„Gibt uns Stabilität in immer aufgeregter werdenden Zeiten“ – Gislason bleibt Bundestrainer
Der Deutsche Handballbund setzt lieber auf Kontinuität statt auf Neuausrichtung. Alfred Gislason bleibt auch über die Heim-Weltmeisterschaft hinaus Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Knapp acht Monate vor dem Winter-Höhepunkt im eigenen Land verkündete der Verband die Vertragsverlängerung mit dem Isländer bis zu den Olympischen Spielen in Los Angeles.
„Ich bin stolz auf die Entwicklung der Mannschaft und dankbar für das Vertrauen, die Arbeit bis 2028 fortsetzen zu dürfen. Und ich bin davon überzeugt, mit unseren Spielern den letzten Schritt gehen zu können. Unsere Geschichte ist noch lange nicht auserzählt“, sagte Gislason.
Der 66-Jährige ist seit Februar 2020 im Amt, sein bisheriges Arbeitspapier hätte nach der WM im kommenden Jahr (13. bis 31. Januar) geendet. In der Öffentlichkeit waren daher zuletzt immer wieder Meistertrainer Bennet Wiegert vom SC Magdeburg und Florian Kehrmann vom TBV Lemgo Lippe als mögliche Gislason-Nachfolger gehandelt worden. Doch der Verband setzte in der wichtigsten Personalie auf Kontinuität und Erfahrung.
Der SC Magdeburg hat den Meister-Matchball direkt genutzt! Magdeburg gewinnt einen Krimi im Top-Spiel gegen die SG Flensburg-Handewitt und steht damit als Deutscher Meister fest. Die Highlights im Video.„Neben seinen handballerischen Qualitäten ist und bleibt Alfred der Fels in der Brandung. Seine Stabilität gibt uns in diesen immer aufgeregter werdenden Zeiten Gelassenheit und damit zusätzliche Sicherheit“, begründete DHB-Präsident Andreas Michelmann die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Gislason.
Ähnlich äußerte sich DHB-Sportvorstand Ingo Meckes: „Alfred ist nicht nur ein beeindruckender Trainer, sondern auch ein in jeder Hinsicht verlässlicher Mensch. Er hat unsere Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren runderneuert und damit über die WM 2027 hinaus aufgestellt. Mit den Olympischen Spielen 2028 kann Alfred sein Werk für den deutschen Handball vollenden.“
Klares Signal von Gislason – doch der DHB zögerte
Dennoch hatte die DHB-Spitze in der offenen Zukunftsfrage lange zögerlich gewirkt, obwohl Gislason seinen Wunsch nach einer Fortsetzung der Zusammenarbeit frühzeitig bekräftigt hatte. Er sei extrem stolz darauf, dass er die Mannschaft seit sechs Jahren betreue und dies noch weitere zwei Jahre weitermachen dürfe. „Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft zu sein, ist mehr als ein Beruf“, bekräftigte er seine Motivation.
Führungsspieler wie Juri Knorr oder Kapitän Johannes Golla hatten sich schon im März rund um die Testspiele gegen Ägypten für einen Verbleib von Gislason starkgemacht. „Ich hoffe, dass es noch mit ihm weitergeht. Er hat mich in sehr jungen Jahren dazugeholt und mir auch immer wieder Vertrauen geschenkt“, sagte Knorr. Golla erklärte: „Wir kommen dem Ausschöpfen unseres Potenzials immer näher. Das spricht für eine gute Zusammenarbeit.“
Dabei hatte Gislason einen schweren Start. Nach der Amtsübernahme vor mehr als sechs Jahren musste er die Mannschaft erst durch die Corona-Zeit führen und dann einen radikalen personellen Umbruch einleiten.
Dass das Team mittlerweile zu den jüngsten im Welthandball gehört und U21-Weltmeister wie Nils Lichtlein, David Späth oder Renars Uscins tragende Pfeiler des Erfolgs sind, ist ein wesentlicher Verdienst des 66-Jährigen. Leistungsträger wie Knorr und Julian Köster entwickelten sich unter ihm zu Anführern. „Dass Alfred Gislason unser Bundestrainer bleibt und damit die komplette Olympiade verantwortet, ist schlüssig“, sagte Meckes.
Der Handball-Bundestrainer stand im Januar vor dem Aus
Denn auch der Erfolg spricht für Gislason, der die DHB-Auswahl 2024 sensationell zu Olympia-Silber und im Februar dieses Jahres zu EM-Silber führte. Endstation waren jeweils die dänischen Überflieger. Kritiker kreiden dem Isländer jedoch an, dass er die Lücke zur Handball-Weltmacht bisher nicht spürbar schließen konnte.
Dass Gislason über die Heim-WM hinaus eine Zukunft beim DHB hat, war zu Jahresbeginn nicht abzusehen. Im Gegenteil: Nach der Niederlage in der EM-Vorrunde gegen Serbien stand der Nordeuropäer vor dem Aus und Handball-Deutschland führte eine hitzige Trainerdebatte. Experten wie die ehemaligen Nationalspieler Stefan Kretzschmar und Michael Kraus übten heftige Kritik.
Mal musste sich Gislason den Vorwurf gefallen lassen, nicht die besten Spieler aufs Parkett geschickt zu haben. Mal wurde ihm schlechtes Coaching in den Auszeiten attestiert.
Doch die DHB-Auswahl gewann das entscheidende Gruppenspiel gegen Spanien, zog in die Hauptrunde ein und holte nach Siegen gegen Portugal, Norwegen, Frankreich und Kroatien am Ende die Silbermedaille. „Eigentlich müsste ich jetzt ein bisschen austeilen“, konterte Gislason deshalb nach dem Turnier.
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