Seifert baut Streamingportal Dyn um – Bundesliga könnte Spiele selbst ausstrahlen
Christian Seifert verändert die Unternehmensstruktur von Dyn und bietet damit auch der Fußball-Bundesliga neue Vermarktungsmöglichkeiten.
Neben dem eigenen Sportstreaming-Portal etabliert der Medien-Manager und ehemalige Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit der Schwestergesellschaft Dyn Media GmbH eine Firma, die für andere fertige TV-Lösungen anbietet. Der kostenpflichtige Sender wird von der Dyn Sport GmbH betrieben, wie das Unternehmen mitteilte. Anteile an Dyn hält unter anderem die Axel Springer SE (zu der auch WELT gehört).
Das könnte unter anderem für die DFL oder für den ebenfalls an Dyn beteiligten Lidl-Betreiber Schwarz Gruppe interessant sein. Beide sind im Sommer vergangenen Jahres als Gesellschafter bei Dyn eingestiegen. Einen ersten externen Kunden für das neue Geschäftsmodell hat Dyn-Gründer Seifert bereits gefunden.
Darum ändert Christian Seifert die Unternehmensstruktur
„Die Anforderungen an Sportplattformen und Technologieanbieter haben sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt“, sagte Seifert. „Die neue Struktur von Dyn folgt dieser Realität und stellt wichtige Weichen für die Zukunft.“
Der Dyn-Vorstandsvorsitzende Andreas Heyden betonte: „Unsere Technologien und Produktionsstandards werden inzwischen über unser eigenes Plattformgeschäft hinaus nachgefragt.“ Vereinfacht ausgedrückt: Die für den eigenen Pay-TV-Sender entwickelte Technik kann Dyn anderen zur Verfügung stellen – und damit Geld verdienen.
Die Idee, dass die DFL Spiele selbst gegen Bezahlung ausstrahlt, ist schon häufiger diskutiert worden. In Frankreich wird das von der französischen Fußball-Liga Ligue1 bereits praktiziert. Allerdings aus der Not heraus, weil Fernseh-Verträge geplatzt waren. Die DFL will selbst keinen eigenen Sender betreiben, hat aber nun andere Optionen bei der TV-Vermarktung – nicht nur für den Notfall.
DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel sagte vor wenigen Wochen beim Kongress SpoBis in Hamburg: „Es gebietet die unternehmerische Verantwortung, auch in Alternativszenarien zu denken, und zwar zu einem Zeitpunkt, bei dem man nicht wie in anderen Ländern, wo eine Ausschreibung nicht funktioniert hat und man auf einmal ein Problem hat, mit dem Rücken zur Wand steht.“
Die Beteiligung an Dyn sichere Zugang „zu einem Unternehmen, das im Zweifelsfall technisch in der Lage wäre, ein Medienprodukt zu erstellen, das aus unserer Sicht eine gute Basis wäre, wenn wir irgendwann mal eine Alternative bräuchten“.
Vor allem im Ausland bleibt der Verkauf der Medienrechte hinter den Erwartungen der Fußball-Bundesliga zurück. Gibt es keine interessierten Sender oder zu wenig Geld, kann die DFL dank Dyn sehr schnell ein eigenes Komplett-Angebot anbieten. Das TV-Signal produziert die Liga ohnehin schon seit Jahren selbst über die von Seifert maßgeblich mit aufgebaute Tochtergesellschaft Sportcast.
Die DFL könnte das neue Dyn-Angebot aber auch national nutzen, ohne einen eigenen Sender aufzubauen. Denkbar wäre ein fertiges Produkt, etwa für das Topspiel, das die Liga bei der nächsten Ausschreibung parallel zum Paket für TV-Sender anbietet und sich an Unternehmen richtet, die bisher nicht im Mediengeschäft tätig sind. Das würde zu neuer Konkurrenz bei der Auktion führen.
Modell von Dyn für Ligen und Verbände
Das neue Geschäftsmodell kann für ganz unterschiedliche Marktteilnehmer interessant sein. Es biete redaktionelle und technologische Lösungen für Ligen, Verbände, Rechtehalter und Medienmarken, heißt es in einer Dyn-Mitteilung. Mit der Icon League gibt es bereits einen ersten Lizenznehmer.
Interessant könnte es auch für die Schwarz-Gruppe sein. Sie ist Dyn-Anteilseigner und hält wie die Axel Springer SE rund 42,5 Prozent. Die Gruppe, zu der die bekannten Handelsmarken Lidl und Kaufland gehören, ist bereits stark im Sport engagiert. Denkbar wären Clips für die eigenen Apps oder sogar eine Art Lidl-TV mit Sportinhalten.
Theoretisch könnten allerdings auch Aldi oder andere Unternehmen zu Sport-Sendern werden. Das Beispiel des US-Händlers Amazon, der in Deutschland über Prime Video Fußballspiele der Champions League überträgt, zeigt die Möglichkeiten.
Was ändert sich für die Dyn-Kunden?
Menschen, die über ein Dyn-Abonnement Sport schauen, müssen sich nicht umstellen. Für sie „ändert sich nichts am Leistungsangebot, an den Inhalten oder an den Zugangskanälen“, heißt es in der Mitteilung. „Die Dyn Sport GmbH führt das gesamte Endkundengeschäft unverändert fort.“
Dyn zeigt derzeit Handball, Basketball, Volleyball, Tischtennis und Hockey - und will auch zukünftig nicht selbst im Fußball aktiv werden.
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