Am 17. April feiert einer der größten Fußballer Deutschlands seinen 75. Geburtstag: Horst Hrubesch. Als Kopfballungeheuer holte er mit dem Hamburger SV (212 Spiele) und der Nationalelf (21 Spiele) unzählige Titel. Später war er als Nachwuchs- und Frauen-Bundestrainer erfolgreich. Hier blickt er auf seine Karriere zurück. „Als Kind hatte ich Träume. Ich bin glücklich, dass ich sie mir erfüllen konnte.“

Durch viel Fleiß und einen unglaublichen Willen wurde aus dem einstigen Kreisliga-Spieler ein Superstar, der durch seine Bescheidenheit und sein natürliches Auftreten zum Liebling einer Nation wurde.

Die Anfänge bei Rot-Weiss Essen

„Als Jungspund war ich bei der Hammer Spielverei­nigung (Saison 1971/72; die Redaktion). Dann bin ich zum SC Westtünnen in die Kreisliga gegangen, wir stiegen bis in die Landesliga auf. 1975 wurden Vereine aus der Bundesliga auf mich aufmerksam – ich war schon 24 Jahre alt. Ich machte erst Probetrainings in Bochum, in Dortmund. Dann holte mich Rot-Weiss Essen. Leider sind wir 1977 aus der Bundesliga abgestiegen. Ich blieb aber, sagte damals: ‚RWE hat mir geholfen, jetzt helfe ich ihnen.‘ In der Saison 1977/78 erzielte ich 41 Tore, bis heute ist das Zweit­liga-Rekord. Die Zeit bei RWE hat mich sehr geprägt und geholfen, dass ich danach beim HSV gelandet bin.“

Saison 1975/1976: Hrubesch im Trikot von RWE

Schwierige Anfänge beim HSV

„Mein früherer Mitspieler in Essen, Gert Wieczorkowski, sagte immer: ‚Horst, du musst nach Hamburg. Du bist der Einzige, der Uwe Seeler ersetzen kann.‘ 1978 hatte ich das Glück, dass mich Günter Netzer, der beim HSV als Manager begann, nach Hamburg holte. Der Anfang war nicht einfach. Ich wurde nach wenigen Monaten als Fehleinkauf abgestempelt, bekam in der ,Bild‘ sogar mal die Note 6. Das traf mich. Unser Trainer Branko Zebec meinte aber: ‚Mein Junge, bleib ruhig, die Reporter haben keine Ahnung. Ich glaube an dich.‘ In der Rückrunde erzielte ich dann meine Tore, wir wurden Meister – und ich war angekommen.“

Die erste Meisterschaft

„Während meiner Anfangszeit beim HSV hieß es: Die Mannschaft spielt gegen den Abstieg. Am Ende wurden wir 1979 Meister. Weil wir uns zu einer Top-Mannschaft entwickelten. 1982 und 1983 gewannen wir erneut die Schale, 1980 und 1981 wurden wir Zweiter. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Worauf vor allem mein Opa stolz war. Dazu gibt es eine schöne Anekdote. Als ich mein erstes Spiel für den HSV machte, war er zu Hause verschwunden, die Familie war besorgt. Mein Großvater war mit dem Zug zu meinem ersten Spiel nach Hamburg gereist, plötzlich sah ich ihn auf der Tribüne – die Erleichterung war dann groß.“

Vom Ersatz zum EM-Helden

„Es ging für mich von einer emotionalen Geschichte in die nächste. Nach dem ersten Meistertitel mit dem HSV 1979 durfte ich ein Jahr später die EM in Italien spielen – mein erstes Turnier. Ich war in der Nationalmannschaft eigentlich der Back-up von Klaus Fischer, doch der fehlte wegen eines Schienbeinbruchs. Ich bekam die Chance und nutzte sie, erzielte beim 2:1-Finalsieg in Rom gegen Belgien beide Tore. Wir wurden Europameister. Den Pokal in der Hand zu halten war ein einmaliges und wunderbares Erlebnis.“

EM 1980: Hrubesch und Rummenigge im Pool des Teamhotels von Rom

Triumph im Europapokal der Landesmeister 1983

„Ich bin nicht nach Athen gefahren, um das Finale zu verlieren – sondern um es mit dem HSV zu gewinnen. Darum habe ich nach der Ankunft im Stadion erst einmal geschaut, wo ich später den Pokal abholen muss. Das war sehr emotional, denn es waren schon 30.000 Italiener im Stadion und pfiffen mich aus. Der Gewinn des Europapokals der Landesmeister durch das 1:0 gegen Juventus Turin war natürlich sensationell und tat gut. Denn drei Jahre zuvor hatten wir noch das Landesmeister-Finale gegen Nottingham Forest 0:1 verloren.“

Gesagt, getan: Hrubesch mit dem Pott in Athen

Mehr als nur Kopfballspieler

„Ente Lippens hat in Essen zu mir gesagt: ‚Lauf einfach, ich treffe dich.‘ Das war mit Manni Kaltz oder mit Caspar Memering später beim HSV genauso. Ich hatte das Glück, immer gute Spieler an meiner Seite gehabt zu haben, die mir die Bälle wunderbar auflegten. Aber das war kein Zufall, Laufwege und Standards wurden trainiert. Was mich aber lange Zeit aufgeregt hat: dass ich immer an meinen Kopfballtoren gemessen wurde. Ich habe über 90 meiner insgesamt 136 Bundesliga-Tore mit dem Fuß gemacht.“

Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in SPORT BILD.

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