„Wir können und sollten uns Olympische Spiele leisten“
Vier deutsche Regionen wollen Olympia, die Haushaltslage ist angespannt – und dennoch gibt es eine klare Zusage aus dem Finanzministerium. Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil erklärt, warum er überzeugt ist, dass sich Deutschland Olympische Spiele leisten kann und sollte. Für den 47-Jährigen sind sportliche Großereignisse mehr als Kostenfaktoren. Sie stiften Zusammenhalt, stehen für Aufbruch und erzeugen ein positives Bild des Landes.
Frage: Herr Klingbeil, wie haben Sie als Kind Olympia verfolgt?
Lars Klingbeil: Ich saß permanent vor dem Fernseher und habe die Olympischen Spiele geschaut. Ich erinnere mich an viele Situationen, war immer beeindruckt, egal ob Sommer- oder Winterspiele. Das hat mich schon geprägt in meiner Kindheit.
Frage: Welcher Olympia-Moment ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Klingbeil: Viel Schwimmen, Michael Phelps hat eine große Rolle gespielt und dann natürlich auch die 100-Meter-Läufe. Kurze Sequenz, aber immer beeindruckend. Aber ich war auch schon immer ein großer Fan vom Wintersport.
Frage: Sie werden in Italien in Cortina vor Ort sein. Auf welche Wettkämpfe freuen Sie sich besonders?
Klingbeil: Ich habe ein Faible für Skispringen und schaue sehr gerne Biathlon. Das hat auch damit zu tun, dass da Sportlerinnen und Sportler vom Zoll antreten, die ja in meiner Verantwortung als Finanzminister stehen.
Frage: Mit Berlin, München, Hamburg, und Rhein-Ruhr gibt es vier Kandidaten für eine deutsche Olympia-Bewerbung ab 2036. Warum benötigt Deutschland Olympia?
Klingbeil: Ich bin davon überzeugt, dass der Sport wichtig ist für unsere Gesellschaft und einen sozialen Kitt in unserer Gesellschaft herstellt, den wir in unserem Land dringend brauchen. Wir haben das während des Sommermärchens gesehen, wie auf einmal dieses Land aufblühte, wie wir einen großen Zusammenhalt hatten. Ich bin fest davon überzeugt, dass solche sportlichen Großevents unser Land stark machen und schöne Ereignisse sind, die unserem Land guttun und die am Ende auch eine Möglichkeit bieten, dass Deutschland sich gut präsentiert. Und deswegen haben wir als Bundesregierung sofort gesagt: „Wir wollen, dass Olympia hier stattfindet!“
Frage: Kann sich Deutschland trotz angespannter Haushaltslage Olympische Spiele denn überhaupt leisten?
Klingbeil: Es gibt diese Olympia-Garantie vom Finanzminister. Wir wollen sowohl die Bewerbung, als auch die Spiele unterstützen.
Frage: In einem Schreiben an Bundeskanzler Merz und die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt Schenderlein haben Sie garantiert, dass sich Deutschland Sommerspiele leisten kann. Warum haben Sie sich für dieses offizielle Signal entschieden?
Klingbeil: Einer der Gründe, warum ich dieses Zeichen jetzt setzen will, ist: In den vergangenen Wochen habe ich immer mehr Leute getroffen, die mich gefragt haben: „Lohnt sich das? Müssen wir da nicht ganz viel Geld ausgeben?“ Man sieht an Paris übrigens, dass, wenn man die Spiele nachhaltig organisiert und auch nachhaltig in Infrastruktur investiert, dass das ganze Land dauerhaft etwas davon hat und dass man wie in Paris sogar mit einem Plus rausgehen kann. Dazu kommt die Stimmung im Land. Ja, wir können uns Olympische Spiele leisten und wir sollten uns Olympische Spiele leisten. Sie machen unser Land stärker und besser.
Frage: Wie würde Deutschland insgesamt von einer Bewerbung profitieren und nicht nur die Region, die dann eben die Spiele bekommen könnte?
Klingbeil: Also erst einmal haben wir jetzt vier tolle Regionen, die sich bewerben. Das ist beeindruckend und das spricht auch dafür, wie wichtig in Deutschland die Olympischen Spiele gesehen werden. Jetzt gibt es einen Wettkampf und dann hoffe ich, dass sich die anderen drei hinter den Gewinner stellen. Natürlich wird ein ganzes Land profitieren. Egal, wo dann die Spiele sind: Das wird das ganze Land auch in Aufbruch versetzen.
Frage: Anderes Thema. Sie sind auch ein großer Fußball-Fan, sitzen im Verwaltungsrat der Bayern. Wie sehen Sie die Forderungen nach einem deutschen Boykott der Fußball-WM aufgrund der Politik von US-Präsident Donald Trump?
Klingbeil: Ich halte die Debatte wirklich für Quatsch und ich muss das auch so deutlich sagen. Ich finde, bei allen politischen Auseinandersetzungen, die man mit den USA hat, halte ich einen WM-Boykott für eine vollkommen falsche Debatte. Da wird immer den Sportlern etwas aufgedrückt, was wir eigentlich in der Politik lösen müssen und nicht auf dem Rücken der Sportler austragen sollten.
Frage: Sie sind mit Bayern-Star Leon Goretzka befreundet, der den Klub im Sommer verlassen wird. Wie sehr blutet da Ihr Herz?
Klingbeil: Wir hatten auch jetzt Kontakt. Ich habe ihm gesagt, dass ich das sehr schade finde. Aber er wirkt sehr aufgeräumt und freut sich auf das, was dann kommt. Wir haben gemeinsam verabredet, dass wir ihn mit drei Titeln verabschieden.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in BILD AM SONNTAG veröffentlicht.
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