„Uli Hoeneß hat das Klischee selbst bedient“
Der Terminkalender von Bernd Neuendorf in Köln war proppenvoll. Konferenz mit den Regional- und Landesverbandspräsidenten, Streit-Gipfel mit der nun eigenständigen Frauen-Bundesliga (FBL) um einen Grundlagenvertrag, der die Finanzströme zwischen DFB und FBL regelt, danach das DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern (0:4) – trotzdem nahm sich der DFB-Präsident in einer Loge der Arena des 1. FC Köln bei Kaffee und Süßigkeiten Zeit für sein einziges Interview vor der WM im Sommer in den USA, Mexiko und Kanada.
WamS: Herr Neuendorf, Bayern-Patron Uli Hoeneß kritisiert, die exorbitant hohen WM-Ticketpreise würden bei ihm die Krätze auslösen. Sind auch Sie ein Fall für den Hautarzt?
Bernd Neuendorf: Ich sehe die Preispolitik ebenfalls kritisch. Fußball steht für Identität und Gemeinschaft, er sollte auch für Normalverdiener erschwinglich sein. Die unregulierte Zweitvermarktung auf dem Ticketmarkt treibt die Preise zusätzlich stark in die Höhe. Wir müssen aufpassen, dass wir die treuesten Fans nicht verlieren. Ich hoffe daher, dass die Fifa bei der WM 2030 zu einer anderen Preispolitik zurückkehrt.
WamS: Selbst US-Präsident Donald Trump moniert, er würde keine 1000 Dollar für das Eröffnungsspiel der USA gegen Paraguay zahlen. Wäre Ihnen das Auftaktspiel der deutschen Elf gegen Curacao 1000 Dollar wert?
Neuendorf: Ehrlich gesagt: Nein. Als normaler Fan, der auch die Anreise, die Unterkünfte und den teuren Transport zu den Stadien zahlen muss, würde ich das wahrscheinlich auch nicht machen.
WamS: Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter behauptet, der Fifa gehe es nur noch ums Geld, nicht mehr ums Spiel. Dazu passt, dass jedes Spiel in der Mitte jeder Halbzeit für drei Minuten unterbrochen wird – als Trinkpause für die Spieler, in der aber zusätzliche TV-Werbespots laufen. Ziehen Sie sich den Schuh als Mitglied des Fifa-Rats an?
Neuendorf: Natürlich nimmt die Fifa auch bei dieser WM viel Geld ein. Das war zu Zeiten von Sepp Blatter nicht anders. Das Geld kommt aber letztlich wieder dem Fußball zugute. Es fließt über unterschiedlichste Entwicklungsprogramme an die 211 Mitgliedsverbände. Die Fortschritte sieht man unter anderem an Nationalmannschaften wie Curacao oder den Kapverden, die sich erstmals für eine WM qualifiziert haben.
Neuendorf im Stadion des 1. FC KölnWamS: Die Fans zuhause müssen sich in der Vorrunde an 13 verschiedene Anstoßzeiten, teilweise mitten in der Nacht, gewöhnen. Verstehen Sie, wenn aufgrund solcher Auswüchse keine große WM-Vorfreude aufkommt?
Neuendorf: Die WM findet in drei Ländern statt, die schon national unterschiedliche Zeitzonen haben. Es war von vornherein klar, dass die Spiele der europäischen Mannschaften nicht immer zur Prime Time in Europa stattfinden werden. Auch wenn Europa viele starke Mannschaften stellt, ist es ein Turnier für die ganze Welt. Wir sollten uns deshalb nicht über die Anstoßzeiten empören.
WamS: Akzeptieren müssen die Fans auch die laut Fifa-Präsident Gianni Infantino „größte Show der Welt“ in der Halbzeitpause des WM-Endspiels am 19. Juli. Wie begeistert sind Sie über diese Premiere?
Neuendorf: Die Show ist wesentlicher Bestandteil des Sports in den USA. Muss man das gut finden? Nicht zwingend. Wer sie nicht sehen will, kann sich in der Halbzeitpause etwas zu trinken holen.
WamS: Als der DFB 2017 beim Pokalfinale in Berlin Schlagerqueen Helene Fischer auftreten ließ, gab es ein gellendes Pfeifkonzert auf den Rängen. Eine Wiederholung gibt es nicht – selbst wenn die deutschen Fans Infantinos Show goutieren würden?
