Auf den Rennstrecken dieser Welt dominiert Kimi Antonelli gerade die Konkurrenz nach Belieben. Außerhalb der Strecken muss sich der 19 Jahre alte Mercedes-Fahrer von seiner Mama chauffieren lassen – wegen eines Unfalls in San Marino im Februar musste der WM-Führende den Führerschein abgeben. Antonelli soll mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein.

Geschwindigkeit und Antonelli – das passt zusammen. Schon mit fünf Jahren begann er mit dem Kartfahren, feierte früh auch international Erfolge. Schnell wurde Mercedes auf das Talent aufmerksam, nahm ihn im Alter von zwölf Jahren ins Juniorprogramm auf. Für das Team dominierte er in mehreren Nachwuchsserien (ADAC Formel 4, italienische Formel 4). 2024 kam er über die Formula Regional in die Formel 2. Schon ein Jahr später fuhr er sein erstes Rennen in der Formel 1. Von seinem Aufstieg in die Königsklasse des Motorsports erzählt die Netflix-Doku „The Seat“.

Nach dem Abgang des siebenmaligen Weltmeisters Lewis Hamilton zu Ferrari hatte Mercedes ein Cockpit zu vergeben. Während sich diverse Fahrer bei Teamchef Toto Wolff selbst ins Gespräch brachten, kam Gwen Lagrue, der Leiter des Mercedes-Nachwuchsprogramms, auf die Idee: Warum nicht der Junge aus Italien? Die Beteiligten einigten sich auf Antonelli. Wolff selbst teilte ihm und seinem Vater die Beförderung per Video-Anruf mit.

Doch der Weg zum Weltklasse-Rennfahrer war nicht ohne Hindernisse. Als Antonelli zum ersten Mal ins Mercedes-Hauptquartier im englischen Brackley kam, wurde er nicht gleich von allen erkannt. Der Technische Direktor James Allison erzählt: „Ich saß an meinem Schreibtisch, als da plötzlich dieses Kind stand. Ich dachte, es hätte seinen Vater verloren. Erst als er meine Hand schüttelte, habe ich verstanden, dass das Kimi ist.“

Kimi Antonelli feiert seinen Sieg in Miami mit dem Team

In der aktuellen Saison hat Antonelli nun drei der vier Rennen gewonnen, alle drei von der Pole-Position. Das ist vor ihm noch keinem Fahrer gelungen. Bei seinem ersten Grand-Prix-Triumph in China war er 19 Jahre und 202 Tage alt, nur Max Verstappen war bei seinem Premieren-Triumph 2016 jünger (18 Jahre und 228 Tage).

Sollte Antonelli am Ende der Saison wirklich den Titel holen, wäre der Italiener der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte. Klar, dass die Konkurrenz den Newcomer ernst nimmt. Der „Bild“ erzählte Antonelli im März: „Vergangenes Jahr waren Verstappen und Hamilton sehr offen und haben mir geholfen. Aber jetzt haben sie damit aufgehört.“

Antonellis Familie: Schon sein Vater war Rennfahrer

Wer ist dieser Andrea Kimi Antonelli? Geboren und aufgewachsen in Bologna. Schon sein Vater Marco war Rennfahrer. Er erzieht den Sohn streng, fordert vor allem auf der Rennstrecke viel von ihm. Kimi: „Er hat mich alles gelehrt, was er über Motorsport weiß. Ich setze seine Legacy fort.“ Mutter Veronica hält sich bis heute weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus, besucht aber ab und zu die Rennen ihres Sohnes. Auch Schwester Maggie (10) ist dabei. Kimi Antonelli ist Familienmensch.

Sein Glücksbringer, den er immer dabei hat, ist ein Schlüsselanhänger in Form eines Autos. Ein Geschenk seines Vaters, der den Anhänger wiederum selbst von seinem Vater geschenkt bekommen hatte.

Schon als Kind spielte Antonelli auf dem Fußboden seines Zimmers mit Spielzeugautos, stellte Rennen nach, die er selbst kommentierte, und träumte sich auf das Siegerpodest. Der Traum wurde 2026 Wirklichkeit.

Kimi? Seine Familie nennt ihn Andrea

Und da ist noch die Sache mit seinem Namen. Seine Familie nennt ihn Andrea, unter Kimi firmiert er nur in der Formel-1-Welt. Dass er nach Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen benannt wurde, glauben viele seiner Fans, stimmt aber nicht. Ein Freund der Eltern hatte zu „Kimi“ geraten. Ob Andrea oder Kimi – in seiner Heimat hat Antonelli einen riesigen Hype ausgelöst.

Für Mercedes-Teamchef Wolff zu viel: „Italien hat die WM verpasst, also fokussiert sich jetzt alles auf die zwei erfolgreichsten Sportler des Landes – Jannik Sinner (Erster der Tennis-Weltrangliste, Anmerkung der Redaktion) und Antonelli. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Kimi erst 19 ist. Er muss auf dem Boden bleiben. Dabei helfen seine Eltern sehr gut.“ Auch sein Vater bremst die Euphorie, sagt: „Natürlich wäre es schön, wenn er mal Weltmeister wird. Aber wir nehmen einen Schritt nach dem anderen.“

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.

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