Die glanzvollen 1970er- und 80er-Jahre mit Vereinsikone Heiner Brand brachten dem VfL Gummersbach Ruhm und Anerkennung weit über die Grenzen des Oberbergischen hinaus. Nun, rund ein halbes Jahrhundert später, steht der Handball-Bundesligist womöglich am Anfang einer neuen Erfolgsära.

Der 39:30-Sieg am Donnerstag im Derby beim Bergischen HC war der neunte Erfolg in Serie für den mit deutschen Nationalspielern gespickten Kader. Gummersbach hat sich in der Spitzengruppe der Bundesliga etabliert und könnte sich erstmals seit fast 20 Jahren für die Champions League qualifizieren.

„Das ist die beste Gummersbacher Mannschaft seit Jahrzehnten“, schwärmte Brand im Gespräch mit der dpa. Der 73-Jährige trug als Spieler und später als Trainer mehr als 30 Jahre das Trikot seines Herzensvereins und lässt sich auch heute kaum ein Heimspiel entgehen. „Das ist der einzige Handball-Termin, den ich mir immer freihalte. Ich bin in den letzten Jahren wesentlich mehr Fan geworden“, berichtete Brand.

Gummersbachs goldene Ära und der tiefe Fall

Der VfL zählt zu den traditionsreichsten und erfolgreichsten Handballklubs Deutschlands. Gummersbach war nicht nur Gründungsmitglied der Bundesliga, sondern auch der erste deutsche Meister 1967. Mit zahlreichen Titeln – darunter zwölf deutsche Meisterschaften, fünf DHB-Pokalsiege und fünf Europapokale der Landesmeister – prägte er vor allem die 1970er- und 1980er-Jahre. Persönlichkeiten wie Brand oder Joachim Deckarm stehen bis heute sinnbildlich für diese goldene Ära.

Der VfL Gummersbach mit Heiner Brand gewinnt am 23. Januar 1976 das Viertelfinal-Rückspiel im Europapokal der Landesmeister gegen Slask Breslau

In den 1990er-Jahren geriet der Verein zunehmend in eine sportliche und wirtschaftliche Schieflage. Tiefpunkt der Vereinsgeschichte war der Abstieg 2019. Drei Jahre später gelang die Rückkehr ins Oberhaus – nicht zuletzt dank des isländischen Trainers Guðjón Valur Sigurðsson und Sportchef Christoph Schindler, der als Architekt des Aufschwungs gilt. „Meine Zukunft beim VfL wird frühestens dann enden, wenn wir endlich da sind, wo dieser Verein hingehört“, erklärte Schindler vor einigen Wochen.

Zuletzt meldete der Klub zum 42. Mal in Folge eine ausverkaufte Halle. Nun ist die Schwalbe-Arena mit einer Kapazität von rund 4100 Zuschauern zwar deutlich kleiner als die Hallen einiger Konkurrenten, dennoch verdeutlichen die Zahlen die neue Euphorie in Gummersbach. „Dieser Zuschauerzuspruch ist nicht normal. Gummersbach boomt. Als wir in den 70er-Jahren Titel am laufenden Band gewonnen haben, war die kleine Eugen-Haas-Halle, die Platz für etwa 2000 Zuschauer bot, vielleicht dreimal voll und ansonsten waren es 500 Zuschauer“, erinnerte sich Brand.

Die Königsklasse im Blick

Der Lohn für die erfolgreichste Saison seit Jahren könnte die Qualifikation für die Champions League sein. Dabei könnte dem VfL die Erweiterung der Königsklasse von 16 auf 24 Teams in die Karten spielen. „In diesem Zuge wird auch der Bundesliga die Möglichkeit eingeräumt, bis zu drei Mannschaften zu melden. Eine wird automatisch qualifiziert sein, nämlich der Meister. Platz zwei und drei könnten über ein sogenanntes Upgrade-Verfahren auch an der Champions League teilnehmen“, sagte Liga-Chef Frank Bohmann dem NDR.

Nach Siegen unter anderem über Flensburg und Kiel steht der VfL auf Rang vier. „Natürlich wollen wir am Ende so hoch raus, wie es geht. Wir sehen auch, dass die Konkurrenz hier und da mal Punkte liegen lässt“, sagte Nationalspieler Miro Schluroff zuletzt.

Was die positive Entwicklung zusätzlich unterstreicht: in Julian Köster, Schluroff, Tom Kiesler und Mathis Häseler kommen aktuell vier deutsche Nationalspieler aus Gummersbach. Kein Verein stellt mehr DHB-Profis. Die Zukunft des VfL ist vielversprechend, auch wenn in Kapitän und Identifikationsfigur Köster der wichtigste Spieler im Sommer zum THW Kiel wechselt. „Der Abgang tut weh. Julian ist für mich der kompletteste deutsche Handballer“, befand Brand.

Immerhin bleibt das Trio um Schluroff dem VfL erhalten. Darüber hinaus hat sich der Verein ab der kommenden Spielzeit die Dienste des spanischen Handball-Stars Alex Dujshebaev gesichert. Vieles deutet darauf hin: Der VfL ist bereit für die europäische Bühne.

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