Neuendorf: Nein, nicht solange ich DFB-Präsident bin.
WamS: Hoeneß sagt, „vernünftige Deutsche“ würden wegen der hohen Kosten erst gar nicht zur WM fahren. Mit wie vielen DFB-Fans rechnen Sie vor Ort?
Neuendorf: Die Informationen, die wir von der Fifa bekommen, sprechen dafür, dass die Nachfrage aus Deutschland hoch ist. Und natürlich sind wir dankbar dafür, dass sich trotz der hohen Kosten offenbar viele Menschen aus Deutschland auf den Weg machen wollen, um die Mannschaft zu unterstützen.
WamS: Der DFB organisiert in New York erstmals ein „Deutsches Haus“. Was wird den Fans hier geboten, auch an Fußball-Prominenz?
Neuendorf: Es ist nicht nur ein Haus für die Anhänger des deutschen Teams, wir laden alle Fans nach New York ein. Der Eintritt ist kostenlos, es wird deutsches Bier und deutsche Speisen zu moderaten Preisen geben und selbstverständlich Public Viewing. Zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport sind angefragt, darunter Weltmeister wie Mario Götze, Sami Khedira, Jürgen Klinsmann und Benni Höwedes. Wir freuen uns auch auf den Besuch unserer aktuellen Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger.
WamS: Wird Bundeskanzler Friedrich Merz kommen?
Neuendorf: Aus dem Kanzleramt haben wir bislang eine Zusage von der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt Dr. Christiane Schenderlein. Ob der Kanzler kommen wird, ist offen. Ich gehe davon aus, dass sich die Chancen erhöhen, je weiter unsere Mannschaft im Turnier kommt. Weil wir optimistisch sind, gehen wir davon aus, dass Friedrich Merz irgendwann anreist.
WamS: Fans aus Ländern einiger WM-Teilnehmer aus Afrika, Asien und der Karibik verweigern die USA die Einreiseerlaubnis. Kann ihnen die Fifa auf den letzten Drücker helfen?
Neuendorf: Natürlich wünsche ich mir die Teilnahme möglichst vieler Fans aus allen 48 qualifizierten Ländern. Trotzdem muss man akzeptieren, dass die Einreisebestimmungen von souveränen Staaten selbst festgelegt werden – das gilt für Deutschland genauso wie für die USA. Es ist sicherlich sinnvoll, seitens der Fifa, jetzt mit den US-Verantwortlichen über ein möglichst für alle Fans offenes Turnier zu sprechen. Ob sich die USA am Ende darauf einlassen, liegt in ihrer Hoheit.
WamS: Was könnte deutschen Fans bei der Einreise blühen? Eine verschärfte Kontrolle, ob sie Trump in sozialen Medien kritisieren, und im schlimmsten Fall die Abweisung?
Neuendorf: Wir beobachten die Situation sehr genau, reden mit dem Auswärtigen Amt, der Deutschen Botschaft in Washington und mit den Generalkonsulaten in den Spielorten, um möglichst alle Infos zu bekommen. Uns sind aktuell keine Probleme oder Beschränkungen bekannt. Es gibt auch für bestimmte Gruppen, etwa die LGBTQIA+-Community, keinerlei Warnhinweise.
WamS: Der Iran ist zwar ins WM-Trainingslager in die Türkei aufgebrochen. Aber unklar ist, ob alle Spieler, Trainer und Funktionäre ein US‑Visum erhalten. Mehreren Teammitgliedern wird eine Zusammenarbeit mit den Revolutionsgarden vorgeworfen, die in den USA auf der Terrorliste stehen. Gehört die freie Einreise für alle zu den Garantien, die der Iran von der Fifa fordert?
Neuendorf: Es gibt offenbar zehn Forderungen, die der Iran stellt. Darunter die problemlose Erteilung von Visa, den Respekt vor Irans Nationalflagge und der Nationalhymne sowie die Gewährung von Sicherheit an Flughäfen und in Hotels. Wir haben die Aussage von Gianni Infantino auf dem jüngsten Fifa-Kongress in Vancouver zur Kenntnis genommen, der sehr optimistisch ist, dass der Iran bei der WM dabei ist. Ein Selbstläufer ist das sicher nicht: So wurde einem Teil der iranischen Delegation die Einreise nach Kanada verwehrt. Es sollen jetzt Gespräche zwischen der Fifa und dem iranischen Fußballverband stattfinden. Ich hoffe, dass Infantino Recht behält und der Iran das Turnier letztlich bestreitet.
