Die teuren Baustellen der Bayern
Die Chefs des FC Bayern haben wegen des 25-Jahr-Jubiläums die Champions-League-Sieger von 2001 für den kommenden Samstag zum Meisterspiel gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker auf WELT.de) und der anschließenden Übergabe der Meisterschale in das Münchner Stadion geladen. Selbst die ehemaligen Bosse Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić, die 2023 gefeuert wurden, haben zugesagt.
Auch die aktuellen Profis des deutschen Fußball-Rekordmeisters möchten sich zu Königsklassen-Helden krönen. Am besten schon 2027, wenn das Finale in Madrid steigen wird.
Dafür müssen die Bayern diverse Baustellen beseitigen. Gegenwärtig sind die Münchner noch dabei, das Champions-League-Aus gegen Paris Saint-Germain zu analysieren. In einem Punkt wurden sich die Bosse in den Tagen nach dem Ausscheiden schnell einig: Der gewünschte Top-Zugang in der Offensive genießt jetzt absolute Priorität.
Anthony Gordon (25) steht weiter ganz oben auf der Liste. Nach Informationen dieser Redaktion forciert auch Klub-Patron Uli Hoeneß den Transfer des Stars von Newcastle United. Von der Höhe des Ablöse-Volumens bei Gordon hängen alle weiteren Sommer-Deals des Deutschen Meisters ab.
Aktuell fordert Newcastle 92 Millionen Euro, was den Bayern zu viel ist. Diese Summe werden sie nicht zahlen. Deshalb schauen sich die Verantwortlichen um Sportvorstand Max Eberl auch nach Alternativen um.
Spannend finden die Bayern Bradley Barcola (23). Der PSG-Star stand bei den Münchnern schon einmal auf der Prio-Liste. Allerdings sollen die Preisvorstellungen der Pariser für ihn noch höher sein als der 100-Millionen-Euro-Wunsch der Leipziger für Yan Diomande (19), der ebenfalls auf der Kandidaten-Liste der Bayern steht.
Offensivprofi Bradley Barcola von PSG steht auf der Liste des FC BayernIn München trauern sie deswegen umso mehr der verpassten Chance hinterher, Désiré Doué (20) zu verpflichten. Am heutigen PSG-Star war Bayern zweimal dran, vor allem Eberl bemühte sich um einen Transfer. Auch 2023 war Doué schon Thema.
Der damalige Sportvorstand Salihamidžić und sein Technischer Direktor Marco Neppe waren beim Europa-League-Spiel FC Villarreal gegen Stade Rennes (1:0) vor Ort, um Doué von einem Wechsel zu überzeugen. Allerdings war die Position nach dem Transfer von Mathys Tel (21) im Vorsommer schon besetzt und das Geld für einen weiteren Spieler von Rennes nicht mehr vorhanden. Fest steht auch jetzt wieder, dass die Suche nach einer Offensiv-Verstärkung äußerst kostspielig werden dürfte.
Gefahren auf europäischem Höchstniveau
Eine weitere Baustelle: das Defensivspiel. In der Bundesliga nahmen sie in der aktuellen Saison mit 35 Toren mehr Gegentreffer hin als Borussia Dortmund (34). Allein in den vergangenen vier Champions-League-Partien musste Torhüter Manuel Neuer den Ball zehnmal aus seinem Tor holen.
Der offensive Hurra-Fußball, den Trainer Vincent Kompany implementiert hat, birgt vor allem auf europäischem Höchstniveau Gefahren. So führte er im Rückspiel gegen Paris dazu, dass die Bayern schon nach drei Minuten durch ein Kontertor von Ousmane Dembélé (28) in Rückstand gerieten. Selbst in der Liga gab es jeweils drei Gegentore gegen den 1. FC Heidenheim und gegen 1. FSV Mainz 05. Zuletzt gegen den VfL Wolfsburg (1:0) gab es zwar kein Gegentor. Doch in der ersten Halbzeit ließ die Defensive 15 Torschüsse zu.
Die Münchner kamen nach dem 4:5-Wahnsinn in Paris auch im Halbfinal-Rückspiel in der heimischen Allianz Arena nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus. Der späte Treffer von Harry Kane (90.+4 Minute) reichte nicht mehr zur Verlängerung.Die interne Analyse in den vergangenen Tagen ergab zudem, dass es dem aktuellen Bayern-Kader in der Breite an Qualität fürs internationale Top-Niveau fehlt. Als Beispiel wurde die Mannschaft angeführt, die 2020 das zweite Triple der Vereinsgeschichte holte.
Beim Champions-League-Triumph im Finale gegen Paris (1:0) war vor allem der Angriff in der Breite besser besetzt. Für Kingsley Coman kam Ivan Perišić, für Serge Gnabry kam Coutinho und für Thiago kam Corentin Tolisso. Derartige Möglichkeiten wie Hansi Flick damals hatte Kompany in diesem Jahr nicht. Deshalb soll im Sommer eine echte Bereicherung in der Offensive kommen, dazu wird noch nach einem Kaderspieler gesucht.
