Nach einem vielbeachteten Prozess wurde Rapper Sean "Diddy" Combs nur in den schwächsten Anklagepunkten schuldig gesprochen. Nun wird in den USA über die Bedeutung des Urteils für die MeToo-Bewegung diskutiert.

13 Stunden hatten die acht Männer und vier Frauen beraten. Als sie dann ihr Urteil verkündeten, reagierten Sean "Diddy" Combs, seine Familie und seine Verteidiger geradezu euphorisch. Combs, dem eine lebenslange Haft drohte, faltete seine Hände wie zum Gebet und dankte den Geschworenen. Dann sank er vor seinem Stuhl auf die Knie.

Später, vor dem Gerichtsgebäude, feierte auch sein Verteidiger-Team um Star-Anwalt Marc Agnifilo den Freispruch für Combs in den wichtigsten Anklagepunkten. "Heute ist ein großartiger Tag!", jubelte Combs' Verteidiger, "heute gab es einen Sieg, den größten aller Siege für Sean Combs und unser Team."

"Nicht schuldig" im gravierendsten Anklagepunkt Organisierte Kriminalität. Die Geschworenen konnten offensichtlich nicht nachvollziehen, dass der Rapper - wie ein Mafia-Pate - Chef einer kriminellen Organisation gewesen sei.

Haben Textnachrichten und E-Mails Combs entlastet?

Ebenfalls "nicht schuldig" in den beiden Anklagepunkten bezüglich Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Auch hier sahen es die Geschworenen nicht als zweifelsfrei erwiesen an, dass Combs seine beiden Ex-Freundinnen zu tagelangen Sex-Orgien mit anderen Männern nötigte.

"Geschadet haben ihnen ihre Textnachrichten und Mails", vermutet Rechtsexpertin Terry Austin im ARD-Interview. "Die klangen, als sei doch einiges einvernehmlich geschehen. Jedenfalls sahen die Geschworenen keine Nötigung zum Sex."

Enttäuschung bei der Anklage

Schuldig gesprochen wurde Combs nur in weniger schwerwiegenden Anklagepunkten - wegen des "Transports von Prostituierten", die er aus allen Landesteilen zu seinen Sex-Orgien einfliegen ließ, was in den USA strafbar ist.

Der Anwalt der Hauptzeugin der Anklage, Combs Ex-Freundin Cassie Ventura, hatte Mühe, seine Enttäuschung zu verbergen. Natürlich hätte sich die Anklage einen Schuldspruch in den schwerwiegenderen Anklagepunkten gewünscht, sagte Doug Wigdor. Aber: "Cassie hat diese Untersuchung ins Rollen gebracht. Und jetzt ist Sean Combs ein verurteilter Straftäter. Und ihm droht eine erhebliche Haftstrafe."

Strafmaß zu einem späteren Zeitpunkt

In einem Brief, aus dem US-Medien zitieren, fordert die Staatsanwaltschaft vier bis fünf Jahre Gefängnis. Die Verteidigung erwartet sogar weniger als zwei Jahre. Über das Strafmaß muss nun der Richter in den kommenden drei Monaten entscheiden.

Eine wichtige Entscheidung traf er aber noch am Abend, was die freudige Stimmung von Combs trübte: Seinen Antrag, bis zur Verkündung des Strafmaßes gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen, lehnte der Richter ab. Ausschlaggebend dafür war ein Brief von Ventura, die den Richter warnte, Combs sei eine Gefahr für sie und alle, die gegen ihn ausgesagt haben.

US-Rapper Sean „Diddy“ Combs teils schuldig gesprochen

Marion Schmickler, ARD New York, tagesthemen, 02.07.2025 21:50 Uhr

"Frauen verlangen Rechenschaft"

Was das Urteil für die MeToo-Bewegung bedeutet, wurde in den US-Medien kontrovers diskutiert. Viele sprachen von einem Rückschlag, so auch die frühere Staatsanwältin Annemarie McAvoy im ARD-Interview: "Als die MeToo-Bewegung sehr stark war, galt die Regel: Allen Frauen sollte geglaubt werden." Dieses Mal hätten die Geschworenen zumindest Zweifel gehabt. "Und wenn Zweifel bestehen, dann kann es keinen Schuldspruch geben."

Dem widersprach die Rechtsanwältin Gloria Allred, eine der führenden Köpfe der MeToo-Bewegung im Sender CNN: "Manche meinen, die MeToo-Bewegung sei tot. Das finde ich überhaupt nicht." Der Erfolg von MeToo hänge nicht von Strafverfahren allein ab, sondern auch von Zivilprozessen und außergerichtlichen Einigungen. "Frauen wehren sich und verlangen Rechenschaft."

Selbst wenn Combs diesen Strafprozess mit einer geringen Strafe überstehen sollte, drohen ihm noch Dutzende Zivilprozesse: Mehr als 120 Männer und Frauen haben den Rapper wegen mutmaßlicher Sexualstraftaten verklagt.

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