WamS: Wie sieht das Fifa-Szenario aus für den Fall, dass der Iran doch absagt?
Neuendorf: Es ist klar geregelt, dass dann der Fifa-Rat entscheidet. Darüber haben wir auf der Sitzung in Vancouver aber nicht gesprochen, eben weil Infantino überzeugt ist, dass der Iran teilnimmt. Wenn die Gespräche mit dem Iran doch erfolglos verlaufen sollten, würden wir sehr zeitnah den Fifa-Rat zusammenrufen müssen.
US-Präsident Donald Trump überlässt Fifa-Chef Gianni Infantino die Entscheidung zur Teilnahme des Irans an der Fußball-WM. Trump selbst befürwortet mittlerweile eine Teilnahme.WamS: Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass es zu Menschenrechtsverletzungen während der WM kommt, gerade durch die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE. Teilen Sie diese Sorge?
Neuendorf: Wir hoffen, dass alles friedlich bleibt. Ausschließen kann man nichts, die politische Lage ist aufgewühlt und dynamisch. Was wir in Minnesota gesehen haben, hat zurecht viele Menschen verstört und auch wütend gemacht. Ich würde es begrüßen, wenn US-Außenminister Marco Rubio seine Zusage einhält, dass keine ICE-Beamte in den WM-Stadien eingesetzt werden.
WamS: Ex-DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff wirft dem DFB und Ihnen vor, sich beim Thema Menschenrechte in Katar 2022 hinter der Mannschaft und hinter Bierhoff versteckt zu haben. Trifft Sie der Vorwurf?
Neuendorf: Nein. Persönlich trifft mich das überhaupt nicht. Oliver Bierhoff weiß genau, dass wir sehr eng abgestimmt waren, rund um die sportpolitischen Themen sowohl im Vorfeld der WM als auch in Doha selbst. Ich kann auch sagen: Von Verbandsseite ist niemals Druck auf die Mannschaft ausgeübt worden, es war explizit der Wunsch der Spieler, sich zu diesen Themen zu verhalten, insbesondere nachdem die Fifa die One-Love-Armbinde verboten hatte. Ich habe in Katar deutlich Position bezogen und mich hinter niemandem versteckt. Letztlich haben wir damals aber auch Fehler gemacht. Die Debatte über die Binde hätte man vor dem Turnier mit der Fifa klären müssen. Ein solches Thema darf nicht ins Turnier reinlaufen. Das wird uns nicht wieder passieren.
WamS: Ist ein Treffen von Ihnen und Trump in Ihrer Funktion als Fifa-Rat während der WM geplant? Und würden Sie eine Einladung ins Weiße Haus ablehnen?
Neuendorf: Ich halte ein solches Szenario für sehr unwahrscheinlich. Aber sollte es zu einer Einladung des Fifa-Rats kommen, würde ich ihr als Mitglied dieses Gremiums folgen. Das hat auch etwas mit Respekt zu tun. Politische Inhalte würden dann aber mit Sicherheit nicht verhandelt. Das überlasse ich gerne der Bundesregierung.
WamS: Bedeutet was?
Neuendorf: Wir werden uns während des Turniers explizit nicht zu tagespolitischen Ereignissen in den USA oder der Welt äußern. Um es etwas plakativ zu sagen: Ich werde mich nicht zu jedem Tweet von Donald Trump verhalten. Die Menschen dürfen trotzdem darauf vertrauen, dass der DFB und ich persönlich einen klaren Kompass haben, den ich nicht aufgebe. Wir stehen immer und überall für den liberalen Rechtsstaat und die parlamentarische Demokratie ein. Wir treten ein für Toleranz, Respekt und Vielfalt. Das ist nicht nur in unserer Satzung verankert. Das leben wir jeden Tag.
WamS: Können Sie die Dauerkritik an Infantino wegen dessen großer Nähe zu Trump nachvollziehen?
