Farce statt großer Show: Paralympische Winterspiele sind eröffnet
Ein Boykott, vorgefertigte Video-Schnipsel und nur knapp die Hälfte der Nationen vor Ort: Die 14. Paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo sind nach einer kühlen und politisch aufgeladen wirkenden Show eröffnet. Angesichts des beklemmenden Eindrucks der Rückkehr der russischen Nationalfarben in den Weltsport verkam die große Jubiläumsfeier zu einer Farce, auch eine bunte, mit Elektro-Beats unterlegte Zeremonie ließ den Funken im legendären Amphitheater von Verona nicht überspringen.
Nur 28 der insgesamt 55 teilnehmenden Nationen waren gekommen. Viele Plätze in der Arena waren leer, als der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella die Spiele um 21.19 Uhr offiziell eröffnete und die traditionelle Begrüßungsformel sprach. 25 Minuten später entzündeten die italienischen Para-Vorbilder Francesca Porcellato in Cortina und Gianmaria Dal Maistro in Mailand die beiden Paralympischen Feuer.
Großer Applaus für ukrainische Fahne
Die russische Fahne wurde an Position 44 unter vereinzelten Buhrufen von einem Freiwilligen zurück auf die große Sportbühne getragen. Wenig später folgte entgegen des ausdrücklichen Wunsches, sie nicht ins Stadion zu bringen, auch die ukrainische Flagge. Von den Zuschauern gab es großen Applaus. Deutschland und zahlreiche andere Nationen verzichteten aus Solidarität zur Ukraine auf einen Besuch.
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geo"Vor vier Jahren habe ich gesagt, ich sei entsetzt über das, was in der Welt geschieht", sagte IPC-Präsident Andrew Parsons in seiner Rede: "In einer Welt, in der manche Länder eher unter den Namen ihrer Staatschefs bekannt sind, ziehe ich es vor, Länder unter den Namen ihrer Sportler zu kennen."
Sieben Länder, darunter die Ukraine und die baltischen Staaten, blieben aus Protest gegen die Aufhebung der russischen und belarussischen Suspendierung der Veranstaltung fern. Andere Länder wie Deutschland begründeten ihre Entscheidung offiziell mit den weiten Wegen zwischen den Austragungsorten und Verona und den am Samstag startenden Wettbewerben. Auch Sportministerin Christiane Schenderlein sagte ihren Besuch ab.
Deutsche Fahne im Video-Einspieler
Anstatt beim üblichen Einmarsch schwenkten Monoskifahrerin Anna-Lena Forster und Eishockey-Routinier Jörg Wedde an Stelle 22 ihre Fahnen in wenige Sekunden langen Einspielern, die bereits am vergangenen Dienstag in den jeweiligen Austragungsorten aufgenommen worden waren. Mehrere Länder verzichteten gänzlich auf eine Videoaufnahme.
Die Fackel war zehn Tage vor der Eröffnungsfeier im britischen Stoke Mandeville, dem Ort des Ursprungs der Spiele für Menschen mit Behinderung, entzündet worden. Insgesamt 501 Menschen trugen sie nach Verona, darunter auch DBS-Ehrenpräsident Friedhelm Julius Beucher, Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm und der langjährige Verbandssportdirektor Frank-Thomas Hartleb, denen die Ehre am Freitagnachmittag auf der römischen Brücke Ponte Nuovo zuteil wurde.
Forster verfolgte die Eröffnungsfeier im Deutschen Haus in Cortina vor dem Fernseher, wie die anderen der insgesamt 40 Athletinnen und Athleten sowie acht Guides des Team D in den weiteren Austragungsorten in Mailand und Tesero. Aus Platzgründen waren ohnehin nur je zwei Athleten und Offizielle zur Eröffnung vor Ort zugelassen. Die Fahnen der Nationen wurden zu den Klängen der italienischen EDM-Band Meduza von Volunteers getragen.
Winterspiele stehen im Zeichen der Rekorde
Dabei stehen die Spiele zum 50. Jubiläum der Winter-Paralympics nach der Premiere 1976 im schwedischen Örnsköldsvik im Zeichen der Rekorde. Bis zum 15. März stehen insgesamt 79 Entscheidungen in sechs Sportarten an, 611 teilnehmende Sportlerinnen und Sportler aus 55 Nationen überbieten die vorige Bestmarke von 564 Teilnehmern aus 48 Ländern von Pyeongchang 2018 deutlich.
Unter ihnen sind sechs Russen und vier Belarussen, die Wildcards erhalten haben und deren Folge eine riesige, sportpolitische Debatte war. Iran sagte seine Teilnahme kurzfristig ab, nachdem für den einzigen Starter, Skilangläufer Aboulfazl Khatibi Mianaei, angesichts des Kriegs in Nahost keine sichere Anreise gewährleistet werden konnte.
SID tis- Winterspiel
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