Die erstaunliche Verwundbarkeit der vermeintlichen Übermacht
Am deutlichsten ging die englische Presse mit Manchester City ins Gericht. Die Mannschaft von Pep Guardiola sei „in Stücke gerissen“ worden, schrieb der „Telegraph“. Der „Guardian“ befand, City sei von Real Madrid „vernichtet“ worden, Trainer Guardiola „als taktischer Neuling bloßgestellt“ worden.
Tatsächlich war die 0:3-Pleite im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals eine böse Abreibung. Zumal sie noch hätte höher ausfallen können. Nach dem Hattrick von Federico Valverde in der ersten Halbzeit verschoss Vinicius Junior in Durchgang zwei noch einen Elfmeter (57. Minute). Ein 0:4 wäre verdient gewesen, ein noch höheres Ergebnis im Bereich des Möglichen.
Dabei ist schon das 0:3 eine Seltenheit in Guardiolas Karriere. Erst zwei weitere Male verlor er im Hinspiel einer K.-o.-Runde so hoch – in der Saison 2014/15 in Diensten des FC Bayern gegen den FC Barcelona und in der Saison 2017/18 mit City gegen den FC Liverpool. Jeweils schied Guardiola aus. Es überrascht daher, dass sich der Spanier entspannt gab. „Es ist, wie es ist. Ich hatte das Gefühl, dass wir besser waren als das Ergebnis. Jetzt ist es an der Zeit, sich zu erholen“, sagte er im Anschluss an das Spiel im Bernabéu. „Im Fußball weiß man nie. Wir werden es versuchen.“
Für Gelassenheit gibt es bei den englischen Klubs in der Champions League auch in der Breite keinen Anlass mehr. Sechs Vereine stellt die vermeintliche Übermacht des europäischen Fußballs im Achtelfinale. Keiner hat sein Hinspiel gewinnen können. Die BBC schrieb daher von „24 Stunden, in denen der selbsternannte Ruf der Premier League als beste Liga der Welt schweren Schaden nahm“.
Dabei erstaunen weniger die bloßen Niederlagen, als die Art und Weise, wie sich die englischen Starensembles präsentierten. Mit Chelsea (2:5 bei Paris St. Germain) und Manchester City verloren erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Europapokals am selben Tag zwei englische Teams mit drei oder mehr Toren Unterschied. Zählt man das Ergebnis von Tottenham (2:5 bei Atlético Madrid) am Dienstag hinzu, befindet sich die Hälfte der noch im Wettbewerb befindlichen Klubs vor dem Rückspiel in einer nahezu aussichtslosen Situation.
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Schwachstelle im Hinspiel waren dabei zunächst einmal die Torhüter. Sowohl Tottenhams Antonin Kinsky als auch Chelseas Filip Jörgensen patzten schwer. Aber auch die Abwehrreihen als Gesamtgebilde präsentierten sich anfällig.
„Wenn man sich das Defizit ansieht, das City und Chelsea zu Hause aufholen müssen, dann glauben sie zwar daran, dass sie es schaffen können. Ich denke, dass der Rückstand viel zu groß ist“, gab Ex-Premier-League-Profi Nedum Onuoha (u.a. Manchester City) der BBC dann auch eine eher ernüchternde Prognose für die Rückspiele in der kommenden Woche.
Liverpool wackelt, Arsenal von spätem Elfmeter gerettet
Auch die weiteren Premier-League-Klubs, deren Ergebnis nicht ganz so schlecht ausgefallen ist, wackelten. Liverpool verlor schon zum zweiten Mal in dieser Champions-League-Saison bei Galatasaray und präsentierte sich dabei höchstens in den ersten zehn Minuten des Spiels als bessere Mannschaft. O:1 hieß es am Ende aus Sicht der Briten.
Einem träge auftretenden Arsenal wurde durch einen schmeichelhaften Elfmeter noch zu einem 1:1 in Leverkusen verholfen. Und Newcastle vergab eine gute Ausgangslage gegen Barcelona durch einen in der Nachspielzeit produzierten Strafstoß noch – das Ergebnis vor dem Rückspiel lautet ebenfalls 1:1.
Dominanz im Vergleich mit den Teams aus Deutschland, Frankreich, Spanien und der Türkei sieht anders aus. Auf den Punkt brachte es der ehemalige englische Nationalkeeper Paul Robinson: „Wir haben über die englischen Mannschaften und ihre Dominanz in Europa gesprochen. Sehen Sie sich nur an, wie leicht sie sich qualifiziert haben, auch in der Europa League und der Conference League. Aber in der Champions League hat keine einzige englische Mannschaft gewonnen“, sagte er der BBC.
Bestätigt sehen dürften sich die Bundesliga-Bosse, allen voran Bayerns Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. Der hatte zuletzt zurückhaltend zur vermeintlichen englischen Vormachtstellung geäußert: „In der Breite ist England total präsent, aber in der Spitze haben die Engländer in den letzten sechs Jahren lediglich zweimal die Champions League gewonnen. Sie waren auch nur dreimal im Finale.“ Präsentieren sich die englischen Klubs in der kommenden Woche nicht deutlich verbessert, wird kein Finalist hinzukommen.
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