Für die große Partie soll es einen besonderen Rahmen geben. Ihr Heimspiel im Viertelfinale der Champions League Anfang April wird die Fußball-Frauenmannschaft des FC Bayern in der Allianz Arena austragen. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison spielt das Team um die Nationalelf-Kapitänin Giulia Gwinn in dem großen Stadion, es trifft auf den Sieger der Paarung Manchester United gegen Atlético Madrid.

Nicht nur diese Entwicklung zeigt, dass der Frauenfußball beim deutschen Männer-Rekordmeister wächst. In dieser Woche veröffentlichte die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte die „Football Money League 2026“. Aus der Studie geht hervor: Die Fußballerinnen des FC Bayern haben ihren Gesamtumsatz in der vergangenen Saison auf 7,2 Millionen Euro verdoppelt und zählen jetzt zu den zehn finanzstärksten Klubs der Welt. Deloitte listet zum vierten Mal die 15 umsatzstärksten Frauenfußballklubs weltweit auf, wobei aufgrund fehlender Daten wichtige Märkte wie die USA oder Australien nicht berücksichtigt wurden. Der Studie zufolge machten die Topklubs im Frauenfußball gemeinsam erstmals über 150 Millionen Euro Umsatz.

Spitzenreiter ist der Champions-League-Sieger FC Arsenal (25,6 Millionen Euro) vor dem FC Chelsea (25,4) und dem Vorjahres-Ersten FC Barcelona (22,0). Die Münchnerinnen sprangen vom 13. auf den neunten Platz. Einziger weiterer deutscher Klub unter den Top 15 ist Eintracht Frankfurt mit einem Umsatz von 4,7 Millionen. Die Hessinnen lagen im Vorjahr noch bei sechs Millionen.

Der FC Bayern profitierte in der Bewertung von seinem Turniersieg bei der neu geschaffenen Kleinfeldserie World Sevens Football (W7F). Bei dem in Portugal ausgespielten Mini-Wettbewerb im vergangenen Mai erhielten die Münchnerinnen rund 2,3 Millionen Euro – etwa eine Million mehr als es 2025 für den Gewinn der Champions League gab.

FC Bayern kauft Stadion in Unterhaching

In Relation zu den Männern sind 7,2 Millionen Euro Umsatz nicht viel. Der FC Bayern machte zuletzt insgesamt einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro, der Kader der Männer ist geschätzt rund 980 Millionen Euro wert. Doch eine Verdopplung des Umsatzes der Frauen ist für die Münchner ein großer Erfolg.

Jennifer Haskel von der Deloitte Sports Business Group sagte: „Das Umsatzwachstum bei den Frauenfußballklubs spiegelt die anhaltende Innovationskraft und die starke kommerzielle Ausrichtung in einigen der führenden Märkte des Sports wider. Der Frauenfußball beginnt, seinen eigenen Weg zu gehen – mit neuen und erweiterten Markenpartnerschaften, neuen Ticketing-Strategien und einem klaren Fokus darauf, die sich wandelnde Fanbasis wirklich zu verstehen.“

Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, Präsident Herbert Hainer und Ehrenpräsident Uli Hoeneß möchten die Bayern-Frauen künftig noch mehr fördern. Kürzlich kaufte der Klub das Stadion, in dem der Männer-Regionalligaklub Spielvereinigung Unterhaching spielt. Von der Saison 2026/2027 an werden die FCB-Frauen dort ihre Heimspiele austragen. „Der Erwerb des Sportparks Unterhaching ist ein weiterer Meilenstein für die gesamte Entwicklung unserer FC Bayern Frauen“, so Dreesen. „Die neue sportliche Heimat unseres Frauen-Teams wird die Anforderungen der Uefa erfüllen und auch der Zuschauernachfrage in Zukunft gerecht.“

Das Stadion fasst 15.000 Zuschauer. Bislang spielen die Frauen meist am FC Bayern Campus, dort fasst die Spielstätte gerade mal 2500 Zuschauer.

Spannend wird dieses Jahr, wie die Klubs der Frauen-Bundesliga generell mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zusammenarbeiten. Anfang Dezember 2025 war im Deutsche Bank Park in Frankfurt/Main der Ligaverband (Frauen-Bundesliga FBL e.V.) gegründet worden. Ursprünglich sollte die Veranstaltung am Campus des Deutschen Fußball-Bundes abgehalten werden und in eine FBL GmbH mit dem Verband münden. Dazu kam es nicht.

Jennifer Zietz sieht im Streit zwischen der Liga und dem DFB noch Chancen, dass es zum ursprünglich geplanten Joint Venture kommt. „Es ist alles offen, die Tür ist nie zu. Es braucht mutige Schritte. Es geht um eine schnelle Entwicklung des Frauenfußballs und je mehr kompetente Personen dazu beitragen, desto besser“, sagte die Geschäftsführerin Profifußball Frauen beim 1. FC Union Berlin.

Vor allem Dreesen und Axel Hellmann, Boss von Eintracht Frankfurt, hatten den DFB im Vorfeld öffentlich kritisiert. Beim Verband fühlt man sich ob des medialen Rundumschlags brüskiert. Am 26. Januar sollen nun in Frankfurt die Verhandlungen zwischen den 14 Vereinen mit ihrer neuen Ligaverbandspräsidentin Katharina Kiel von Eintracht Frankfurt und dem DFB wieder aufgenommen werden.

„Zum Zeitpunkt der Gründung des Ligaverbandes war es nicht möglich, mit dem DFB zusammenzuarbeiten. Wir Vereine sind uns sehr einig. Im Moment haben wir einen Player weniger am Tisch, der auch erst die Landesverbände hinter sich bringen muss“, sagte Zietz, früher Nationalspielerin von Turbine Potsdam.

Die 42-Jährige betonte zudem: „Wenn die Vereine so viel investieren, dann ist es auch klar, dass sie am Ende die Stimmenmehrheit haben sollten. Das ist einer der ausschlaggebenden Punkte in den Verhandlungen mit dem DFB.“

Der Verband, der das Joint Venture komplett finanzieren würde, fordert bei vielen Themen Mitspracherechte. Knapp über 100 Millionen Euro sagte der Verband für die nächsten acht Jahre zu. Etwa die Hälfte flösse direkt an die Klubs, die andere in das Gemeinschaftsunternehmen. Weitere rund 25 Millionen Euro über denselben Zeitraum soll die Zweite Liga erhalten, die der DFB in vier bis fünf Jahren in die FBL integrieren will.

Julien Wolff ist Sportredakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen.

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