Schönes Landgut - unschöner Verdacht
Das Gut Hatvanpuszta liegt unweit der ungarischen Hauptstadt Budapest. Früher ein Habsburger Vorzeigehof, inzwischen ein luxuriöses Anwesen. Es gehört dem Vater des Ministerpräsidenten. Woher kam das Geld für die Sanierung?
Der Vater des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban hat ein Anwesen aufwendig renovieren lassen. Es soll ein Vorzeigeprojekt sein. Aber was genau soll da vorgezeigt werden? Es ist ein landwirtschaftliches Muster-Gut, ehemals Habsburger-Besitz, später durch Kommunisten enteignet, dann verfallen: Das Gut Hatvanpuszta.
Das Anwesen liegt 40 Kilometer westlich von Budapest, praktischerweise ganz in der Nähe von Felcsut, dem Heimatdorf der Orbans. Auch deshalb gab es bald Gerüchte. Hatvanpuszta war lange Baustelle: Betreten verboten, Drohnenflüge auch. Warum?
Ein neugieriger Abgeordneter
Inzwischen ist das Projekt fast fertig, wie eindrucksvolle Drohnenaufnahmen zeigen. Immobilienwerbung? Nein, das regierungskritische Portal telex.hu blickte auf die großzügige Anlage mit Herrenhaus sowie mit luxuriös ausgebauten ehemaligen Schafställen.
Die Innenansicht liefert kurz danach Àkos Hadházy, ein unabhängiger Abgeordneter im ungarischen Parlament. Wir kennen ihn als kundigen Kronzeugen gegen Korruption. Sein Video auf Facebook wurde in den letzten Tagen hunderttausendfach geklickt. Alle wollen sehen, wie es angeblich so ausschaut bei den Orbans.
Herrenhaus mit Pools
Das Tor habe weit offen gestanden, sagt Hadházy. Er deutete dies als Einladung zu einem Spaziergang durch die Gärten, den Park und an die Fenster des Herrenhauses Hatvanpuszta. Ein bisschen eilig, seine Bilder sind ziemlich verwackelt. Sie zeigen frisch gepflanzte Jungbäume, Gemüsebeete, einen abgestellten Traktor. Er geht vorbei an zwei Gartenarbeitern, die irritiert schauen, und vorbei an zwei kleinen Bade-Pools - für Menschen, eher nicht für Schafe, wie Hadházy anmerkt.
Die Gebäude sind einstöckig. Zu sehen sind zwei Gebäudeflügel, das alte Herrenhaus, das ehemalige Haus für die Bediensteten, die früheren Ställe für die Zuchtschafe des Erzherzogs Joseph von Habsburg, der den Ungarn zeigen wollte, wie Landwirtschaft geht. Hatvanpuszta war in der Tat ein historischer Lehrbetrieb für die Bauern in der Gegend.
Inzwischen ist alles sehr aufwendig renoviert. Hadházy sagt: "… das ist keine halbfertige landwirtschaftliche Anlage sondern ein Luxusschloss." Irgendjemand schreibt drunter: "Versailles". Das gibt das Handy-Video nicht her. Es geht aber nicht ums Blattgold, wie in wirklichen ungarischen Schlössern, der Esterhazys zum Beispiel. So etwas hat in Hatvanpuszta noch niemand entdeckt. Es geht um den politischen Machtanspruch. Die Botschaft ans Volk.
"Woher kommt das Geld?"
Die entscheidende Frage stellt Péter Magyar, Orbans politischer Herausforderer, auf X: "Die Frage ist, woher ist das Geld?" Magyars noch junge Partei Tisza liegt seit Wochen vor der regierenden Fidesz-Partei Orbans. Nächstes Jahr wird in Ungarn gewählt. Magyar hat seine Chance erkannt. Er kommt aus dem "System Orban", hat aber abgeschworen und die Korruption des Systems zu seinem Wahlkampfthema gemacht.
Auch die Orbans wittern, worum es geht. Normalerweise verschlossen und schweigsam, reagieren sie diesmal. Selten dass Győző Orban, Viktor Orbans 85-jähriger Vater, ein Interview gibt. Er habe das Gut Hatvanpuszta 2011 über seine Immobilienfirma erworben - ein Jahr, nachdem sein Sohn Viktor an die Macht kam und begann, Ungarn nach dem "System Orban" umzubauen.
Das Gut war lange an den Nachbarn Lőrinc Mészáros verpachtet, der in den Jahren der Orban-Regierung zum superreichen Oligarchen aufstieg. Über sein Gelände galoppieren auch Zebras, die in den Sozialen Medien für Aufsehen sorgten. Die haben auf dem Orban-Gut nichts zu suchen, dieses soll ein Musterhof nach historischen Vorbild werden. Also dürfen dort höchstens ungarische Schafe grasen.
Orbans bestreiten, Besitzer zu sein
Gergely Gulyás, der Chef der Staatskanzlei in Budapest, bemüht den "Denkmalschutz". Es gäbe kein besseres Vorzeigebeispiel als das Gut Hatvanpuszta, früher gab es dort nur "Ruinen". Verteidigung aus der Regierungszentrale, obwohl Viktor Orban doch mal wissen ließ, Kinder hätten sich nicht die Angelegenheiten der Eltern einzumischen.
Vor allem der Vater und Bauherr stellt sich schützend vor seinen Sohn Viktor: "Mein ältester Sohn, der Premierminister ist", werde "meinetwegen ungerechterweise angegriffen", sagte Győző Orban einem regierungsnahen Portal.
Die Vermutung, der Herrensitz bei Felcsut sei etwas für die Wochenenden des Regierungschefs, kontert Viktor Orbán mit der Bemerkung: "Ich habe ein eigenes Haus in Buda. Dort wohnen wir mit meiner Frau. Ich habe ein Haus auf dem Land. Was brauche ich noch?"
Auf jeden Fall keine Videos von teuren Anwesen der Familie. Die könnten seine Legende vom bodenständigen, volksnahen Politiker zerstören. Und dies acht Monate vor der Wahl - im April 2026 ist der reguläre Termin.
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