Inhalt des Artikels:

  • ① Wo man den Urknall hören kann
  • ② Wo an der Energiewende für die Industrie geforscht wird
  • ③ Wo Fahrzeuge das selbstständige Fahren lernen
  • ④ Wo an neuem Bauen geforscht werden könnte
  • ⑤ Recycling-Forschung statt fossile Brennstoffe – für eine (über)lebenswerte Lausitz

① Wo man den Urknall hören kann

Wie hat der Urknall geklungen? Wie wackelt das Weltall? In der Lausitz soll das herausgefunden werden. In einem großen Untergrundlabor in 250 Meter Tiefe. Wo das gebaut werden könnte, wird gerade aufwendig im Landkreis Bautzen getestet. Der Lausitzer Granit ist wegen seiner seismologischen Ruhe dafür gut geeignet, so Günther Hasinger vom Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA). Tief unter der Erde könne man hier sogar das Meeresrauschen hören.

In dem Untergrundlabor sollen einmal hochpräzise Instrumente entwickelt und getestet werden. Astrophysik gehe Hand in Hand mit Technologieentwicklung, so Hasinger.

Gerne hätte der Gründungsdirektor des DZA auch das Einsteinteleskop in der Lausitz. Das könne die Wellen aus dem Universum selbst messen. Die Lausitz gehört zu den drei möglichen Kandidaten, neben Sardinien und der EMR-Region (Euregio Maas-Rhein – Niederlande, Belgien, Deutschland), wo das Einsteinteleskop oder auch Teile dessen platziert werden könnten.

Historisches Postamt GörlitzBildrechte: MDR/Til Schäbitz

Vom ehemaligen Postamt in Görlitz aus steuert Günther Hasinger als Gründungsdirektor den Aufbau des Großforschungszentrums DZA, das einmal Wissenschaftsgeschichte schreiben will. Neunzig Menschen arbeiten bereits daran. In spätestens 15 Jahren sollen es tausend sein.

② Wo an der Energiewende für die Industrie geforscht wird

Wie in der Industrie schädliche Treibhausgase reduziert werden können, daran arbeiten Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Olbersdorf bei Zittau. Seit 2019 besteht das Institut für CO2-arme Industrieprozesse. Hier wird an Hochtemperatur-Wärmepumpen für Industrieanwendungen geforscht, so Steffen Klöppel vom DLR.

DLR-Versuchslabor in Olbersdorf bei ZittauBildrechte: MDR

Die Wissenschaftler kooperieren dabei mit der Hochschule Zittau-Görlitz. Viele Mitarbeiter in dem Institut des DLR haben an der Hochschule studiert. "Hochwertige Arbeitsplätze ziehen mittlerweile junge Leute aus der ganzen Welt an", sagt Klöppel. Durch die Zusammenarbeit mit Firmen und durch Ausgründungen werde auch die lokale Wirtschaft gestärkt.

③ Wo Fahrzeuge das selbstständige Fahren lernen

An der Mobilität der Zukunft wird bald in Schwarzkollm geforscht. Die TU Dresden baut seit Anfang 2025 einen eigenen Forschungscampus bei Hoyerswerda, das Smart Mobility Lab. Auf einer Fläche von 38.000 Quadratmetern wird hier einmal Grundlagenforschung für vernetztes Fahren betrieben werden. Sogar automatisierte Landwirtschaft und vernetztes Fliegen können hier erprobt werden.

Herzstück ist eine riesige Fahr- und Flugversuchshalle: Hundert mal hundert Meter in der Fläche und dreißig Meter hoch. Die Größe brauche es, um mit Flugdrohnen zu arbeiten, so Professor Günther Prokop, Leiter des Smart Mobility Labs und Inhaber der Professur für Kraftfahrzeugtechnik an der Fakultät Verkehrswissenschaften der TU Dresden.

Wenn die Versuchshalle Ende 2026 fertig ist, dann zieht auch der weltweit größte Fahrsimulator nach Schwarzkollm.

Im Smart Mobility Lab lernen automatisierte Fahrzeuge sozusagen das selbstständige Fahren: Welche Verkehrsregeln befolgt werden müssen oder wie sie in bestimmten Situationen reagieren müssen. Das, was Fahrschüler in der Fahrschule lernen.

④ Wo an neuem Bauen geforscht werden könnte

Auch im Bautzener Rathaus hofft man, dass in der Spreestadt bald geforscht wird – an der Zukunft des Bauens. Als Strukturwandelprojekt war das Bauforschungszentrum Lausitz Art of Building dem Deutschen Zentrum für Astrophysik zwar unterlegen. Aber im November 2024 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages überraschend den Weg freigemacht für ein Bundesforschungszentrum, das Living Art of Building mit Hauptstandort Bautzen.

Hier könnte einmal geforscht werden, wie man klimaneutral und Ressourcen schonend bauen kann. Es werde viel zu wenig im Bauwesen geforscht, gerade auch vor dem Hintergrund des Klimawandels, einer maroden Infrastruktur und dem vernachlässigten Wohnungsbau, so Professor Manfred Curbach von der TU Dresden. Er hat das Konzept für das Bauforschungszentrum mit initiiert und wurde für seine Forschung gerade mit dem Nobelpreis für Nachhaltigkeit, dem Sustainability Award 2025 des Nobel Sustainability Trust (NST) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München (TUM) ausgezeichnet.

Bildrechte: GCI HENN

Zwar hat es das Bautzener Bauforschungszentrum bis in den Berliner Koalitionsvertrag geschafft, aber es fehlt die verbindliche Finanzierung. Dennoch bleibt man an der Spree optimistisch, ein Teil des Lausitzer Forschungsclusters zu werden.

⑤ Recycling-Forschung statt fossile Brennstoffe – für eine (über)lebenswerte Lausitz

Die neuen Forschungseinrichtungen in der Oberlausitz sind eine große Chance für die Region, findet der Oberbürgermeister von Hoyerswerda, Torsten Ruban-Zeh. Mit dem Strukturwandel könne sich die Region neu aufstellen und damit auch "enkeltauglich" werden.

So sieht es auch der Bautzener Landrat Udo Witschas (CDU). Er ist überzeugt: Forschungseinrichtungen bringen Arbeitsplätze in die Region, so wie das CircEcon in Spreetal an der Landesgrenze zu Brandenburg. Die Technischen Universitäten von Chemnitz, Freiberg und Dresden sowie die Hochschule Zittau-Görlitz bauen hier einen weiteren Forschungscampus.

In dem Forschungszentrum sollen ab 2027 Recycling-Technologien entwickelt und Versuchsanlagen gebaut werden für eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft. Durch Unternehmensansiedlungen und Ausgründungen sollen auch hier neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

MDR SACHSEN (sth,diw), MDR WISSEN

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