Es war ein bewegter Abend beim FC Barcelona. Zunächst fertigte das Team der Katalanen den FC Sevilla ab. Dank Dreifach-Torschütze Raphinha führt die Mannschaft in der spanischen Fußball-Meisterschaft wieder mit vier Punkten vor Real Madrid.

Beim 5:2 (3:1) gegen Sevilla war der brasilianische Offensivspieler am 28. Liga-Spieltag der überragende Akteur. Kurz nach Mitternacht gab der Verein dann bekannt, dass Joan Laporta nach einem Mitglieder-Votum für weitere fünf Jahre als Präsident des FC Barcelona wiedergewählt sei.

Sein einziger Konkurrent, Víctor Font, hatte zuvor seine Niederlage eingestanden und Laporta „zu seinem unbestreitbaren Sieg“ gratuliert. Barcelona teilte mit, dass Laporta 68 Prozent der Stimmen erhalten habe. Der Verein gab an, dass mehr als 48.000 der 114.000 Barça-Mitglieder ihre Stimme im Camp-Nou-Stadion oder an vier weiteren Wahllokalen in Katalonien im Nordosten Spaniens sowie in Andorra abgegeben hätten.

Ter Stegen nicht im Wählerverzeichnis

Das hatte auch der deutsche Nationaltorwart Marc-André ter Stegen im Sinn. Er war im Wahllokal vorstellig geworden, umringt von Kameras, und hatte am Sonder-Schalter für prominente Vereinsmitglieder seine Wahlunterlagen angefordert – doch die bekam er nicht. Der 33-Jährige steht trotz seiner Leihe zum FC Girona noch immer bei Barcelona unter Vertrag und wäre daher an sich auch stimmberechtigtes Vereinsmitglied.

Spanischen Medienberichten zufolge stand der Name des derzeit verletzten Torwarts jedoch nicht im offiziellen Wählerverzeichnis. Angeblich seien die Mitgliedsdaten ter Stegens, der seit zwölf Jahren unter Vertrag steht und 423 Mal für den Klub auf dem Platz stand, nicht mehr aktuell gewesen. Erst musste er minutenlang warten, während Mitarbeiter des Klubs hektisch nach einer Lösung suchten. Dann wurde er nach draußen geführt und musste das Wahllokal im Camp Nou unverrichteter Dinge wieder verlassen. Es war demütigend.

Wahlsieger Laporta war Anfang Februar zurückgetreten. Laut Satzung müssen sich Verwaltungsräte, die ihr Amt fortführen wollen, alle fünf Jahre zur Wiederwahl stellen lassen. Deshalb musste der Jurist und Politiker zwischen dem 9. und 22. Februar offiziell zurücktreten; Rafa Yuste, bis dato Vizepräsident und Laporta-Vertrauter, übernahm die Verantwortung und wird dem Klub auch weiterhin bis Saisonende vorstehen. Dann kommt Laporta zurück.

Er leitete Barça von 2003 bis 2010 erfolgreich durch die Glanzjahre von Trainer Pep Guardiola und dem jungen Lionel Messi. Er wurde 2021 wieder in sein Amt gewählt, als sich der Verein nach den verschwenderischen Ausgaben für Spieler unter Präsident Josep Bartomeu und den finanziellen Einbußen durch die Covid-19-Pandemie in einer desolaten wirtschaftlichen Lage befand.

Barcelona hat über zwei Milliarden Euro Schulden

Laporta reagierte auf die Krise mit der Entscheidung, dass sich Barcelona Messi nicht mehr leisten könne – der daraufhin zu Paris St. Germain wechselte – und verkaufte einige Vermögenswerte des Vereins, darunter 25 Prozent der TV-Rechte für die spanische Liga für die nächsten 25 Jahre. Die Schulden des Vereins sind unter ihm jedoch gestiegen und haben sich von 1,3 Milliarden auf über zwei Milliarden Euro gesteigert.

Das Wahlkampfteam von Konkurrent Font versuchte, Laporta als verantwortungslosen Manager darzustellen, der die Zukunft des Vereins ruiniert habe. Doch Laporta überzeugte mehr Vereinsmitglieder mit seiner Botschaft, er habe den Verein vor dem Ruin bewahrt und benötige nun eine weitere Amtszeit, um diese Arbeit zu vollenden. Ihm kam die starke Leistung der Mannschaft unter Trainer Hans-Dieter Flick sowie der Durchbruch des neuen Starspielers Lamine Yamal zugute.

Er verteidigte seine Finanzpolitik, indem er hervorhob, dass der Verein seine Ausgaben für Spielergehälter gesenkt und seine Einnahmen gesteigert habe. Im Zuge der Kostenreduzierung musste auch ter Stegen gehen. Der Anstieg der Schulden sei der Darstellung Laportas zufolge zudem teilweise auf die längst überfällige Renovierung des Camp Nou, des größten Fußballstadions Europas, zurückzuführen, das nach seiner Fertigstellung in den kommenden Monaten die Einnahmen steigern werde.

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