bande und lieferten sich mit Ordnern und Funktionären wüste Schlägereien, wie der "Kicker" berichtete. Sogar auf der Pressetribüne spielten sich wilde Szenen ab. Die Reporter aus beiden Ländern beschimpften sich gegenseitig, bespritzten einander mit Wasser und warfen sich gegenseitig Korruption vor.
Schließlich kehrten Senegals Spieler auf den Rasen zurück, weil einer sich professionell verhielt: Der Ex-Münchner Sadio Mané war seinem Team in die Kabine hinterher gesprintet und holte die Mannschaftskollegen zurück auf den Platz. Der Elfmeter konnte jetzt endlich ausgeführt werden.
Es folgte der Auftritt von Brahim Diaz. Marokkos Superstar von Real Madrid war bis dahin mit fünf Treffern der beste Spieler des Turniers. Nach etwa fünfzehnminütiger Unterbrechung hatte er die große Chance, seine Mannschaft zum ersten Titel zu schießen. Ein ganzes Land fieberte mit. Und Diaz? Er lupfte den Ball in die Arme des senegalesischen Torwarts Edouard Mendy. Eine groteske Szene. Diaz vergrub die Hände im Gesicht, nach Schlusspfiff musste er sich noch auf dem Rasen von seinem Trainer beschimpfen lassen.
Senegal gewinnt Afrika-Cup nach Chaos-Finale
In der Verlängerung mit Torchancen auf beiden Seiten wirkten die Senegalesen physisch und psychisch den einen Tick besser. Nach Gueyes Traumtor, der den Ball aus vollem Lauf in den Winkel zimmerte, verteidigten die Senegalesen leidenschaftlich. Der stark haltende Keeper Bono verhinderte das 2:0 – aber am Ende eines denkwürdigen Endspiels war es egal. Zum zweiten Mal nach 2022 krönte sich Senegal zum Champion von Afrika.
Die Umstände dürften für sie nach dem Triumph gleichgültig sein. Fairerweise muss man das merkwürdige Verhalten marokkanischer Funktionäre und Ordner rund um die Partie erwähnen. Sie trugen entschieden zur Wut des Gegners bei. Der "Sportschau" zufolge hatte man dem gegnerischen Team kein adäquates Hotel zugewiesen. Das geschah erst nach einer massiven Beschwerde. Zudem sollen nur 3000 Tickets an senegalesische Fans verkauft worden sein, was zu einem krassen Missverhältnis auf den Tribünen geführt hatte.
Noch beschämender war das Verhalten marokkanischer Balljungen und eines Funktionärs während der Partie. Sie hatten versucht, Senegals Torwart Mendy das Handtuch zu stibitzen, das er neben dem Tor platziert hatte – offenbar, damit er sich die nassen und rutschigen Handschuhe nicht mehr abwischen konnte. Clips in den sozialen Medien zeigen, wie das allein durch den Einsatz von Ersatzkeeper Yehvann Diouf verhindert wurde. Es waren absurde Szenen, wie Balljungen und ein Funktionär Diouf das Handtuch abjagen wollten.
Eine ähnliche Szene hatte es bereits im Halbfinale gegen Nigeria gegeben. Da hatte Außenverteidiger Achraf Hakimi das Handtuch des gegnerischen Torwarts hinter die Bande geworfen.
Quellen: DPA, "Kicker", "Bild", "Sportschau", "Goal"
- Senegal
- Marokko
- Afrika-Cup
- Afrika
- Sadio Mané
- Brahim Diaz
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke