Solch klare Worte waren bei Borussia Dortmund in den vergangenen Jahren nicht häufig zu hören. „Ich bin nicht gekommen, weil ich nicht daran glaube, dass wir Meister werden können. Wir können das schaffen“, sagte Niklas Süle und fügte dann ein persönliches Versprechen an. Er sei auch zum BVB gewechselt, um auf diesem Weg „voranzugehen“.

Das war im Sommer 2022. Die Verpflichtung von Süle, der ablösefrei vom FC Bayern gekommen war, wurde als Scoop gefeiert. Den Bayern einen Spieler wegzuschnappen, noch dazu einen aktuellen Nationalspieler – das war besonders. Sebastian Kehl, der BVB-Sportdirektor, erzählte, wie ihm sein damaliger Münchener Kollege Hasan Salihamidžić gratuliert habe.

Vier Jahre später wird das Kapitel Süle in Dortmund zugeschlagen. Am Freitag verkündete Sport-Geschäftsführer Lars Ricken, dass der zum Saisonende auslaufende Vertrag mit Süle, mittlerweile 30, nicht verlängert wird. Auch Salih Özcan (28), der ebenfalls vor vier Jahren gekommen war, kann gehen. „Wir haben in dieser Woche mit beiden sehr offene und wertschätzende Gespräche geführt. Am Ende haben wir uns darauf verständigt, getrennte Wege zu gehen“, sagte Ricken gegenüber den „Ruhr Nachrichten“. Eine Woche zuvor hatte er bereits bekannt gegeben, dass Julian Brandt, dessen Kontakt ebenfalls endet, den Klub verlassen wird.

Ricken und Kehl ergreifen die Gelegenheit, um einen Umbruch einzuleiten. Der Kader soll im Hinblick auf die Zukunft stark verändert werden – und dafür wird finanzieller Spielraum benötigt. Auch für den verletzten Kapitän Emre Can wird keine Ausnahme gemacht. Mit ihm laufen zwar Gespräche über eine Verlängerung. Doch sein neuer Vertrag dürfte deutlich leistungsbezogener sein.

Vor diesem Hintergrund ist aber vor allem die Entscheidung in der Causa Süle zu sehen. Der Innenverteidiger zählt mit jährlichen Verdienstmöglichkeiten von bis zu 14 Millionen Euro zu den Großverdienern. Sein sportlicher Wert korrespondierte damit jedoch immer weniger. Kam er in seiner ersten Saison noch auf 29 Bundesligaspiele, waren es in der Spielzeit 2024/25 nur noch 15. Aktuell steht Süle bei gerade mal neun Spielen und 443 Einsatzminuten. Er wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen.

Süle hatte mehrfach mit Gewichtsproblemen zu kämpfen

Es ist allerdings auch eine Grundsatzentscheidung. Süle steht in der Wahrnehmung vieler auch für nicht ausreichenden Ehrgeiz. Er hatte mehrfach mit Gewichtsproblemen zu kämpfen, die, wie er selbst einräumte, auch mentale Ursachen hatten. Sein Fall hat eine persönliche Tragik – denn sein enormes Potenzial ist unstrittig. Er sei, wenn er fit ist, „ein Spieler für die Weltmeisterschaft“, hatte BVB-Trainer Niko Kovač vor einem Jahr gesagt. Davon ist der geborene Frankfurter allerdings weit entfernt.

Die Dortmunder Botschaft lautet: kein „Weiter so!“ Der Kader soll dynamisiert und verjüngt werden. Mit Kaua Prates wurde bereits ein 18-jähriger brasilianischer Linksverteidiger verpflichtet. Mit Justin Lerma kommt ein ecuadorianischer Mittelfeldspieler, derzeit noch 17. Weitere Transferbewegungen werden folgen – spätestens wenn Klarheit über die Zukunft von Nico Schlotterbeck herrschen wird.

Der BVB will sein Profil als Ausbildungsverein für internationale Toptalente wieder schärfen – so wie es Carsten Cramer, der neue Sprecher der Geschäftsführung, zu Jahresbeginn gegenüber WELT AM SONNTAG angekündigt hatte. „Früher waren wir im Kampf um Top-Talente vielleicht einer von zwei oder drei Vereinen, mittlerweile ist dies ein Geschäftsmodell von vielen. Wir müssen schneller sein, wacher sein und noch ambitionierter werden“, hatte er erklärt. Die Umsetzung der strategischen Neuausrichtung hat begonnen.

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