„Wie immer bei Euch …“ – Gislason stichelt wegen Knorrs Kritik gegen das ZDF
Mit seiner öffentlichen Kritik an Handball-Bundestrainer Alfred Gislason hatte Spielmacher Juri Knorr nach der überraschenden Niederlage gegen Serbien für Aufsehen gesorgt. Nach dem erfolgreichen Einzug in die EM-Hauptrunde durch das 34:32 (17:15) gegen Spanien blickten sowohl der Führungsspieler als auch der Isländer jedoch gelassen auf das Interview zurück.
Gislason war nach der Partie obligatorisch beim übertragenden Sender zum Interview vorstellig geworden, in dem Fall beim ZDF. Zunächst war es ein recht unverfängliches Gespräch. Der 66-Jährige wirkte zwar recht reserviert, schaute kaum einmal nach rechts oder links, sondern eher starr an den Gesprächspartnern vorbei, spulte aber sein Programm ab.
„Erleichtert und sehr stolz auf die Jungs“ sei er, „dass sie dieses Spiel gewinnen konnten und vor allem auch, wie. Wir haben eine super Abwehr hingekriegt und die Torhüter waren gut. Vorn lief es super, wir haben mit viel mehr Kreuzungen gespielt. Die Spieler haben sehr, sehr gut geworfen aus dem Rückraum und auch die Außen haben viele Bälle bekommen“.
Knorrs Kritik an Gislasons taktischen Maßnahmen
In dem Analyse-Gespräch mit ZDF-Moderator Florian Zschiedrich ging es dann auch um die Kritik von Knorr. Der 25-Jährige hatte nach der Serbien-Pleite seinen Unmut über Gislasons taktische – und am Ende unglückliche – Änderungen geäußert. Knorr hatte gesagt, ohne den Namen von Gislason direkt zu erwähnen: „Wir müssen diesen Frust jetzt mitnehmen und in Energie umwandeln. Wir haben die Serben in der ersten Halbzeit überrannt – und dann ändern wir alles. Das verstehe ich nicht. Ich stand in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel auf der Platte. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“
Deswegen ging es nun nach dem Duell gegen Spanien ans Eingemachte. Zschiedrich sagte Gislason, dass er gesehen habe, „wie sie jeden in der Mannschaft noch einmal abgeklatscht haben. Am Ende war Juri Knorr dran. Was haben Sie ihm gesagt, Ihrem Chefkritiker, nach den vergangenen Spielen?“
Es schien so, als hätte Gislason nur darauf gewartet. Knorr, antwortete er, sei „danach zu mir gekommen. Wie immer bei Euch sagt er mehrere Sätze, ein halber wird rausgenommen, der Euch passt. Ich hatte überhaupt kein Problem mit ihm. Wir sprechen uns regelmäßig aus“. Er glaube, befand der Bundestrainer dann noch, dass es sehr gut gelungen sei, „den Druck von der Mannschaft wegzunehmen, was unser Plan war“. Etwas sarkastisch schob er hinterher: „Ihr habt uns dabei geholfen. Sehr schön.“
Im Nachgang wertete Knorr die Reaktion des Bundestrainers auf seine Aussagen dann sogar als Ausdruck großer Souveränität. „Das Beste ist das Gefühl, dass man das am nächsten Tag mit seinem Trainer bespricht und dem das völlig egal ist. Weil das ist nicht selbstverständlich, dass ein Trainer da heutzutage kein Ego hat und das nicht persönlich nimmt. Für ihn war es null Thema und das gibt mir in dem Fall ein gutes Gefühl. Andere hätten da auch gekränkt sein können“, erklärte Knorr.
Nach der Serben-Pleite zeigte die deutsche Nationalmannschaft jedenfalls eine starke Reaktion. Sie wirkte nahezu verwandelt. Mit ein Grund für den Erfolg trotz maximalen Erfolgsdrucks dürfte nach Einschätzung der Protagonisten eine nächtliche Krisensitzung der Spieler im Teamhotel gewesen sein. Nach der Niederlage gegen Serbien geigten sich einige im Radisson in Silkeborg die Meinung.
„Man hat gesehen, dass mit dem deutschen Handball wieder zu rechnen ist“
„Wir haben Tacheles geredet“, berichtete Linksaußen Lukas Mertens: „Wir haben uns zusammengesetzt und die Einzelheiten vom Serbien-Spiel besprochen. Das haben wir gegen Spanien wirklich sehr, sehr gut umgesetzt. Wir haben sowohl im Angriff als auch in der Abwehr eine gute Struktur gehabt. Man hat gesehen, dass mit dem deutschen Handball wieder zu rechnen ist.“
Einige seien nach dem Serbien-Spiel, unter anderem auch er, „gegen 3 Uhr ins Bett gegangen. Wir haben uns aber noch mal zusammengerauft, und meistens ist es dann so, dass sich im Physioraum noch einige befinden. Und da haben wir halt die Dinge angesprochen, haben Kritik geäußert, haben auch Einzelkritik geäußert. Das gehört zum Sport dazu“.
Neben dem mannschaftsinternen Austausch halfen auch Sitzungen mit Gislason. Dieser habe laut Kapitän Johannes Golla die richtigen Worte gefunden. Der Bundestrainer selbst sagte, er habe eigentlich nur „an ihre Stärken appelliert und dass sie an sich glauben sollen. Egal was passiert, sie sollen das auch genießen, einfach zusammen zu sein in so einem Turnier“.
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Nach dem Kraftakt im Vorrundenfinale, in dem eine Niederlage das historische Aus bedeutet hätte, blickt das Team schweren Aufgaben entgegen. Es geht nun gegen Weltmeister und Olympiasieger Dänemark, Europameister Frankreich, Co-Gastgeber Norwegen sowie wahrscheinlich den WM-Vierten Portugal.
„Dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind, stimmt uns froh und optimistisch, dass wir in der Hauptrunde noch besser spielen und weiter unsere Träume leben können“, sagte Torwart-Routinier Andreas Wolff. Und Knorr ergänzte: „Es könnte eine schöne Geschichte werden.“
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