Noa-Lynn van Leuven darf wie alle weiteren Transfrauen nicht länger an Turnieren der Frauen-Tour der Professional Darts Corporation (PDC) teilnehmen. Das ist das Ergebnis einer Regeländerung der Darts Regulation Authority (DRA), so etwas wie die Regelhüter für PDC-Turniere. In einer Mitteilung der DRA heißt es, „dass zur Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs im Dartsport nur biologische Frauen zur Teilnahme an Frauen-Turnieren berechtigt sein sollten“.

Die Regelhüter stützen sich in ihrer Begründung maßgeblich auf einen Bericht der englischen Entwicklungsbiologin Emma Hilton. Diese kommt zu dem Schluss, dass „sich mehrere Geschlechtsunterschiede geringen Ausmaßes summieren und zu einem Vorteil der Männer gegenüber den Frauen im Dartsport führen“. Hilton zählt dabei zum Beispiel eine „größere Körpergröße, längere Gliedmaßen, breitere Schultern, mehr Muskelmasse und straffere Sehnen“ als Faktoren auf, die sich positiv auf die Reichweite, Stabilität und Wurftechnik auswirken würden.

Diese Faktoren gelten in der Argumentation der DRA offenbar auch für Transfrauen, anders ist die Regeländerung nicht zu erklären. In ihrer Zusammenfassung kommt Hilton zu dem Schluss, dass Darts als „geschlechtsspezifische Sportart“ einzuordnen sei. Die Entscheidung kommt überraschend. PDC-Geschäftsführer Matt Porter hatte van Leuven in der Vergangenheit vehement gegen ihre zahlreichen Kritiker verteidigt.

Van Leuven darf ab sofort nur noch bei PDC-Turnieren der offenen Kategorie spielen. Dazu zählen alle anderen Turniere (z. B. Major-Events, Pro Tour, Challenge Tour) bis auf die Women’s Series und das Women’s World Matchplay, sollte sich die Transfrau sportlich für diese qualifizieren.

Van Leuven hatte seit 2022 an den Turnieren der Women’s Series teilgenommen und sechs Turniersiege eingefahren. In einem Statement auf Instagram zeigte sich van Leuven erschüttert. „Ich habe gerade eine E-Mail bekommen. Anscheinend wurde ich in Rente geschickt. Nicht weil ich es mir ausgesucht habe, sondern weil ich nicht länger teilnehmen darf“, sagte die 29-jährige Niederländerin und schüttelte dabei mehrfach den Kopf.

Van Leuven spricht von „schwerem Schlag für Trans-Community“

Van Leuven hatte sich 2014 einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen und 2022 ihre Transition zur Frau abgeschlossen. Ihre Teilnahme an Frauen-Wettbewerben sorgte dennoch seit Jahren für Diskussionen. Die englische WDF-Weltmeisterin Deta Hedman etwa trat bei einem Turnier man nicht gegen van Leuven an, weil sie in ihr einen biologischen Mann sieht.

„Ich habe jahrelang so hart gekämpft. Ich war dabei, habe mitgemacht und den Sport respektiert – jedes Spiel, jeden Tag. Und jetzt wurde mir mit einer Entscheidung mitgeteilt, dass ich nicht mehr dazugehöre. Es geht dabei nicht um mich. Das ist ein schwerer Schlag für die Trans-Community, insbesondere nach den jüngsten Entscheidungen des IOC. Jeden Tag wird es schwerer für Trans-Personen, zu existieren“, sagte van Leuven weiter.

Das IOC hatte zuletzt bekannt gegeben, dass sich Frauen in Zukunft Geschlechtertests unterziehen müssen, um an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu dürfen. Transfrauen soll ein Start in der Frauenkategorie untersagt sein.

Luca Wiecek ist Sportredakteur für WELT. Er spielt selbst semigut Darts, noch in der Berliner Oberliga.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke