Ständige Wiederholungen können nerven, doch sie erfüllen oft genug auch ihren Zweck. „Ich bleibe dabei: Ich schaue in den Rückspiegel“, sagte Niko Kovac. Dabei konnte sich der Trainer von Borussia Dortmund ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er war sich bewusst, dass er dies schon häufig gesagt hatte und seine Zuhörer, die Journalisten und damit indirekt auch die BVB-Fans, diesen Satz nicht mehr hören. Doch den Gefallen, über einen möglichen Meisterschaftskampf zu reden – den tut Kovac niemandem.

Er hat Gründe dafür. Kovac würde, wenn er sich im Hinblick auf das Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag gegen die Bayern (18.30 Uhr/Sky und im WELT-Liveticker) zu einer Kampfansage hinreißen lassen würde, eine gewaltige Erwartungshaltung wecken. Und er würde von dem Ablenken, was für die Zukunft des BVB noch ungleich wichtiger ist. Denn vor dem sogenannten deutschen Klassiker steht seinem Team ein äußerst unangenehmer Gang bevor: zum Rückspiel in den Play-offs der Champions League bei Atalanta Bergamo (18.45 Uhr/DAZN). Es sind die entscheidenden Wochen der Saison.

Denn was die Dortmunder in Norditalien erwartet, könnte – sofern das Kovac-Team nicht darauf eingestellt wäre – alle Träume vom Achtelfinale platzen lassen. Mit 2:0 hatten die Borussen das Hinspiel in der vergangenen Woche gewonnen. Das ist eine solide Basis, aber nicht mehr. „Ein 2:0 ist immer ein gefährliches Ergebnis, wir hätten uns in eine bessere Situation bringen können“, sagte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl und warnte eindringlich, die Bergamasken zu unterschätzen. Atalanta ist in der Serie A in diesem Jahr ungeschlagen. Vier von fünf Heimspielen konnten gewonnen werden – am Sonntag bezwang der Tabellensiebte Neapel, den Dritten, mit 2:1.

Vor allem ist in der kleinen, engen New Balance Arena mit einer Atmosphäre zu rechnen, die durchaus einschüchtern kann. Auffällig ist, dass die Verantwortlichen von Atalanta darauf hinarbeiten, eine solche Stimmung zu kreieren. Luca Percassi, der Vorstandsvorsitzende, hatte bereits vor dem Hinspiel eine Einladung seiner Dortmunder Kollegen zu einem gemeinsamen Mittagessen platzen lassen. Als Grund führte er eine Transfer-Auseinandersetzung an.

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Der BVB hatte sich im Sommer 2024 die Dienste des 17-jährigen Samuele Inácio gesichert, der zuvor zehn Jahre in Bergamo ausgebildet worden war. Das sei nicht in Ordnung gewesen, so Percassi. „Zwischen den Vereinen muss man sich respektieren“, sagte er Sky.

Nach dem Hinspiel hatte es weiteren Unmut gegeben, der den Verdacht nahelegt, dass es sich um eine Inszenierung handeln könnte, um die Stimmung anzuheizen. Trainer Raffaele Palladino schimpfte, die Dortmunder hätten Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt. „Sie haben sich über jede einzelne Szene beschwert“, sagte der Coach. Dies habe er Kovac zu verstehen gegeben – der diese Kritik entschieden zurückwies.

BVB mit großen Personalsorgen in der Defensive

In jedem Fall sollten die Dortmunder gewarnt sein, zumal sie mit unverändert große Personalsorgen in der Defensive haben. Neben Kapitän Emre Can, Niklas Süle und Filippo Mane, die weiterhin ausfallen werden, bangt der BVB auch nach wie vor um Nico Schlotterbeck. „Das müssen wir abwarten“, sagte Kehl. So wie es aussieht, dürfte die Rückkehr des Nationalspielers, wenn überhaupt, eher für Samstag realistisch angepeilt werden können.

Diese Partie wirft trotz Bergamo ihre Schatten voraus – selbst wenn sich der Rückstand der Dortmunder durch das 2:2 bei RB Leipzig am vergangenen Samstag auf acht Punkte vergrößert hat. Bergamo ist ein Schicksalsspiel – der Klassiker eher ein Sehnsuchtsspiel.

Allerdings ist die Bedeutung des Kräftemessens mit dem Bundesliga-Spitzenreiter trotzdem groß. Denn es geht für den Tabellenzweiten auch darum, den Status Quo zu festigen. „Es geht darum, unser Saisonziel zu erreichen. Wir wissen, wo wir in der letzten Saison waren und deshalb wollen wir das, was wir haben, so schnell wie möglich absichern“, erklärte Kovac. Da war er wieder, der Blick in den Rückspiegel.

Tatsächlich sind die Dortmunder, die in der vergangenen Spielzeit erst am letzten Spieltag den Einzug in die Königsklasse geschafft hatten, auf einem guten Weg, sich wieder als Nummer Zwei in Deutschland zu etablieren. Sie haben mittlerweile sechs Zähler Vorsprung auf den Dritten, Hoffenheim. Der Abstand zum Fünften, Leipzig, beträgt sogar elf Punkte. Diese Konstellation ins Ziel zu bringen, sei entscheidend, so Kovac. Was „irgendwann im Mai kommen könnte“ interessiere ihn – im Gegensatz zu vielen Fans – derzeit weniger.

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