„Es fühlt sich groß an. Das Wichtigste ist, dass wir mutig sind“
Der Tag beim FC Bayern vor dem großen Spiel: Erst Training, dann Pressekonferenz. Dienstagmittag ließ Vincent Kompany seine Mannschaft zum letzten Mal vor dem zweiten Halbfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain am Mittwoch (21 Uhr, DAZN und Liveticker auf WELT.de) an der Säbener Straße üben, danach stellte sich der Trainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters den Fragen der internationalen Reporter.
„Die Fußballwelt wartet auf dieses Spiel“, sagte der Klubsprecher zu Beginn der Pressekonferenz. Vor Kompany saß erst Jonathan Tah auf dem Podium im Presseraum in der Klubzentrale. Der Innenverteidiger sprach auch über die Diskussion, ob Bayern nach dem 4:5 im Hinspiel jetzt defensiver spielen muss. „Unsere Spielweise hat uns dahin gebracht, wo wir gerade sind. Daher denke ich, dass wir daran nichts ändern sollten. Wir wollen attraktiven Fußball spielen. Natürlich ist das fordernd“, sagte Nationalspieler Tah.
Das Hinspiel sei sehr ereignisreich und auf hohem Niveau gewesen. So ein Spiel habe er vorher noch nie erlebt. Jetzt sehnt er das zweite Halbfinale herbei. „Es ist ein großes Spiel. Es fühlt sich groß an. Ich freue mich extrem. Man ist noch etwas angespannter und fokussierter, die Vorfreude überwiegt“, so Tah. „Jetzt geht's los. Jetzt ist Crunchtime angesagt. Wir sind alle sehr heiß auf das Spiel und bereit, alles zu geben.“
Seine Mannschaft gehe mit dem Glauben in die Partie, es schaffen zu können. „Das Wichtigste ist mit unserer Spielweise, dass wir mutig sind. Dass wir versuchen, in Zweikämpfe zu kommen. Paris bewegt sich sehr viel, wie wir auch. Wir müssen Duelle und zweite Bälle gewinnen.“
Wird es wieder ein Spektakel wie in Paris vor einer Woche? „Das ist schwer vorauszusagen“, sagte der 30-Jährige. „Wir versuchen, noch besser zu spielen und weniger Chancen zuzulassen. Wenn wir das schaffen, wird es auf jeden Fall ein Spektakel.“ Es gehe um Anpassungen, um nicht so oft in Situationen zu kommen, in denen Paris gefährlich und schnell umschalten kann.
Wenn er mit seinem Hund in diesen Tagen spazieren geht, würden ihn viele Leute auf das Rückspiel ansprechen, berichtete Tah. Tenor: „Mittwoch Vollgas geben!“ Das Spiel sei sehr präsent. Die Fans aus der Südkurve haben alle Stadionbesucher aufgerufen, Mittwochabend in der Vereinsfarbe Rot in die Arena zu kommen. Die Bayern träumen vom Triple, das Endspiel der Königsklasse steigt am 30. Mai in Budapest.
Vincent Kompany spürt „totale Ruhe“
Ein Reporter fragte Tahs Trainer Kompany, wie er sich am Tag vor dem Spiel fühlt, was er neben Vorfreude vor allem spüre. „Totale Ruhe. Innerliche Ruhe“, antwortete der Belgier. „Ich versuche, die Emotionen vom Spiel nicht zu früh eine Rolle spielen zu lassen.“ Er sei immer bis zum letzten Moment auf der Suche nach dem richtigen letzten Satz, den er vor dem Spiel zur Mannschaft sage, um sie zusätzlich zu motivieren. Da gehe es darum, das letzte Prozent herauszukitzeln.
„Wir spielen zu Hause. Wir wollen gewinnen“, so Kompany. „Wir haben in Paris vier Tore geschossen. Das Allerwichtigste ist, dass wir das Spiel gewinnen. Das ist die Priorität morgen.“
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Seine Spieler hätten in dieser Phase der Saison viel Energie, aber auch Paris sieht er als sehr fit. „Paris ist eine überfitte Mannschaft, deswegen ist es so schwierig.“
Seine Mannschaft habe eine gute Beziehung zu den Fans, betonte Kompany. „Gemeinsam versuchen wir, die nächste Stufe zu erreichen. Vor der Saison haben wenige daran geglaubt, dass wir jetzt die Chancen haben werden, ins Finale einzuziehen. Ich glaube, dass die Mannschaft es morgen schafft. Gemeinsam wollen wir diesen Abend unvergesslich machen.“
Moderator Jonas Friedrich übt zusammen mit den Experten Tabea Kemme, Chris Kramer und Mats Hummels den Gang zum Sendungsbeginn aus dem Spielertunnel zum Tisch am Spielfeldrand, angeleitet vom Prime Video-Produktionsleiter Andreas Bosbach. Sehen Sie hier die finale Probe.Und wenn es Elfmeterschießen geben sollte? Wer entscheidet dann, wer schießt? Hat die Bayern-Mannschaft diese Woche Elfmeter trainiert? „Wir entscheiden dann, wer die Elfmeter schießt“, sagte Kompany. „Und wie die Reihenfolge ist. Das passiert immer im Austausch mit den Spielern.“
Niemand, der sich damit nicht wohlfühle, werde schießen müssen. Das sei aber kein spezielles Thema dieser Woche, das Thema Elfmeter sei seit Monaten Bestandteil des Trainings. Man habe sich vorbereitet, es würde nicht alles spontan laufen.
Auch er habe viele Anfragen bekommen, ob er Tickets für das Rückspiel gegen Paris besorgen könne, sagte Kompany auf eine Frage dazu lächelnd. Sein Fokus liege ganz auf dem Spiel. „Ich habe nicht viel Zeit für Nebensachen derzeit“, so der ehemalige Verteidiger. Er und sein Trainerteam hätten Ideen, um das Spiel zu gewinnen. „Vor diesen Spielen gibt es kein Geheimrezept. Es ist nur wichtig, dass man das Spiel nicht schon am Tag vorher spielt. Bis zum Anpfiff geht es um Routine und Vorbereitung, die ich den Spielern geben kann. Jetzt zählt es.“
Es komme auf beide Mannschaften an, ob es wieder so ein Spiel wie vor einer Woche in Paris wird. „Ich denke, dass Paris versuchen wird, das zu machen, was sie das ganze Jahr machen und was sie schon beim Titelgewinn in der Vorsaison gemacht haben. Es könnte ein ähnliches Spiel werden“, so Kompany.
Die Spiele der Bayern gegen Paris „hingen zuletzt meist von Details ab. Ich wüsste nicht, warum Paris seine Spielweise ändern sollte“, sagte der Trainer. „Es ist eine Mannschaft, vor der wir viel Respekt haben. Eine Mannschaft, die schwer zu bespielen ist. Aber das sind wir auch. Und wir glauben an uns. Wir wollen ins Finale.“
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Im Rückspiel gegen Paris wird er auf der Pressetribüne des Münchner Stadions sitzen.
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