Als die Zukunft von Eintracht Frankfurt völlig ungewiss schien, hielt sich Mario Götze bedeckt. Er wisse nicht, wie es für ihn persönlich weitergehen werde, gab der Weltmeister von 2014 Ende Januar zu verstehen. „Der neue Trainer spielt eine wichtige Rolle für den Verein, die Mannschaft und auch für mich. Meine Zukunft steht deshalb im Moment hintan“, sagte er, als er gefragt worden war, ob er auch über den Sommer hinaus bei der Eintracht bleiben wolle. Das klang zumindest nach einem möglichen Abschied. Götzes Vertrag läuft zum Saisonende aus.

Das war am 31. Januar. Die Frankfurter hatten gerade 1:3 gegen Leverkusen verloren. Es war das zweite Bundesligaspiel und das vierte Pflichtspiel nach Dino Toppmöller, der 13 Tage zuvor freigestellt worden war. Was unter dem früheren Trainer schon schlecht war, schien noch schlechter zu werden: Alle vier Partien, bei denen die Mannschaft von den Interimstrainern Dennis Schmitt und Alex Meier gecoacht wurde, gingen verloren, auch die beiden letzten Champions-League-Spiele in Qarabag und gegen Tottenham. Wer will da schon ein Commitment für die Zukunft abgeben.

Mittlerweile sieht das anders aus. Die Saison gestaltet sich für die Hessen zwar unverändert kompliziert, der Rückstand auf die internationalen Plätze ist groß – doch am Sonntag steht bereits die vierte Partie unter der Leitung des neuen Trainers, Albert Riera, an. Es geht gegen den SC Freiburg (17.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). Und es sieht so aus, als ob die Mannschaft, die zu Jahresbeginn hoffnungslos verunsichert war, so langsam wieder Boden unter die Füße bekommt.

Vier Punkte konnten unter Riera erkämpft werden – wobei das 2:3 bei den Bayern zuletzt fast aus der Wertung zu nehmen ist. Aber auch in München und trotz massiver Personalprobleme präsentierten sich die Frankfurter gut. „Es sind Fortschritte zu sehen. Wir haben wieder die Ruhe am Ball und ein gutes Positionsspiel“, sagte Torjäger Jonny Burkardt, der nach dreimonatiger Verletzungspause sein Comeback geben konnte.

Vor allem auf Burkardt ruhen bei Eintracht Frankfurt die Hoffnungen

Es gibt Indizien, dass es wieder in die richtige Richtung geht. Im Gegensatz zu den chaotischen Zeiten zu Jahresbeginn ist wieder Struktur im Spiel, das Defensiverhalten hat sich deutlich verbessert, der Vortrag wird insgesamt wieder mutiger. In München konnte es die Eintracht durch Treffer von Burkardt und Winterzugang Arnaud Kalimuendo sogar noch spannend machen.

Vor allem auf Burkardt ruhen die Hoffnungen, in den kommenden Wochen eine Aufholjagd zu starten. „Jonnys Einstellung ist fantastisch. Er ist ein Stürmer, der alles kann, und er liebt, was er macht“, sagte Riera über den 25-Jährigen, mit dem die Eintracht endlich wieder einen Zielspieler hat. Der Nationalspieler entwickelt nicht nur Torgefahr, er kann auch Bälle halten und ablegen. „Er hat eine unheimliche individuelle Qualität“, lobte Markus Krösche.

Der Sportvorstand der Frankfurter wird besonders erleichtert sein, dass Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist. Denn die Fehlentwicklungen in diesem Spieljahr hatten auch Kritik an ihm lauter werden lassen. Er habe zu lange an Toppmöller festgehalten, hieß es. Schließlich hatte es einen längeren Prozess der Entfremdung zwischen Trainer und Team gegeben – auch weil Toppmöller den Spielern eine zu lange Leine gelassen habe.

Krösche hatte dies selbst bestätigt. „Wenn gewisse Richtlinien zu weit sind, dann ist es menschlich, dass vielleicht die eine oder andere Entwicklung so ist, dass man sich nicht mehr dem Kollektiv unterordnet, sondern irgendwann jeder seinen eigenen Weg geht“, sagte er. Auf dem habe sich eine „Rette-sich-wer-kann-Mentalität“ breitgemacht. Das gab Krösche allerdings erst nach der Trennung von Toppmöller öffentlich zu.

Mit dem neuen Coach setzte der Sportvorstand auf einen ganz anderen Charakter an der Seitenlinie. Riera ist extrem extrovertiert und jemand, der sehr klare Vorstellungen hat. „Albert will mit seiner Art helfen, dass wir wieder in die Erfolgsspur finden. Er geht voran und setzt die Dinge mit Überzeugung um“, sagte Krösche über den Spanier, der bedingungslose Disziplin einfordert.

Reira gibt den Profis einen klaren Orientierungsrahmen vor – und spricht auch sehr gern darüber. Wer sich nicht daran hält, wird das zu spüren bekommen, kündigte er an. „Du willst Regeln verletzen? Du willst zu spät kommen? Kein Problem, dann machst du einen anderen Job und das war’s. Gelöst“, erklärte er und ließ durchblicken, dass er sich sonst drakonische Strafen einfallen lassen werde. „Ich denke, es ist besser, Regeln einzuhalten und auch pünktlich zu sein.“

Die drastische und bildhafte Ausdrucksweise („Ich werde sagen: Springt von diesem Balkon! Und sie werden springen“) wirkt im modernen Fußball wie aus der Zeit gefallen. Ex-Bundesligaprofi Martin Harnick bezeichnete Riera, der bei seiner offiziellen Vorstellung ein regelrechtes Sprüchefeuerwerk abbrannte, als „von einem anderen Stern“. Er würde ihn deshalb gern „sang- und klanglos untergehen“ sehen. Riera selbst stört das wenig. „Das sind Meinungen, das kümmert mich nicht. Ich weiß, was ich will“, sagte er.

Das ist vor allem: eine Neuausrichtung der Eintracht, die in dieser Saison von ihrem Weg abgekommen war. Und bei diesem Unterfangen scheint der 43-Jährige bereits ein Stück vorangekommen zu sein. Die Mannschaft spielt wieder klarer, wirkt entschlossener. Riera kann offenbar nicht nur Sprüche klopfen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen – was möglicherweise aber auch ein wenig geholfen hat.

Das dürfte auch Mario Götze registriert haben. Seine Überlegungen in Bezug auf die eigene Zukunft können beginnen. Für die Eintracht ist der mittlerweile 33-Jährige auch im vierten Jahr ein wichtiger Anker. Und seit Riera da ist, spielt er auch wieder regelmäßig.

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