Linke und SPD kritisieren Ramelow-Vorstoß für soziales Pflichtjahr
- Bodo Ramelow schlägt ein verpflichtendes Sozialjahr während der Schulzeit vor – auch die CDU hatte etwas Ähnliches angeregt.
- Die Thüringer Linke kritisiert Ramelows Sozialjahr und fordert statt Pflichtdienst eine bessere Finanzierung freiwilliger Sozialjahre.
- Auch sächsische SPD und Paritätischer Wohlfahrtsverband lehnen Pflichtdienste ab.
Zivildienst oder Bundeswehr? Das war bis 2011 die Frage für alle jungen Männer, die die Schule hinter sich gebracht hatten und nicht ausgemustert wurden. So ähnlich stellt sich das der Linke Bodo Ramelow auch jetzt wieder vor – nur eben noch als Teil der Schulzeit. Bei der Union läuft Ramelow damit offene Türen ein.
Das Gesellschaftsjahr soll von jedem jungen Menschen, ob Mann oder Frau, absolviert werden.
Auf Anfrage von MDR AKTUELL erklärt der sozialpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Tobias Krull: "Der Vorschlag des sozialen Pflichtjahres ist grundsätzlich unser CDU-Vorschlag für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr. Das Gesellschaftsjahr soll von jedem jungen Menschen, ob Mann oder Frau, absolviert werden. Das Spektrum möglicher Einsatzbereiche erstreckt sich über die Bundeswehr, die Blaulichtorganisationen, wie Feuerwehr und THW".
Damit schließe es eben auch den sozialen Bereich mit ein, ob nun in der Pflege, der Kultur oder im Naturschutz. Nur mit Freiwilligkeit, so Krull, werde man die Bedarfe in diesen Bereichen nicht decken können.
Kritik aus den eigenen Reihen
Kritische Worte kommen dagegen aus Ramelows eigener Partei in Thüringen. Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Landtagsfraktion, Ulrike Grosse-Röthig, würdigt zwar Ramelows Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er suche und ringe nach Lösungen, um dem Auseinanderdriften der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen.
Allerdings müsse eine Ausweitung der Schulpflicht immer einen bildungspolitischen Hintergrund haben, sagt Grosse-Röthig: "Deshalb sehe ich den Vorstoß auch kritisch. Wir sollten einen bildungspolitischen Anspruch an Schulpflicht und an das, was wir jungen Menschen zumuten, haben. Den sehe ich in diesem Vorstoß nicht".
Und auch von einem Pflichtdienst hält Grosse-Röthig nichts. Der Staat solle sich lieber auf den Weg machen, die Freiwilligen Sozialen Jahre ordentlich zu finanzieren.
Besser Freiwilliges Jahr als Pflichtdienst
Gegenwind kommt auch aus der sächsischen SPD. Die jugendpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Sophie Koch, erklärt schriftlich: "Wir brauchen weder ein Pflichtjahr für junge Menschen, noch sollten wir dafür die Schulpflicht missbrauchen. Mich erschüttert ein Stück weit, wie leichtfertig meist ältere Herren Vorschläge auf Kosten junger Menschen machen".
Ablehnung kommt auch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Bundesweit leisteten über 100.000 Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr ab, erklärt Hauptgeschäftsführer Joachim Bock auf Anfrage. Freiwilligkeiten und Wahlmöglichkeiten seien eine wichtige Grundlage für Engagement. Von Pflichtdiensten halte der Paritätische deshalb nichts.
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