„Nicht würdig“ – Hamann poltert gegen den klagenden FC Bayern
Früher Sonntagabend war es, in der Bundesliga gastierte der 1. FC Union beim SC Freiburg, als parallel die Fußballdebatte „Sky90“ startete – und mit einer Nachricht überraschte. Die Bayern hätten Einspruch gegen die Gelb-Rot-Sperre für Luis Díaz Einspruch eingelegt.
Der Kolumbianer hatte am Tag zuvor in der Partie bei Bayer Leverkusen (1:1) in der 84. Minute bei Leverkusens Keeper Janis Blaswich eingefädelt, um einen Strafstoß herauszuholen. Dass der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Christian Dingert ausblieb, konnten die Bayern zwar nachvollziehen. Dass der Referee Díaz aber wegen einer Schwalbe dessen zweite Verwarnung zeigte und ihn vom Platz stellte, sorgte für Zorn.
Der Einspruch des deutschen Rekordmeisters wiederum erntete Unverständnis in der Talkrunde. „Das ist doch eines Weltvereins nicht würdig. So eine Reaktion nach einem Spiel, in dem der Schiedsrichter ein gutes Spiel gepfiffen hat“, kritisierte Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann. Was den 52-Jährigen besonders stört: Bayern lasse außen vor, dass sie in jüngerer Vergangenheit auch schon selbst von strittigen Schiedsrichterentscheidungen profitierten. Etwa beim 5:1 gegen die TSG 1899 Hoffenheim Anfang Februar, als Schiedsrichter Tobias Stieler das Einsteigen von Hoffenheims Verteidiger Kevin Akpoguma gegen Diaz im Strafraum neben einem Elfmeter für den FCB auch noch mit Rot bestrafte – und das Topspiel damit frühzeitig vorentschied, anstatt Fingerspitzengefühl walten zu lassen.
Bayern sehen sich grundlegend benachteiligt
„Gegen Hoffenheim hat dies das Spiel entschieden. Davon sagen sie in ihrem Statement nichts. Und ein Weltverein legt Protest ein gegen eine Gelb-Rote Karte, wo der Spieler versucht, einen Elfmeter zu schinden“, ergänzte Hamann weiter. Er führte als weiteres Beispiel für eine Bevorteilung der Bayern die umstrittene Rote Karte gegen Borussia Mönchengladbachs Rocco Reitz beim 4:1 des FCB Anfang März an, als Reitz' Halten gegen den Münchner Angreifer Nicolas Jackson in einem ähnlichen Fall wie bei Hoffenheims Akpoguma als Notbremse gewertet wurde.
Bleibt es bei der Sperre, fehlt Díaz Samstag gegen Union Berlin. „Wir betrachten die Entwicklung der letzten Wochen mit Sorge. Die Leistung in Leverkusen war der Höhepunkt einer Phase, in der wir immer wieder mit fragwürdigen Entscheidungen konfrontiert waren. Ob beim HSV, in Dortmund oder in Leverkusen – es gab eben immer wieder strittige Szenen, die oft gegen uns liefen“, sagte Bayerns Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen zu dem Einspruch: „Der DFB ist gefordert, das Niveau der Leistungen seiner Schiedsrichter zu verbessern. Dass Christian Dingert seinen Fehler eingesteht, ist ehrenwert, aber das allein hilft uns nicht.“
Was Dreesen in seiner Anklage nicht erwähnt, ist der Fakt, dass Díaz in der Szene, die zur ersten Gelben Karte führte, auch hätte Rot sehen können. Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe sagte dazu: „Wenn man auf zwei Meter Höhe den Ball mit dem Fuß spielen will und dann den Gegner frontal mit den Stollen nach vorne am Kopf trifft, dann ist das eigentlich eine Rote Karte. Das ist gesundheitsgefährdend.“
Neben Hamann kritisierte auch der ehemalige Bundesliga-Trainer Friedhelm Funkel die Bayern für ihren Einspruch.
„Fakt ist, mit dem Einspruch werden die Bayern überhaupt keinen Erfolg haben. Warum sie das machen, weiß ich nicht“, sagte Funkel: „Sie sprechen nur aus ihrer Sicht, dass sie benachteiligt worden sind, und nicht davon, dass andere Vereine auch benachteiligt werden. Man muss dazu sagen, dass der FC Bayern in den letzten Wochen auch Schiedsrichterentscheidungen bekommen hat, die sie bevorteilt haben.“
Schiedsrichter Dingert selbst sprach nach dem Spiel davon, dass nach Ansicht der TV-Bilder die Gelbe Karte zu hart gewesen sei: „Wenn ich jetzt die Bilder sehe, ist es kein Elfmeter, das ist mal klar. Gelb-Rot ist sehr hart, das würde ich jetzt nicht mehr so geben.“ Auch Knut Kircher, Chef der deutschen Schiedsrichter, hatte eingeräumt, dass die Gelb-Rote Karte für Diaz nicht richtig gewesen sei, „auch wenn es aus dem Blickwinkel des Schiedsrichters nach einer Schwalbe aussah. Christian Dingert hat ja richtigerweise die falsche Einschätzung eingeräumt“.
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