Neuendorf: Das ist grundsätzlich nicht zu kritisieren. Ich halte das sogar für erforderlich. Man muss als Präsident eines großen Verbandes wie der Fifa, der Uefa oder des DFB mit der Politik sprechen und kooperieren. Bei der Ausrichtung der EM 2024 in Deutschland haben wir gemeinsam mit der Uefa viele Gespräche in Berlin etwa über Sicherheits-, Verkehr- und wirtschaftliche Fragen geführt. Auch die Ausrichtung der Frauen-EM 2029 bedarf engster Abstimmung mit der Politik. Das ist Teil einer professionellen Zusammenarbeit.
WamS: Also darf Kanzler Merz nicht auf einen Friedenspreis von Ihnen hoffen, wie ihn Trump von Infantino bekommen hat?
Neuendorf: Die Debatten über den Fifa-Preis hätte man zumindest eindämmen können, wenn man zuvor transparent über Kriterien und Auswahlmechanismen geredet hätte. Das ist leider versäumt worden. Grundsätzlich ist es meiner Meinung nach für die Fifa schon möglich, einen Friedenspreis zu verleihen. Denn der Fußball steht für Gemeinschaft und Völkerverständigung. Menschen, die sich hier in besonderer Weise hervorgetan haben, kann man auch mit einem entsprechenden Preis auszeichnen. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass der DFB eine solche Auszeichnung verleihen würde.
Zwei Männer und ihr PreisWamS: Infantino hat den Friedenspreis im Alleingang erfunden und an Trump vergeben. Jetzt ermittelt die Fifa-Ethikkommission.
Neuendorf: Die Ethikkommission wird darüber befinden, ob und wie der Friedenspreis erhalten werden kann.
WamS: Sollte Trump der Fifa-Friedenspreis entzogen werden?
Neuendorf: Ich sehe Ihren Punkt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Den Preis hat Trump bekommen, kurz nachdem im Gazastreifen der Waffenstillstand zwischen Israelis und Palästinensern erreicht worden war. Ohne die USA wäre das sicherlich nicht möglich gewesen. Die großen Verbände waren konfrontiert mit Forderungen, Israel wegen des militärischen Vorgehens im Gazastreifen vom internationalen Spielbetrieb auszuschließen. Ich war dezidiert gegen eine solche Maßnahme und deshalb froh, dass diese Forderungen aufgrund des Abkommens keine Rolle mehr gespielt haben. Ich bin Historiker und sehe uns Deutsche aufgrund unserer Geschichte in einer besonderen Verantwortung gegenüber dem Staat Israel.
WamS: Wie bewerten Sie den gescheiterten Versuch von Infantino, die Verbandspräsidenten von Israel und Palästina auf der Bühne des Fifa-Kongresses in Vancouver zu versöhnen?
Neuendorf: Das war sicherlich ein ehrenwerter Versuch, über den Fußball dazu beizutragen, dass dieser Konflikt ein Stück weit an Schärfe verliert. Die Frage ist, ob man das auf offener Bühne oder etwas diplomatischer besser im Hintergrund hätte machen sollen. In diesem Moment gab es leider keine Gewinner. Ich nehme Gianni Infantino aber ab, dass er an der Sache interessiert ist. Und das sollte man auch anerkennen.
WamS: Infantino hat angekündigt, 2027 erneut zu kandidieren, Afrikaner, Asiaten und Südamerikaner unterstützen ihn. Gibt es bei der Uefa Überlegungen, einen Gegenkandidaten aufzubauen?
Neuendorf: Das Bewerbungsverfahren ist eröffnet, es läuft bis zum 18. November. Ob es neben Infantino einen weiteren Kandidaten oder eine Kandidatin geben wird, kann ich Stand jetzt nicht sagen. Man muss aber realistisch sein: Die Nationalverbände aus Südamerika, Asien und Afrika haben Gianni Infantino ihre Unterstützung bereits zugesichert. Das würde für eine Mehrheit reichen. Er genießt in weiten Teilen der Erde eine breite Unterstützung.
WamS: Deutschland trifft in der WM-Vorrunde auf die Elfenbeinküste, Ecuador und Curacao. Erwarten Sie den Gruppensieg mit drei Siegen oder wie schätzen Sie die Gegner ein?
