Der Ärger beim FC Bayern ist an diesem Wochenende enorm. Es geht um die strittigen Entscheidungen beim 1:1 des deutschen Fußball-Rekordmeisters im Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen am vergangenen Samstagnachmittag. Vor allem Uli Hoeneß tobt. „Die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel gesehen habe“, sagte der 74-jährige Ehrenpräsident des Klubs wegen des Schwalben-Platzverweises von Luis Díaz und des nicht anerkannten Tores von Harry Kane.

Vereinspräsident Herbert Hainer legt gegenüber „Bild“ nach: „Normalerweise kommentiere ich Schiedsrichter nicht, aber dieses Mal hatte er einen gebrauchten Tag. In Bayern sagt man zu sowas: ‚Satz mit x, das war wohl nix‘. Dass er nach dem Spiel zugesteht, er würde nach Ansicht der Fernsehbilder Luis Díaz keine Gelb-Rote Karte geben, ist aller Ehren wert – hilft uns und ‚Lucho‘ aber nichts.“

Knut Kircher, der Schiedsrichter-Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), erklärt nun die zwei brisanten Szenen.

Das sind die strittigen Szenen

61. Spielminute: 47 Sekunden nach seiner Einwechslung blockt Harry Kane den Ball mit dem Ellenbogen, bevor er kurz danach sein Tor erzielt. Schiedsrichter Christian Dingert entscheidet nach Ansicht der Fernsehbilder: Handspiel.

Kircher sagte dazu: „Das war in der Tat knifflig. Christian Dingert hat sich die Szene ja zu Recht noch mal angeschaut und kam zu dem Schluss, dass Kane die Trefferfläche vergrößert hat. Damit war es ein Handspiel.“ Heißt. Graubereich.

84. Minute: Díaz stürzt nach einem leichten Kontakt mit Leverkusen-Torwart Blaswich. Der Kolumbianer hatte unübersehbar das Ziel, einen Elfmeter herauszuholen. Ihm gelang es dabei, einen Körperkontakt mit seinem Gegner herzustellen.

Dennoch bekam Dingert für seine Entscheidung moralischen Beistand. Etwa von Ex-Schiedsrichter-Experte Manuel Gräfe („Er will täuschen“) oder von Sky-Experte Dietmar Hamann: „Für mich ist diese Entscheidung absolut nachvollziehbar, denn in den letzten Monaten und Jahren hat sich dieses Fallenlassen und das Elfmeterprovozieren wieder eingeschlichen. Es war daher dringend an der Zeit, dass es mal unterbunden wird und auch mit einer Verwarnung bzw. einem Platzverweis geahndet wurde. Ich bin da voll beim Schiedsrichter.“

Die Bayern aber toben. Dingert gab einen Fehler nach dem Spiel zu. Schiedsrichter-Boss Kircher sagte: „Die gelb-rote Karte für Díaz war leider nicht richtig, auch wenn es aus dem Blickwinkel des Schiedsrichters nach einer Schwalbe aussah. Christian Dingert hat ja richtigerweise die falsche Einschätzung eingeräumt.“

Was sagt Kircher zur Hoeneß-Wut? War es die schlechteste Schiedsrichterleistung?Kircher: „Uli Hoeneß hat so viele Bundesligaspiele gesehen. Wenn er das so sagt, ist es seine Meinung. Da werde ich ihm weder Recht geben noch widersprechen.“

„Ich schätze ihn für seine offene Art“

Kircher kenne Hoeneß aus seiner aktiven Schiedsrichter-Zeit (244 Bundesliga-Spiele): „Wenn er nach einem Spiel in die Kabine kam, konnte er einem klar sagen, was er gut fand und was schlecht. Ich schätze ihn für seine offene Art.“

Auch Schiedsrichtersprecher Alexander Feuerherdt, Kommunikationschef der Schiri GmbH, äußerte sich am Wochenende zur Kritik von Hoeneß. Er sagte der „AZ“: „Vor allem die spielrelevanten Entscheidungen waren korrekt oder zumindest vertretbar – mit Ausnahme der gelb-roten Karte, wie Schiedsrichter Christian Dingert ja auch selbst eingeräumt hat.“

Feuerherdt sagte zudem: „Vielleicht hat es die Meinung von Uli Hoeneß beeinflusst, dass die Mehrheit dieser spielrelevanten Entscheidungen gegen den FC Bayern getroffen wurde. Aber wir sprechen hier ja keineswegs von skandalträchtigen Fehlern.“

Simon Rolfes, Leverkusens Geschäftsführer Sport, machte im „Doppelpass“ auf „Sport1“ am Sonntagvormittag deutlich, dass es für ihn in der Kane-Szene Handspiel gewesen sei. Stefan Effenberg hingegen betonte in dem Fußball-Talk, dass er das Spiel hätte weiterlaufen lassen. Rolfes wies zudem darauf hin, dass Luis Díaz in der Partie wegen eines hohen Beines mehr als eine Gelbe Karte hätte bekommen können.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke