Vor 150 Fans in der Fünfer-Liga, jetzt auf der gigantischen Bühne Olympia
Das erste Spiel steigt vor den Spielen. Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen startet schon einen Tag vor der Eröffnungsfeier in das olympische Turnier. Am Donnerstag trifft das Team von Jeoff MacLeod in Mailand auf Schweden (12.10 Uhr, ZDF und im WELT-Liveticker) und kehrt nach zwölf Jahren auf die olympische Bühne zurück. Zuletzt waren die Deutschen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi dabei. Das Auftaktspiel gegen die Skandinavierinnen ist der vorläufige Höhepunkt einer stetigen Aufwärtsentwicklung des Nationalteams. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, besonders in den eigenen Reihen.
„Ich weiß, dass sehr viel Potenzial in unserem Team steckt. Natürlich ist mir bewusst, dass die Hürde aufgrund von unserem Modus sehr hoch ist, aber im Turnier kann immer alles passieren. Ich fahre zu den Olympischen Spielen, um eine Medaille zu holen“, sagt Franziska Feldmeier WELT.
Die 26-jährige Stürmerin ist seit Jahren eine feste Größe im Nationalteam. Ziel müsse es sein, dank einer guten Vorrunde im Viertelfinale den übermächtigen Teams aus Kanada und den USA aus dem Weg zu gehen. Denn auch bei diesem Turnier geht es wieder darum, wer der Beste vom Rest wird. Zu übermächtig sind die beiden Mannschaften aus Nordamerika. Alle bisher 24 ausgespielten WM-Titel und die sieben Olympiasiege gingen entweder nach Kanada oder in die USA.
„Olympia ist extrem wichtig für uns“
Doch hinter den beiden Eishockey-Großmächten hat Deutschland durchaus eine realistische Medaillenchance. Neben Schweden trifft das Team in der Vorrunde auf Japan, Frankreich und Gastgeber Italien. Die ersten drei Teams qualifizieren sich für das Viertelfinale. Mit Platz eins in der Vorrunde würde Deutschland den beiden Top-Nationen zunächst aus dem Weg gehen.
Ging es früher nur darum, sich möglichst teuer zu verkaufen, ist das Team mittlerweile zu einer festen Größe bei Weltmeisterschaften geworden. Unter Nationaltrainer MacLeod, der seit 2023 im Amt ist, hat sich das Umfeld professionalisiert. Ein größerer Trainerstab kümmert sich um die Spielerinnen, was sich deutlich in deren Fitness niederschlägt. Zwar sind noch immer ein Großteil der Spielerinnen in der Bundesliga Amateurinnen, aber 13 Nationalspielerinnen, darunter auch Feldmeier, dienen als Sportsoldatinnen. Die Bundeswehr ermöglicht es ihnen, sich auf ihren Sport konzentrieren zu können.
„Olympia ist extrem wichtig für uns. Wir haben leider nicht sehr oft eine große Bühne im Frauensport, und daher ist es natürlich umso schöner, wenn man dann so eine große Bühne positiv nutzen kann“, sagt Feldmeier. Olympia wird ein totaler Kontrast zu ihrem Liga-Alltag sein. Feldmeier spielt in Berlin bei den Eisbären Juniors und ist die zweitbeste Scorerin der Deutschen Frauen Eishockey Liga (DFEL), die nur aus fünf Teams besteht. Zu den DFEL-Spielen verirren sich oft weniger als 200 Zuschauer in die Hallen. Wegen der wenigen Frauen-Mannschaften in Deutschland stockt HK Budapest aus Ungarn die deutsche Liga auf.
Doppelspieltage, um Reisekosten zu sparen
Damit sich die langen Auswärtsfahrten für die Berlinerinnen nach Memmingen, Ingolstadt, Mannheim oder eben Budapest lohnen, finden Doppelspieltage an einem Wochenende statt. Oft müssen die Spielerinnen sogar draufzahlen, damit sie ihrem Sport in der höchsten deutschen Liga nachgehen können.
Feldmeier, die in der Saison 2023/24 in Schweden bei Linköping HC unter professionellen Bedingungen gespielt hat, fordert eine höhere Sichtbarkeit des Frauen-Eishockeys, damit sich die Strukturen auch abseits der Nationalmannschaft verbessern: „Wir brauchen mehr weiblichen Nachwuchs und eine bessere und faire Ausbildung und dann natürlich Sichtbarkeit und mehr Optionen für die Mädels im Seniorenbereich.“
Viele Vereine bieten keinen reinen Frauen-Nachwuchs an, sodass Mädchen oft in Mixed-Teams spielen müssen. So wie Mathilda Heine, mit 16 Jahren die jüngste aller deutschen Olympia-Athleten, die, bis sie vor einem Jahr zu den Eisbären nach Berlin wechselte, in Crimmitschau mit gleichaltrigen Jungs in einer Mannschaft spielte.
Dass der Sport Potenzial hat, zeigte sich wieder einmal im letzten Test vor den Olympischen Spielen. Beim 2:3 nach Verlängerung gegen Japan kamen 2300 Zuschauer in die Halle nach Peiting. Die Spiele des Deutschland Cups im vergangenen Oktober verfolgten jeweils mehr als 3000 Fans.
Nordamerika-Profis verstärken die Nationalmannschaft
Gegen Japan, das am Freitag zweiter Gegner bei Olympia sein wird, fehlten noch die drei Topspielerinnen aus Nordamerika. Sandra Abstreiter, Laura Kluge und Katarina Jobst-Smith stießen erst später zum Team. Mit dem Trio aus der PWHL wird das Team einen deutlichen Qualitätsschub erfahren. Torhüterin Abstreiter spielt seit 2023 in der Profiliga, zu deren Spielen regelmäßig mehr als 10.000 Zuschauer in die Hallen strömen. Kluge wechselte im vergangenen Dezember von den Eisbären zu den Boston Fleet.
Wie die NHL pausiert auch die PWHL für die Olympischen Spiele, Kluge konnte also zum Team stoßen. „Im Training hatten wir bereits ein gutes Tempo, die Eisqualität war sehr gut – es hat Spaß gemacht, hier gemeinsam mit den Mädels auf dem Eis zu stehen. Das macht Lust auf die nächsten Tage hier in Mailand“, sagt sie.
„Wir werden im Do-or-die-Modus vermutlich relativ schnell auf die USA oder Kanada treffen, und da braucht es dann einen sehr guten Tag, sehr viel Teamgeist unserer Mannschaft und vielleicht auch ein bisschen Glück“, sagt Feldmeier. Die von ihr gewünschte große Bühne wird sie mit der Nationalmannschaft in Mailand auf jeden Fall haben. Auch, wenn sechs Tage nach dem Auftaktspiel das Turnier der Männer mit den Superstars aus der NHL startet. „Es ist schon cool, NHL-Spieler mal live spielen zu sehen, aber der Fokus liegt da dann doch eher auf unserem Turnier“, sagt Feldmeier.
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