Neuendorf: Wir haben grundsätzlich vor allen Gegnern Respekt, insbesondere nachdem wir zuletzt zweimal nach der WM-Vorrunde ausgeschieden sind. Ich habe mich intensiv mit den Mannschaften beschäftigt, die Elfenbeinküste und Ecuador haben extrem starke Abwehrreihen. Die Elfenbeinküste hat in der Qualifikation kein Gegentor kassiert, Ecuador hat Willian Pacho von PSG und viele Premier-League-Spieler dabei und ist in der Südamerika-Quali auf Platz zwei hinter Argentinien und vor Brasilien gelandet – obwohl ihnen drei Punkte abgezogen wurden. Trotzdem ist meine Erwartung, dass wir uns in dieser Gruppe durchsetzen. Dieses Selbstbewusstsein dürfen wir auch haben. Wenn ich mit Kollegen anderer Verbände spreche, dann wollen die eines nicht: gegen Deutschland spielen. Der Respekt vor unserer Mannschaft ist groß.
WamS: Obwohl Uli Hoeneß kritisiert, Bundestrainer Julian Nagelsmann habe es verpasst, ein eingespieltes Team zur WM zu schicken?
Neuendorf: Worte von Uli Hoeneß haben Gewicht. Aber gerade deshalb würde ich mir wünschen, dass er seine Meinung überdenkt. Punkt eins: Jeder weiß, wie viele verletzte Spieler wir hatten, so dass es gar nicht möglich war, immer dieselbe Mannschaft aufs Feld zu schicken. Punkt zwei: Knapp einen Monat vor unserem WM-Auftaktspiel würde ich mir von Uli Hoeneß wünschen, dass er sich hinter unsere Mannschaft stellt und über ihre Stärken und ihren Charakter spricht. Hoeneß selbst bemängelt, dass wir Deutsche immer nur Kritisches sehen in unserem Land. In diesem Fall hat er das Klischee selbst bedient.
WamS: Weltmeister Lahm erwartet von einer großen Fußball-Nation wie Deutschland das Halbfinale als Minimalziel. Sie auch?
Neuendorf: Ich glaube, die Qualität der Mannschaft ist hoch genug, um weit zu kommen. Wir haben aber einen schweren Turnierbaum. Die Art und Weise, wie sich die Mannschaft insgesamt im Turnier präsentiert, spielt bei der finalen Bewertung, ob die WM ein Erfolg war oder nicht, auch eine Rolle.
WamS: Der DFB lobt laut Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig eine Rekordprämie von mehr als 400.000 Euro pro Spieler für den WM-Titel aus. Warum?
Neuendorf: Die Gespräche mit dem Mannschaftsrat sind noch nicht finalisiert. Es steht aber fest, dass die Prämie sehr leistungsbezogen sein wird.
WamS: Ab welcher Runde gibt es eine Prämie? Diesmal schon ab dem Achtelfinale nach dem Vorrunden-Aus 2018 und 2022?
Neuendorf: Details verrate ich nicht, aber Sie können sich wie gesagt sicher sein: Die Prämiengestaltung wird sich – auch im Sinn der Mannschaft – sehr am tatsächlichen Abschneiden orientieren.
WamS: Hoeneß prophezeit, wenn Nagelsmann – der ohnehin in der Liga, von den Medien und Fans nicht unkritisch gesehen wird, auch weil er laut Hoeneß auf Kritik beleidigt reagiere – keinen Erfolg habe, werde es für ihn schwer. Befände sich der DFB für diesen Fall in der komfortablen Lage, dass Fan-Liebling Jürgen Klopp zur Verfügung stehen könnte?
Neuendorf: Julian Nagelsmann hat einen Vertrag bis 2028. Für mich ist nicht die Meinung der Medien oder ein Statement von Uli Hoeneß entscheidend. Sondern wie wir im Verband mit Julian Nagelsmann und wie er mit den Spielern zusammenarbeitet. Daran habe ich nichts zu kritisieren. Im Gegenteil. Es gibt einen engen Austausch sowohl auf sportlicher als auch auf verbandspolitischer Ebene. Ich war bei Besprechungen des Trainerteams dabei und weiß, wie akribisch sich dort vorbereitet wird. Wie Julian Nagelsmann Meinungen einfordert, widerlegt auch den Vorwurf, er sei beratungsresistent. Ich bin sehr zufrieden mit ihm, wünsche ihm und uns jeden Erfolg und gehe nicht davon aus, dass wir nach dieser WM in irgendeiner Form über den Bundestrainer diskutieren müssen.
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