Die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, auch bekannt als Heizungsgesetz, war im Sommer 2023 Auslöser hitziger Debatten – verabschiedet wurde das Gesetz dann aber doch. Zumindest vorerst: Im Frühjahr dieses Jahres hatten Friedrich Merz und seine neue Regierung angekündigt, das Gesetz wieder abschaffen zu wollen. Bis jetzt ist das noch nicht passiert – nach aktuellem Stand soll es nun bis Ende 2025 neue Pläne geben. Wie die aussehen werden, ist bisher nicht klar. Aktuell heizen die meisten Haushalte noch immer mit Gas und Erdöl. Die Grafik zeigt: In den vergangenen Jahren hat sich daran kaum etwas geändert.

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Ein Vorschlag, den die CDU Anfang des Jahres eingebracht hatte: das Heizungsgesetz durch eine konsequente CO2-Bepreisung ersetzen. Das würde bedeuten, es gäbe keine politischen Vorgaben mehr dazu, wie eine klimafreundliche Heizung erreicht werden soll – aber dennoch würden fossile Heizungen sanktioniert. Der Vorschlag hat allerdings einen Haken: Die CO2-Abgaben würden – wenn es keine andere Regelung gibt – zu einem erheblichen Teil von den Mietern getragen.

Damit kämen enorme Kosten auf viele Mieter zu. Malte Bei der Wieden vom Öko-Institut hat in einer Studie durchgerechnet, wie hoch der CO2-Preis für Erdgas und Heizöl angesetzt sein müsste, wenn Klimaneutralität im Gebäudesektor alleine über diesen Preis erreicht werden soll: "Das Ergebnis unserer Berechnungen ist ein CO2-Preis von über 500 Euro pro Tonne, also zehnmal so hoch wie jetzt", erklärt er. Rechnet man diesen CO2-Preis auf Gas an, würde das bedeuten: Es kostet ungefähr doppelt so viel wie jetzt. Wer mit Gas heizt, müsste der Studie zufolge durchschnittlich mit fast 1.500 Euro Mehrkosten rechnen.

Dass die Bundesregierung einen so hohen CO2-Preis tatsächlich umsetzen würde, halte er für unwahrscheinlich, sagt Bei der Wieden. Aber das Beispiel zeigt, welches Risiko die Energiewende birgt: Steigt der CO2-Preis künftig weiter an, wird Heizen für viele Menschen mit fossilen Heizungen zum Luxus. Die Beratungsgesellschaft co2online prognostiziert, dass Gas- und Ölheizungen in den kommenden 20 Jahren etwa dreimal so teuer werden könnten.

Wer mietet, kann selten entscheiden 

"Das Ärgerliche, wenn man zur Miete wohnt, ist, dass man eben nicht selbst entscheiden kann, was mit dem Gebäude passiert. Also, was für eine neue Heizung wird eingebaut? Kommt eine Wärmedämmung ans Dach oder werden die Fenster ausgetauscht?", findet Malte Bei der Wieden. All diese Entscheidungen liegen beim Vermieter. Natürlich gebe es gering-investive Maßnahmen, die Mieter durchführen können, etwa regelbare Thermostate einzubauen. Aber die einzige Möglichkeit für Mietende, wirklich viel Energie einzusparen, sei es, weniger zu heizen. Auch hier gebe es allerdings Grenzen, weil sonst Schimmel drohe. Menschen frieren zu lassen, sei ebenfalls keine Option. 

Forschende sprechen in diesem Zusammenhang von "Energiearmut". Das bedeutet, dass grundlegende Energiedienstleistungen wie Heizen, Licht und Strom nicht mehr bezahlt werden können, weil die Energiekosten zu hoch sind und die Energieeffizienz (z.B. Dämmung) der Wohnung nicht ausreicht. Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2024 5,3 Millionen Menschen in Deutschland von Energiearmut betroffen. In unsanierten Altbauten verschärfen sich diese Probleme: Gebäude in den beiden schlechtesten Energieeffizienzklassen G und H sind in Deutschland für 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aller Häuser verantwortlich.

Städte und Kommunen können mitgestalten 

Dass es auch anders gehen kann, zeigt Chemnitz: 2024 wurde die Stadt in Sachsen zur energieeffizientesten Stadt Deutschlands gekürt – und das, obwohl die Mieten hier zu den bundesweit niedrigsten gehören. Grit Stillger ist Stadtplanerin in Chemnitz. Sie erklärt, man sei das Thema frühzeitig aktiv angegangen: Bereits 2012 habe man sich Klimaziele gesetzt, Konzepte erstellt und Allianzen geschmiedet. Dabei galt es, die Gebäudeeigentümer trotz niedrigem Mietspiegel von Sanierungen zu überzeugen. "Die Sanierungsaufwendungen sind bei uns dagegen genauso hoch wie in anderen Städten", erzählt Stillger. Man könne die Ausgaben also nicht durch die Mieten decken. Gerade in dieser Situation gehe es darum, den Gebäudeeigentümern zu vermitteln, welche Vorteile und Fördermöglichkeiten sie haben. 

Chemnitz Brühl zeigt, wie es gehen kann 

So auch im Stadtteil Brühl. Das Gründerzeitviertel liegt nahe an der Innenstadt, aber rund 80 Prozent der Gebäude standen leer, seit der DDR wurde nicht mehr saniert. "Wir hatten in dem Gebiet teilweise eine Doppelversorgung aus Gas und Fernwärme, das haben wir gemeinsam mit dem Versorgungsunternehmen entflochten", erzählt Grit Stillger. Mittlerweile habe man das Viertel saniert und an ein künftig CO2-neutrales Fernwärmenetz angeschlossen. Zehn Prozent der Wärme für das Viertel kommen zudem über ein Solarthermiefeld. Auch diese Modernisierungen wurden teilweise auf die Mieter umgelegt, allerdings hätten sich die Belastungen aufgrund des niedrigen Mietniveaus grundsätzlich im Rahmen gehalten, findet Stillger.

Chemnitz Brühl ist mittlerweile ein beliebtes Viertel.Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Die Stadtplanerin betont, damit die Energiewende gelingen kann, brauche es vor allem Klarheit darüber, welche Heizung für das jeweilige Gebäude passt. Im Sommer 2026 werden in Chemnitz und allen anderen deutschen Großstädten die kommunalen Wärmeplanungen veröffentlicht. Damit haben auch die Mieter einer Wohnung zumindest Klarheit darüber, welche Wärmeversorgung für ihr Gebäude infrage kommt.

Allerdings: Die Fristen für den Austausch der Heizungen sind eher großzügig, sogar, wenn die aktuelle Bundesregierung am Heizungsgesetz festhalten sollte. Eine Gas- oder Ölheizung müsste auch dann erst ausgetauscht werden, wenn sie älter als 30 Jahre ist oder irreparabel kaputt. Zögert der Vermieter die Sanierung heraus, kann das für viele Mieter teuer werden. Denn die steigenden Kosten durch den CO2-Preis werden bis dahin zu wesentlichen Teilen von ihnen getragen.

Grit Stillger sagt, sie plädiere dafür, die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung teilweise wieder in Programme fließen zu lassen, die die Belastungen für Mieter abfedern. Immerhin seien das Einnahmen in Milliardenhöhe, auf die Deutschland künftig zurückgreifen könne.

Übrigens: Neben dem Heizen spielt natürlich auch der Strom eine wichtige Rolle. Unsere Kollegen von BR24 berichten aktuell darüber, welche Möglichkeiten Mieter in Punkto Balkonkraftwerk haben.

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