Einigung mit dem BVB? Schlotterbecks ungewöhnliches Dementi
Diese Klarstellung war Nico Schlotterbeck wichtig – auch auf die Gefahr hin, sich damit bei den Fans von Borussia Dortmund nicht gerade beliebt zu machen. Doch es stimme einfach nicht, dass er sich mit dem BVB auf eine Vertragsverlängerung geeinigt habe.
„Ich sage ganz ehrlich, dass ich das klar dementieren muss. So weit sind wir noch nicht. Ich bin sehr überrascht über die Berichterstattung, dass die Unterschrift kurz bevorsteht“, sagte der Nationalspieler nach Deutschlands 2:1 (1:0) über Ghana im Testspiel in Stuttgart am vergangenen Montagabend.
Damit nahm Schlotterbeck Bezug auf einen Bericht von Sky, in dem eben dieses vermeldet worden war: dass der Vollzug der vorzeitigen Verlängerung seines noch bis 2027 gültigen Vertrages unmittelbar bevorstehe.
Auch über Details war berichtet worden: Der Innenverteidiger werde sich bis Sommer 2031 binden und mit einem Jahresgehalt von rund 14 Millionen Euro zum BVB-Spitzenverdiener aufsteigen. Zudem solle der Vertrag mit einer ab 2027 greifenden Ausstiegsklausel versehen werden.
Davon, so Schlotterbeck, könne derzeit jedoch (noch) keine Rede sein. Es stimme zwar, dass er „sehr wahrscheinlich in den nächsten Tagen“ eine Entscheidung über seine Zukunft getroffen hätte – doch durch interne Vorgänge beim BVB hätte sich eine neue Lage ergeben.
Hintergrund ist die Trennung zwischen dem BVB und Sportdirektor Sebastian Kehl. Kehl hatte den Bundesligazweiten am 22. März verlassen – bereits tags darauf wurde Ole Book als dessen Nachfolger bekanntgegeben. Das, betonte Schlotterbeck, habe Auswirkungen.
Nico Schlotterbeck: „Lange mit Sebastian verhandelt“
„Ich habe lange mit Sebastian verhandelt. Er ist jetzt nicht mehr da. Jetzt hat sich die Situation schon ein bisschen verändert. Da muss ich jetzt einfach schauen. Ich werde jetzt mit Ole Gespräche führen. Aber es ist jetzt auf jeden Fall nicht so weit, dass wir über ‚kurz vor der Verlängerung‘ schreiben können“, betonte der 26-Jährige. Das sei zwar „auch blöd für die BVB-Fans, aber das ist jetzt keine einfache Situation für mich.“
Damit, so scheint es, wird der Vertragspoker, der sich bereits über Monate hinzieht, noch weitere Wochen andauern. Kehl und BVB-Sportdirektor Lars Ricken hatten zuletzt in mehreren Verhandlungsrunden tatsächlich Konditionen für eine Verlängerung besprochen. Eine finale Einigung war jedoch noch nicht erzielt worden, das bestätigte Ricken am Dienstagvormittag auch noch einmal. „Wir haben weder einen Durchbruch noch eine Einigung bestätigt, daher hat uns eher die jüngste Berichterstattung überrascht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und zeigte Verständnis für Schlotterbecks Aussagen.
Der neue Mann Book hatte am vergangenen Mittwoch verraten, dass er sich schriftlich bei Schlotterbeck gemeldet habe und er zeitnah mit ihm telefonieren wolle. „An unserer Grundhaltung, ihn langfristig an den BVB zu binden, hat sich nichts geändert. Daran arbeiten wir weiter“, ergänzte Ricken jetzt.
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In jedem Fall hat Schlotterbeck, von dem es heißt, dass er nach wie vor auch auf Angebote von internationalen Topklubs warte, deutlich gemacht, dass er den Abgang von Kehl in Dortmund bedauert. Mit dem früheren Nationalspieler verbindet ihn ein Vertrauensverhältnis.
Für den BVB könnte dadurch eine schwierige Lage entstehen. Denn die Entscheidung über Schlotterbecks Zukunft drängt. Mehrfach hatten die Dortmunder und vor allem Trainer Niko Kovač in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, dass sie sich eine zeitnahe Klärung wünschen – zumal sich der Verein nach einer Alternative umschauen müsste, sollte sich Schlotterbeck gegen eine Verlängerung entscheiden. In diesem Fall soll der Abwehrspieler, der im Sommer 2022 vom SC Freiburg gekommen war, verkauft werden, um Ablöse zu generieren.
Nico Schlotterbeck (l.) im Zweikampf mit Ghanas Alexander DjikuDoch von Klarheit sind die Dortmunder noch weit entfernt. Das hat Schlotterbeck an diesem besonderen Montagabend in Stuttgart ungewöhnlich deutlich gemacht.
Oliver Müller ist Fußball-Reporter. Er berichtet seit vielen Jahren für WELT über Borussia Dortmund und ist zudem Podcaster.
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