Wie im BILD-Podcast „Bayern Insider“ vermeldet wurde, ist Flügelspieler Mika Godts (20) von Ajax Amsterdam Thema. Der zuletzt mehrfach gehandelte Charles De Ketelaere (25) von Atalanta Bergamo hingegen nicht.
Eine Baustelle ist auch die Situation rund um Konrad Laimer (28/Vertrag bis 2027). Der Österreicher soll über die Hoeneß-Aussagen im DAZN-Interview einen Tag vor dem Paris-Spiel äußerst irritiert gewesen sein. Der Ehrenpräsident gab vor laufender Kamera zu Protokoll, dass es für Laimer finanzielle Grenzen gebe, er für den FC Bayern nicht die Wertigkeit eines Harry Kane habe.
Intern heißt es bei den Münchnern sogar, dass selbst die zuletzt gehandelten 15 Millionen Euro als Jahresgehaltswunsch der Laimer-Seite nicht reichen sollen. Mit Prämien soll das geforderte Gesamtpaket inklusive Signing Fee schon zu den Spitzenverdienern, also bis zu 20 Millionen Euro, vorstoßen. Für die Bayern kommt das in keinem Fall infrage, die Gespräche über eine Vertragsverlängerung stocken.
Österreichs Nationalspieler Konrad Laimer verhandelt mit dem FC Bayern über einen neuen VertragAuf der Laimer-Position auf der rechten Abwehrseite haben die Bosse weiterhin Josh Acheampong (20) vom FC Chelsea und Givairo Read (19) von Feyenoord Rotterdam im Blick. Sacha Boey (25) könnte derweil bei seinem aktuellen Leih-Klub bleiben. Galatasaray Istanbul kann sich vorstellen, ihn über den Sommer hinaus zu behalten.
Gleiches gilt für den derzeit an Tottenham verliehenen João Palhinha (30). Allerdings wollen beide Vereine die Bayern bei der Kaufklausel drücken. Die von Boey liegt bei etwa 15 Millionen Euro, die von Palhinha bei rund 30 Millionen Euro. Eberl muss nun dem Aufsichtsrat beweisen, dass er auch verkaufen kann. Bei Coman wurde Eberl vergangenen Sommer intern vorgeworfen, sich bei der Ablöse gegenüber Al-Nassr zu schnell zufriedengegeben zu haben. CEO Jan-Christian Dreesen verhandelte nach und holte noch mal fünf Millionen Euro mehr raus.
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Immer montags bitten die WELT-Reporter Lutz Wöckener und Lars Gartenschläger zum Blind Date mit einem Champion. Einer lädt den Gast ein, der andere führt das Gespräch, muss aber zunächst herausfinden, um wen es sich dabei überhaupt handelt. Die Zuhörer können mitraten.
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Fest steht für das anstehende Transferfenster: Durch die bereits fixen Abgänge von Leon Goretzka (31), Raphaël Guerreiro (32) und Nicolas Jackson (24) wird der Kader um drei Spieler kleiner.
Mit Kane (Vertrag bis 2027) hingegen soll ein Leistungsträger weiter an den Klub gebunden werden. Solange es die Chance auf den Champions-League-Sieg gab, hat der Nationalmannschafts-Kapitän Englands darum gebeten, die Gespräche über eine Verlängerung zurückzustellen.
Harry Kane ist für Gespräche vor der WM offen
Jetzt möchten die Bayern-Bosse bei der Spieler-Seite noch einmal anklopfen, mit dem Ziel, sich vor der Weltmeisterschaft an einen Tisch zu setzen. Nach Informationen dieser Redaktion ist Kane dafür offen. Er soll aber auch signalisiert haben, dass er keinen Druck verspüre, Gespräche nach der WM für ihn ebenso okay seien.
Nach der Paris-Analyse tagte vergangenen Montag auch der Aufsichtsrat. Die Personalie Eberl (Vertrag bis 2027) war da noch kein offizieller Tagesordnungspunkt. Für den Sport-Boss soll es erst bei der nächsten Sitzung im August ernst werden. Dann wird auch das Sommer-Transferfenster in die Bewertung einfließen.
Sportvorstand Max Eberl ist beim FC Bayern bislang noch ohne neuen VertragEin Punkt, der intern kritisch gesehen wird: Das Profil von Eberl und Sportdirektor Christoph Freund sei sich zu ähnlich. Daher wird die Frage gestellt, ob es wirklich beide benötigt. Als alternative Konstellation gilt: Dreesen und Freund arbeiten als Duo zusammen, falls es mit Eberl nicht weitergehen sollte.
Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Sport Bild“, „Bild“) verfasst und zuerst in „Sport Bild“ veröffentlicht.
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