Es war ein historischer Zieleinlauf. Und einer, für den sich Johannes Hösflot Klaebo Zeit lassen, den er aufsaugen und genießen konnte – wie so manche zuvor, denn dieser Norweger ist eine Klasse für sich. Als Zweijähriger bekam er seine ersten Skier. Jetzt, 27 Jahre später, läuft er als Schlussmann der norwegischen Staffel strahlend und jubelnd an den Zuschauertribünen vorbei. Im Ziel der olympischen Strecke von Tesero haben sich seine Teamkollegen Emil Iversen, Martin Löwström Nyenget und Einar Hedegart mit der norwegischen Fahne in den Händen aufgestellt und erwarten ihn. Als Klaebo dann seinen Fuß über die Ziellinie schiebt, ist er der Größte überhaupt.

Seit Beginn dieser Winterspiele ist Tesero fest in der Hand norwegischer Athleten und ihrer Fans – jetzt haben sie ihren König. Denn Klaebo hat mit der Staffel sein viertes Langlauf-Gold in Italien gewonnen und damit Historisches geschafft. Mit jetzt insgesamt neun Olympiasiegen steigt er auf zum Rekordsieger bei Winterspielen auf und verdrängt Landsfrau Marit Björgen von der Spitzenposition. Klaebo – der beste Winterolympionike aller Zeiten. „Das ist ein sehr schöner Titel“, befand der 29-Jährige nach dem Zieleinlauf.

Diese historische Chance wollten sich auch Norwegens Kronprinz Haakon und Ministerpräsident Jonas Gahr Störe nicht entgehen lassen, die das Rennen vor Ort mitverfolgten. Zuvor hatte Klaebo in Tesero bereits Gold im Skiathlon, im Sprint sowie im Einzel über zehn Kilometer gewonnen. Zittern musste er im Nachhinein um das Sprintgold, weil das finnische Team gegen die Wertung Protest eingelegt hatte. Dabei ging es um den Einsatz eines Gerätes zum Wachsen der Skier im Servicebereich durch das norwegische Team. Der Protest wurde abgelehnt. 2018 in Südkorea hatte Klaebo bereits drei, 2022 in China zwei Olympiasiege gefeiert.

Und so sieht die ewige Bestenliste mit Stand vom 15. Februar 2026 aus:

  1. Johannes Hösflot Klaebo (Norwegen), Skilanglauf, 2018–2026: 9 – 1 – 1 (10)
  2. Marit Björgen (Norwegen), Skilanglauf, 2002–2018: 8 – 4 – 3 (15)
  3. Ole Einar Björndalen (Norwegen), Biathlon, 1998–2014: 8 – 4 – 2 (14)
  4. Björn Daehlie (Norwegen) Skilanglauf, 1992–1998: 8 – 4 – 0 (12)
  5. Tobias Arlt (Deutschland), Rennrodeln, 2014–2026: 7 – 0 – 1 (8)
  6. Tobias Wendl (Deutschland), Rennrodeln, 2014–2026: 7 – 0 – 1 (8)

Daehlie und Björndalen mit Glückwünschen und Lob

Kurz nach dem Zieleinlauf meldeten sich in den norwegischen Medien sofort zwei Legenden zu Wort. „Herzlichen Glückwunsch, Johannes, du bist der beste Olympionike aller Zeiten! Ich bin beeindruckt und freue mich, wenn ich dich in der Loipe sehe“, sagte Björn Daehlie gegenüber VG. „Ein kleiner Tipp vom Sofa aus: Genieße den Tag! Herzlichen Glückwunsch auch an das gesamte Staffel-Team.“

Und Biathlon-Legende Ole Einar Bjørndalen sagte aus Antholz: „Ich muss ihm eine Nachricht schicken und ihm gratulieren. Er hat es verdient, und ich wünsche mir, dass er noch eine Olympiade durchhält und einen Standard setzt, der vielleicht an Michael Phelps heranreichen kann, aber dafür muss er sich noch etwas anstrengen.“ Schwimmstar Phelps ist mit 23 Goldmedaillen der erfolgreichste Olympionike überhaupt. Insgesamt gewann er 28 olympische Medaillen.

Tränen im Team nach immensem Druck – Platz 2 gilt als Debakel

Die norwegische Staffel war an diesem Sonntag als haushoher Favorit ins Rennen gegangen, die Anspannung aber, so berichtete Klaebo, sei enorm gewesen. Eben wegen dieser Rolle. Und weil die Staffel einen ganz speziellen Platz in den Herzen seiner Landsleute hat. „In Norwegen ist die Staffel sehr wichtig, und bei den Olympischen Spielen in Peking waren wir nicht erfolgreich“, erklärte Klaebo die Nervosität.

„Nicht erfolgreich“ heißt in diesem Fall, dass sie Zweiter wurden. Eine Katastrophe in der Heimat. Schlimmer wäre nur gewesen, hätte Schweden gewonnen, aber zumindest war es die Staffel vom Russischen Olympischen Komitee.

Wie groß der Druck war, sah man im Ziel in Tesero vor allem an Emil Iversen, der in Tränen ausbrach. „Das war ein besonderer Tag für mich. Ich habe es in Peking ruiniert, und seitdem ist jeder Tag die Hölle gewesen – bis jetzt. Das ist ein sehr großer und besonderer Tag für mich“, sagt er dem „Dagbladet“. „Ich denke auch daran, wie viel Gutes Johannes für mich getan hat – er wird sehr gelobt, aber auch zu Recht. Er hat es verdient!“ Die beiden Freunde teilen sich im Weltcup oft ein Zimmer. „Es ist großartig, und wir sind erleichtert“, sagte auch Løwstrøm Nyenget. „Wir sind mit hohen Erwartungen angetreten, und da ist es gut, diese zu erfüllen.“ Mit einem Schmunzeln ergänzte er: „Johannes hat das ja als Hobby.“

Als Zweijähriger mit Langlaufskiern im Wohnzimmer

Es heißt so schön: In Norwegen kommt man mit Langlaufskiern auf die Welt. Auf Klaebo trifft das fast zu. Seine ersten Skier bekam er im Alter von zwei Jahren von seinem Opa. „Mir wurde gesagt, dass ich den ganzen Heiligabend dann mit meinen Skiern im Wohnzimmer herumgelaufen bin“, erzählte er mal. Sein Großvater und die Eltern waren begeisterte Langläufer und nahmen ihn oft mit.

Kåre Hösflot, der Vater seiner Mutter, wurde später sein Trainer – betreut und berät ihn heute noch. Ob als Manager, PR-Berater, Finanz-Verantwortliche, Social-Media-Beauftragte – in irgendeiner Form ist die gesamte Familie integriert und in Tesero auch an der Strecke.

Nicht selten geht Klaebo seinen eigenen Weg abseits des norwegischen Teams, arbeitet oft wochenlang ohne sie in Trainingslagern. All das zahlt sich aus. „Er steht auf dem Ski wie kein anderer“, sagt der deutsche Teamchef Peter Schlickenrieder, der 2002 selbst Olympia-Silber gewann. Er ist von Klaebos Akribie und Leidenschaft begeistert. „Er ist ein planerischer, strukturierter Künstler auf Skiern.“

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