Tischtennisspielerin Annett Kaufmann feierte ihren Durchbruch bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Die damals 17-Jährige führte das deutsche Team sensationell bis ins Halbfinale.

Frage: Nach dem EM-Titel im Oktober 2025 ist das ganze Team ins Meer gesprungen, jetzt geht es in London um eine WM-Medaille. Da gibt’s die Themse. Haben Sie Badesachen mitgenommen?

Annett Kaufmann: Ja, ich habe meinen Bikini auf jeden Fall eingepackt. Der liegt bereit für den Sprung in den Fluss. Das ist zwar leider nicht ganz so wie am Strand in Kroatien, aber für die WM-Medaille würde man ja einiges tun.

Frage: Ihr sensationeller Aufstieg bei Olympia in Paris ist jetzt fast zwei Jahre her – wie hat sich ihr Leben seitdem verändert?

Kaufmann: Das war schon sehr cool, über die vielen neuen Tischtennis-Fans habe ich mich sehr gefreut. Direkt nach Paris war es aber auch mal störend. Da sollte ich für Auftritte aus dem Urlaub eingeflogen werden, aber ich wollte eigentlich nur in Ruhe alles sacken lassen. Ich liebe die Kamera, ich würde auch sehr gerne mal im Fernsehen arbeiten. Aber im Urlaub existiert Tischtennis für mich nicht, dann will ich wirklich abschalten.

Frage: Bei Instagram stehen Sie mittlerweile bei 60.000 Followern. Kümmern Sie sich noch selbst um ihre Posts?

Kaufmann: Ja, prinzipiell finde ich es schwierig, jemandem meinen Instagram-Account anzuvertrauen. Woher sollen die wissen, wie ich ticke, was meine Philosophie ist und wo meine Grenzen sind? Deshalb ist auch meine Mama zurzeit meine Managerin, weil sie einfach weiß, was das Beste für mich ist. Klar, man kann mit Instagram Geld verdienen, aber ich möchte nicht diesen Influencer-Status haben.

Frage: Sportlerinnen wie Alica Schmidt verdienen damit mehr Geld als mit ihrem Sport selbst. Haben Sie für sich nie darüber nachgedacht?

Kaufmann: Ich habe größten Respekt vor Sportlern, die auch auf Social Media erfolgreich sind. Aber das ist wirklich zeitintensiv und zurzeit möchte ich mich voll und ganz auf meine Karriere fokussieren, da ich eben noch nicht so lange Profi bin und erstmal meine Energie und Zeit dort investieren will. Social Media ist wie ein Hobby für mich, das mache ich einfach, wenn ich Zeit und Lust habe. Ich bin auch niemand, der sich um Follower reißt. Ich würde mich niemals im Bikini posten oder solche Sachen, auch wenn es jedem selbst überlassen ist, was man postet. Es sind so viele komische Menschen im Internet unterwegs, da ziehe ich lieber Grenzen zwischen Social Media und Privatleben. Ich möchte einfach als Tischtennisspielerin gesehen werden. Alica folge ich selbst auch, sie macht tollen Content und ich gönne ihr den Erfolg total. Aber ich bin da eher vorsichtig, aus persönlichen Gründen, aber auch weil meine Eltern mich so erzogen haben und ich es anders nicht kenne.

Frage: Sie haben auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, sogar Morddrohungen bekommen.

Kaufmann: Ja, das hat natürlich auch seine Schattenseiten, die viele Leute nicht sehen. Es gibt viel Hass und sexistische Kommentare. Aber warum sollte ich für solche Menschen meine Energie verschwenden? Hass sollte auf keinen Fall normalisiert werden, das ist absolut nicht akzeptabel. Und mit Morddrohungen ist nicht zu spaßen, das habe ich auch ernst genommen. Ich habe den User geblockt und gemeldet, seitdem ist zum Glück nichts mehr vorgefallen.

Frage: Ihr Freund Fabian Anton spielt in der Volleyball-Bundesliga bei Ludwigsburg, sie sind beide viel unterwegs. Wie bekommt man das unter einen Hut?

Kaufmann: Wir leben nur eine halbe Stunde voneinander entfernt, sehen uns meist aber nur an Wochenenden. Er war schon oft bei Spielen von mir und ist da auf jeden Fall sehr supportive. Wir unterstützen uns gegenseitig so gut wir können, aber jeder geht auch seinen Karriereweg und das ist uns auch wichtig. Ich verstehe, dass er nicht immer mitkommen kann, auch wenn ich es mir wünschen würde.

Frage: Ihre Mutter war Skifahrerin, ihr Vater Eishockeyspieler. Außerdem sind beide studierte Sportwissenschaftler und Trainer. Ist das Fluch oder Segen?

Kaufmann: Sie sind der größte Glücksfall, den ich habe. Sie haben immer Verständnis für mich und sagen, dass es mein Leben ist. Wenn ich ihnen jetzt sagen würde, dass ich mit Tischtennis aufhöre und studieren will, wäre es für sie kein Problem. Der Erfolg ist meinen Eltern egal, da gab es nie Druck. Ihnen ist es wichtig, dass es mir mental und physisch gut geht.

Frage: Sie sind eigentlich Rechtshänderin, spielen aber mit links Tischtennis. Sind sie beidhändig?

Kaufmann: Ja, ich schreibe und werfe mit rechts, konnte in der Grundschule aber mit links fast genauso gut schreiben oder schneiden. Das gibt es wahrscheinlich nicht so oft.

Frage: Bei der Team-WM ist eine Medaille das große Ziel. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Kaufmann: Wir sind stark aufgestellt und können eigentlich für jede Situation eine Lösung finden. Selbst gegen Topfavorit China sind wir nicht chancenlos, weil wir wirklich alle Arten von Spielerinnen haben, die gefährlich sein können.

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