„Explosionen unweit meiner Wohnung. Ich konnte die Erschütterungen spüren“
I m Duell mit Titelverteidigerin Madison Keys musste sich die Ukrainerin Oleksandra Olijnykowa geschlagen geben, dennoch fühlte sich die 25-Jährige nach ihrem ersten Auftritt bei einem Grand-Slam-Turnier ebenfalls als Gewinnerin. Schließlich hatte sie ihr vom russischen Angriffskrieg zerrüttetes Land bei den Australian Open gebührend repräsentiert. Die Zuschauer in der Rod Laver Arena bedachten Olijnykowa nach der Partie mit genauso viel Applaus wie Keys.
„Ich werde diesen Moment nie vergessen“, sagte die Nummer 92 der Weltrangliste, die trotz des 6:7 (6:8), 1:6 fleißig Autogramme schrieb. Mit ihrem couragierten Auftritt gegen die Nummer neun der Tennis-Welt wollte sie auch auf die Zustände in ihrer Heimat aufmerksam machen.
Olijnykowas Vater kämpft als Soldat für die Ukraine
„Der Krieg ist sehr lang. Deshalb verlieren die Leute etwas das Interesse“, sagte Olijnykowa. „Aber im Moment haben die Leute in der Ukraine keinen Strom. In meiner Wohnung in Kiew gibt es gerade keinen Strom, kein Wasser, keine Heizung. Deshalb ist jede Gelegenheit, darauf hinzuweisen, sehr wichtig.“ Russland hatte seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor knapp vier Jahren begonnen und attackierte das Nachbarland täglich mit Bomben und Drohnen.
Ihr Vater kämpfe als Soldat für die Ukraine, berichtete Olijnykowa. Die Lage in der Heimat sei sehr schwierig. „Die Nacht bevor ich nach Australien geflogen bin, hat es unweit meiner Wohnung Explosionen gegeben. Eine Drohne hat ein Haus in der Straße getroffen, ich konnte die Erschütterungen in meiner Wohnung spüren“, berichtete Olijnykowa.
Auftritte wie bei den Australian Open nutze sie daher auch immer, um für Spenden vor allem für Kinder und Frauen zu werben. „Ich weiß, was alles nötig ist“, sagte sie. Ihre Wege nach dem Match absolvierte sie in einem T-Shirt. „Ich brauche eure Hilfe, um ukrainische Kinder und Frauen zu schützen. Aber ich kann darüber hier nicht reden“, stand drauf. Politische Äußerungen sind bei den Turnieren verboten. Sie sagte mehrmals, man könne sich über das Thema unterhalten, aber außerhalb, wo der Veranstalter nichts zu sagen habe.
Auch sie engagiert sich über ihre Rolle als Botschafterin auf der Tennisbühne hinaus für ihr Land, schon ihr Profilname auf Instagram verrät es: „_drones4ua.org_“ heißt der. Olijnykowa sammelt Geld für Drohnen, ist Botschafterin einer unbemannten Drohnen-Einheit, der 412. Nemesis-Brigade der ukrainischen Armee. Deren Drohnen zielen auf Militärbasen in Russland. Videos von den Angriffen postet sie. 20 Millionen Euro will sie mit Freunden zusammenbekommen. „Ich spende auch selbst, je nachdem, wie viel ich verdiene“, sagt sie. 2024 hätten diese Drohnen nach ihren Angaben militärische Ziele von über einer Milliarde Euro in Russland zerstört.
In ihrem Kampf für die Ukraine macht sie auch vor großen Namen nicht Halt. Insbesondere vor Aryna Sabalenka nicht. „Ihr brutales Verhalten hat viele empört“, erzählte Olijnykowa: „Trotzdem tut die Belarussin, die ohne Flagge spielt, weiterhin so, als wisse sie nichts vom Krieg in der Ukraine. Sie verstehe nicht, warum ihr die ukrainischen Spielerinnen nach dem Match nicht die Hand geben. Und, wie man sagt, existiere für sie nur der Sport, alles andere sei ihr egal.“ Zudem habe sie Aufrufe von Präsident Alexander Lukaschenko unterzeichnet. Auch die Russinnen Diana Shnaider und Mirra Andreeva kritisierte sie dafür, dass sie sich von Präsident Wladimir Putin auszeichnen ließen.
Bei den Australien Open sah es zunächst vielversprechend für Olijnykowa aus
Ihr Vater ist Offizier. 2011 ging die Familie nach Kroatien, weil der Vater gegen den prorussischen Präsidenten Viktor Janukovych war und er Probleme bekam. „Wir waren politische Flüchtlinge, aber ich habe mich nie als Kroatin gefühlt“, sagte sie. So ging sie im vergangenen Jahr wieder zurück in ihre Heimatstadt Kiew.
Seit ihr Vater im Krieg sei, erzählte Olijnykowa, „reise ich allein. Er hat mir nach der Partie sofort geschrieben. Ich bin so stolz auf ihn, er ist mein größter Fan, und das ist meine größte Motivation. Er hat davon geträumt, mich auf diesem Platz zu sehen. Ich werde alles tun, um ihn noch stolzer zu machen. Aber sein Traum wurde wahr“.
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Gegen Keys sah es zunächst so aus, als bekomme sie in Melbourne noch eine weitere Chance dafür. Olijnykowa führte im ersten Satz bereits mit 4:0 und hatte im Tiebreak später sogar zwei Satzbälle. Am Ende setzte sich Keys mit ihrem druckvollen Spiel und der größeren Erfahrung aber doch durch.
„Sport ist mehr als nur ein Resultat“, sagte sie. Und brachte wieder ihren Vater ins Spiel: „Nachdem er zur Armee gegangen war, sah ich es als Herausforderung: Ich gehe allein auf Tour. Mir ist klar, dass ich so widerstandsfähig wie möglich sein muss. Dieser psychologische Ansatz hilft mir sehr. Ich verstehe, dass man sich keine Sorgen machen darf. Wir haben beschlossen, etwas zu unternehmen, und mein Vater und ich sind ein Team. Wir sehen unsere Zukunft in der Ukraine und wollen in Zukunft etwas für den ukrainischen Sport tun.“
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