„Für die WM stehe ich jeden Tag auf“
Wie zermürbend der Abstiegskampf und die Zuschauerrolle für den Kopf sind, musste Tim Kleindienst auch bei Gladbachs 1:1 gegen Mainz wieder erleben. „Du sitzt auf der Tribüne und kannst nicht mithelfen. Eigentlich habe ich gar keinen Bock zuzugucken, sondern will mir einfach die Schuhe anziehen und loslegen. Das ist mit das Schwierigste in dieser Situation.“
Der Nationalstürmer (sechs Spiele/vier Tore für Deutschland) fehlt Borussia nach seiner schweren Meniskusverletzung in allen Bereichen: als Tor-Garantie, als Kapitän, als Aushängeschild. Doch das Ende der fast einjährigen Leidenszeit ist absehbar. Kleindiensts Comeback-Plan steht!
In Sport Bild unterstreicht der 30-Jährige: „Wir reden über die letzten beiden Saisonspiele. Vor allem das letzte Heimspiel nehme ich mir fest vor. Ich möchte endlich wieder die Gewissheit haben, auch im Wettkampf zu funktionieren.“
Fehlt aktuell bei Borussia Mönchengladbach: Tim KleindienstDas Lauftraining und die Arbeit mit dem Ball hat Kleindienst längst wieder aufgenommen. Für die kommende Woche ist ein umfangreicher Test vorgesehen, der ihm die Freigabe fürs Mannschaftstraining bringen soll. Bei einer Funktionsanalyse wird überprüft, ob die Kräfteverhältnisse durch die Muskulatur bei Start-Stopp-Bewegungen, Richtungswechseln und Sprüngen passen. Zwischenzeitlich hatte der Umfang des Oberschenkelmuskels über dem verletzten rechten Knie sechs Zentimeter weniger als über dem des linken betragen.
Comeback wurde immer wieder verschoben
Kleindienst: „Momentan läuft es, ich habe keine Probleme, darf es aber nicht übertreiben. Es geht jetzt ums Feintuning und darum, sich Substanz anzutrainieren. Ausdauer, Kraft, Explosivität. Das ist ein reiner Trainingsaspekt, den ich mir nur über die Zeit holen kann. Das Gute ist, dass mein Körper aktuell sehr schnell adaptiert.“
Doch warum die ständigen Verzögerungen in der Vergangenheit? Rückblick: Im Mai 2025 hatte sich Kleindienst verletzt und musste sich einer Meniskus-OP unterziehen. Im November wurde er in zwei Spielen für je eine Minute eingewechselt. Es folgte ein Rückschlag, der einen arthroskopischen Eingriff erforderlich machte. Anschließend war erst von einer Rückkehr Ende Januar die Rede, dann von einem Trainingseinstieg Mitte März. Beides klappte nicht.
Kleindienst erklärt die Hintergründe: „Es gab nach dem Eingriff keine Rückschläge mehr, nur Phasen, in denen man nicht richtig vorankam. Zum Beispiel durch eine Entzündung im Knie oder der Schleimhäute. Nichts Schlimmes, aber wenn man immer am Knie rummacht, reagiert es irgendwann vielleicht mal. Man muss dem Gelenk dann Ruhe geben und kein Risiko eingehen, das habe ich ganz bewusst getan.“
„Die Chance ist nicht groß, aber sie ist auch nicht bei null“
Jetzt greift er wieder nach den großen Zielen. Sogar die WM hat er nicht abgeschrieben, nutzte sie während der Reha als mentale Motivation. Kleindienst: „Solche Ziele sind gerade in einer Langzeit-Reha wichtig für den Kopf. Denn man investiert wirklich viel Herzblut, Kraft und Schweiß. Auch für die WM stehe ich jeden Tag auf und arbeite am Fortschritt. Und solange mich niemand anruft und mir sagt, dass ich raus bin, wäre es unklug, dieses Ziel zu verwerfen. Die Chance ist nicht groß, aber sie ist auch nicht bei null.“
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte sich nach ihm erkundigt. Kleindienst: „Er hat mir mal eine Nachricht geschrieben und nach dem Ist-Zustand gefragt. Mir ist klar, in welcher Rolle ich dorthin mitfahren würde. Aber vielleicht gibt es diesen einen besonderen Moment.“
Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) verfasst und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.
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