Was die Ausbreitung der Vogelgrippe für private Geflügelhalter bedeutet
- Wegen der Vogelgrippe müssen auch bei vielen privaten Geflügelhaltern die Tiere vorsorglich im Stall bleiben.
- Thüringens Gesundheitsministerin Schenk ruft zu strikten Vorsichtsmaßnahmen auf, um eine Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern.
- Wegen der Ansteckungsgefahr müssen etliche Geflügelschauen abgesagt werden.
Die Vogelgrippe grassiert, aber im Hühnerstall von Thomas Stötzer ist die Stimmung noch gut. Eine seiner 25 Zwerg-Barthennen gackert laut. "Die zeigt praktisch an, dass sie ein Ei gelegt hat. Die freut sich, es hat geklappt. Das Ei liegt hier im Nest."
Thomas Stötzer, 66 Jahre alt, ist mit Hühnern aufgewachsen, hat jahrzehntelang gezüchtet. Heute leitet er in Erfurt den Verband der Rassegeflügelzüchter Thüringens.
Vorsorgliche Stallpflicht auch für Hobbyhalter
Seine Hühner müssen derzeit im Stall bleiben - vorsorglich. "Tja, so sieht es durch die Situation Geflügelpest jetzt aus. Die Aufstallung. Man versucht, so gut wie möglich hinzubekommen, dass die Tiere auch noch frische Luft haben. Also Stalltür offen lassen."
Es gibt trotzdem ein Problem: Hühner, die Freilauf gewöhnt sind, langweilen sich im Stall schnell. Und dann fangen sie an, sich gegenseitig zu attackieren. Thomas Stötzer versucht deshalb, seine Tiere zu beschäftigen. "Stroh rein, Strohpellets. Jetzt gibt es ja Möhren oder Rüben, die man denen anbieten kann, sodass sie drinnen picken können. Und man muss sie beobachten, ob sie damit zufrieden sind."
Ministerin mahnt zu Vorsichtsmaßnahmen
Als Rentner hat Stötzer Zeit dafür. Berufstätige Halter tun sich schwerer. Und davon gibt es viele: Allein 5.000 Geflügelzüchter sind in Stötzers Landesverband organisiert. Hinzu kommen Tausende Hühnerhalter ohne Mitgliedschaft. Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) ruft alle zur Vorsicht auf: "Also es gibt ja Bio-Sicherheitsmaßnahmen. Die klingen erstmal sehr technisch. Aber es ist ganz zentral, dass die Geflügelhalter das wirklich umsetzen, um eben den Kontakt zwischen den Wildvögeln, die dieses Virus in sich tragen und verbreiten, und unseren Hausgeflügelbeständen zu vermeiden."
Das bedeutet zum Beispiel: In betroffenen Landkreisen müssen auch Hobbyhalter Hände und Schuhe desinfizieren, wenn sie den Stall betreten oder verlassen. Ob das immer alle machen? Marcus Beck, zweiter Vorsitzender der Thüringer Züchter, glaubt: Die meisten nehmen die Vogelgrippe-Lage ernst. "Wir wissen ja, dass wir immer damit rechnen müssen. Aber in diesem Jahr ist es besonders hart. Das sehen sie ja an den vielen verendeten Wasservögeln und auch an den Keulungen, die vorsorglich vorgenommen werden."
Hochsaison für Geflügelschauen
Was viele Züchter besonders trifft: Der Herbst ist die Zeit der Geflügelschauen. Einige wurden schon abgesagt. Beck hat fürs Wochenende zur Werratal-Schau nach Barchfeld eingeladen - und hofft noch. "Unsere Schau ist mittlerweile über mehrere Landesgrenzen hinweg bekannt. Da wir das schon viele Jahre so handhaben, dass wir verschiedenen Züchtern die Möglichkeit geben, ihre Tiere zu präsentieren. Bis jetzt hat unser Veterinäramt noch grünes Licht gegeben, weil im Wartburgkreis bisher noch nichts gefunden worden ist." Aber eine Schau mit vielen Tieren birgt eben immer auch ein gewisses Ansteckungsrisiko.
Zurück bei Thomas Stötzer: Wie sehr der Verbandschef seine Tiere liebt, sieht man im Arbeitszimmer. Dort hängt ein Ölgemälde - gemalt zum Sechzigsten. Es zeigt ihn zwischen einer Zuchttaube und einem Hahn. Stötzer erzählt, sollte die Vogelgrippe private Halter erwischen, könnten auch sie Entschädigung aus der Tierseuchenkasse erhalten. Bis zu 50 Euro je Huhn. Aber: "Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ich will das Geld nicht haben. Denn wenn ich das Geld bekomme, sind meine Tiere tot."
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