Da zerbrach ein junger Mensch – und im Publikum brachen Herzen
Ilia Malinin trug die Last der Welt auf seinen Schultern, als er am Freitag, dem 13. Februar, aufs Eis ging. Viele Menschen – Experten, Fans, wir Medien – hatten ihm lange vor Beginn der Spiele Gold verliehen. Er stand im grellen Rampenlicht. Mit 21 Jahren. Bei seinen ersten Spielen. Und dann nahm das Unheil mit dem missglückten Axel seinen Lauf. Es waren Sekunden, die aus einem strahlenden, selbstsicheren Superstar einen schmächtigen, gebrochenen Jungen machten. Kollektiver Schockzustand in der Eis-Arena.
Sport ist emotional. Aber Eiskunstlauf ist noch einmal emotionaler. Weil das Wort Kunst schon im Namen steckt, weil die Athleten Geschichten erzählen, fühlen, Musik erlebbar machen. Weil ein Fehler oft gleichbedeutend ist mit einem Sturz. Der Fall, der Absturz ist sinnbildlich wie wörtlich.
Wenn Großes geschieht wie 2018 bei der Jahrhundertkür von Aljona Sawtschenko und Bruno Massot, bei der sich schon mittendrin das Publikum von seinen Plätzen erhob, ist es magisch und berührt das Herz. Letzteres war auch bei Malinins Kür der Fall, nur anders.
Da zerbrach ein junger Mensch
Mit jedem seiner Schritte sah man dabei zu, wie er kämpfte, aber es nicht schaffte. Sich nicht befreien konnte. Das Raunen im Publikum, der laute, aufmunternde Applaus, die Atmosphäre, die sich in Anspannung gewandelt hatte – all das muss ihn zusätzlich belastet haben. So etwas kannte er nicht. Da zerbrach ein junger Mensch – und im Publikum brachen Herzen. Der Schmerz am Ende in seinen Augen, war der Schmerz in Brust und Bauch der Zuschauer. Es tat weh. Und hat mich zutiefst berührt.
Es zeigte, welch immenser Druck auf den Athleten liegt, aber vor allem auf einem jungen Superstar, von dem alle Gold erwarten. Wie zerbrechlich alles ist. Der Support danach für ihn war riesig. Jewgeni Pluschenko und Nathan Chen erlebten einst Ähnliches, wenn auch nicht ganz so fatal. Sie kamen zurück und gewannen vier Jahre später Olympia-Gold. Ihre schlimmste Niederlage hatte sie dazu befähigt. Es ist nicht der einzelne Moment, der uns definiert.
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